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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-12-27 · 36 (27.12.1838) · p. Seite 164

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
36 (27.12.1838)
Date
1838-12-27
Page
Seite 164 (sequence 2)
Language
German
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164 um eine Stufe weiter gediehen. An der Spitze der dort heraufkeimenden Biuristen steht der wackere Samuel David Luzzatto, Professor am Collegium Rabbknicum zu Padua, unter dessen Leitung der schöne biuristische hebräische Styl, wie die rationalistische Schrifterklärungsmethode immer größere Allgemeinheit gewinnt. Auch dieser bildete sich unmittelbar durch das Beispiel unsers Herrn Reggio, und ich besaß die Briefe, worin er als Jüngling die ehrenvolle Bekanntschaft des Herrn Reggio ansuchte, indem er ihm eine Frage über eine schwierige Stell» im Commentar R asch i's zum Pentateuch zur Beantwortung vorlegte, dieser aber ihm das gewährte und mit ihm den noch jetzt bestehenden Freundschaftsbund schloß. War nun aber dadurch schon der Einfluß Reggio's für Italien wichtig, reprasentirte er durch das Hervorrusen der biurkstischen Literaturperiode den Mendelssohn- Wessely in Italien, so wollte er noch in höherer Beziehung an Mendelssohn sich anschließen, er wollte Religionsphilosoph werden, und ward auch hierin nur Vertheidiger Mendelssohns , ein Umstand, der für Italien nichtsdestoweniger die erfreulichsten Resultate brachte. Nach Versöhnung seines innern Zwiespaltes lechzend, glaubte er, Vernunft und Tradition, Glauben und Wissen seien auch außer ihm entgegengesetzt, er wußte daher für sich kein besseres Heilmittel, als wenn er, diese zuerst kn Einklang brachte. Er vernahm zwar die seligsüße Harmonie, die aus den Werken jüdischer Religkonsphilosophen dem ernsten Forscher entgegentönt, erkannte aber den tieferliegenden Zusammenhang und die Nothwendigkeit nicht, sondern . hielt diese Werke für separate zufällige Erscheinungen, nicht »ohne den Wunsch selbst eine solche zu sein. Der Name Religionsphilosophie blieb ihm gänzlich unbekannt, er wollte dafür eine religiöse Philosophie, oder besser, re- .ligiösePhilosophen haben. Seingesammtes Steuern auf .diesem Literaturmeere hatte daher zum Ziele, eine Mittel- Maße ausfindig zu machen, auf der man sowol der Tora als .den profanen Wissenschaften nachhangen könne, ohne daß das Eine dem Andern Abbruch thue. Dadurch sollte seine eigene Unruhe gestillt und seine Erziehung gerechtfertigt werden, und was noch mehr ist, jedem Nachfolgenden endlich ldie.Mühe und die Gefahr erspart werden, einen Kampf von Neuem anzufangen, dessen glücklicher Ausgang sehr zufällig wäre. Mit diesen Gedanken trug er sich lange um, M plötzlich das Dekret der österreichischen Regierung erschien, dem zufolge kein Rabbine mehr angestellt werden durfte, der nicht die humanistischen und philosophischen Studien auf öffentlichen Schulen absolvlrt hatte. Herr Reggio ergriff die Gelegenheit, um seinem Bestreben in der Ideenwelt auch eine .reale Richtung zu geben^ er dachte, haben wir früher Rabbknen ohne weltliche Bildung gehabt, so könnte es jetzt geschehen, daß die neuen Rabbinen durch das ausschließliche Besuchen öffentlicher Bildungsanstalten, gar keine Kenntniß der jüdischen Theologie besäßen. Er faßte den Entschluß und schrieb einen Aufruf in italienischer Sprache an die dortigen Juden, und forderte sie auf zur Errichtung einer Rabbinenschule, allwo der Kandidat nach vollendeten Profanstudien den Unterricht in den rabbinischen Wissenschaften erhalten sollte. Sein Aufruf zündete, man ging zu Rathe und am 14. Cheschvan 5590 stand das Collegium rabbinicum da, schön, herrlich, wie ein Tempel Gottes*). Zum *) Bikkure ha-Tttiin, 5591 Seite 5, 6, 7, 8. Der Leser bemerkt, daß wir nothwendig auf die Angelegenheit der jüdischtheologischen Fakultät in Deutschland geführt werden; ich will mich daher nicht zurückhalten, hierüber zu sprechen. Wir müffen unö in der That sehr schämen, . wenn wir Deutschland mit Italien in dieser Rücksicht vergleichen. Man denke nur, fünf Gemeinden Italiens, Venedig, Mantua, Padua, Verona, Rovigo, vermochten, obwohl sie alle zusammen genommen vielleicht nur eine große Gemeinde Deutschlands ausmachen und unter den Mitgliedern viele Unzufriedene enthielten, einen prächtigen Pallast (magnilioo palazzo, wie mir Professor Luzzatto geschrieben) herzustellen, worin die aluuui gespeist und mit allem möglichen Bedarf versehen werden, mit Kleidung, Arzt und Apotheke, und die zwei Professoren, Herr Lelio de la Torre und Herr Samuel David Luzzatto jeder 2000 fl. jährlichen Gehalt bekommen, bei jenen vielen reichdotirten Wohlthätigkeitsanstalten, die in Deutschland ihr Gleichen nicht finden. Man könnte den Einwand machen, daß die Zöglinge dafür jährlich 300 fl. zu bezahlen ' haben, man berechne aber erstens, daß die Zahl der Zöglinge äußerst gering ist, ferner daß die Unbemittelten gratis ausgenommen werden, und doch habe ich es durch meine Unterhandlungen mit meinem hochzuverehrenden Freunde Herrn Professor Luzzatto und mittelbar mit Herrn Direktor Gabriel Triefte erlangt, daß die früher statutenmäßig von den außerlombardisch-venetianischen Zöglingen zu entrichtende Summe von 450 fl. (S. die angeführten Likkur« ha-Ittim, Seite 7) auf 300 (Vergl No. 73 -d. I.) herabgestimmt wurde, wofür ich diesen hochherzigen Männern jetzt im Angesichte aller Edelgesinnten meinen herzlichsten Dank abstatte. Hatte man aber in Italien durch diese Anstalt den Befürchtungen Herrn Reggio's nur vorzubauen, so ist sie in Deutschland um so eher Bedürfniß geworden, da sich seine Befürchtungen Hierselbst in der traurigsten - Wirklichkeit erfüllten. In Stuttgart (S. No. 51 d. I.) werden die Juden von Professoren der katholischen und protestantischen Theologie zu Rabbinen gestempelt,-auf allen deutschen Universitäten giebr eö jüdische 8tuck. , tjieol., also der christlichen Theologie, und eine sich jüdisch-theolo- “ gisch nennende Zeitschrift (die Geigersche), hat cs gleich in der Ankündigung ausgesprochen, sie wolle das Judenthum ^gleich dem Christenthum, vom Kalholicismuö zu einem Protestantismus uniformen. Wie daS auch Lachen erregt, so muß man doch weinen, weinen über diesen bittern Ernst. Ihr habr's ja empfunden, Ge- > meinden Israels, ihr empsindet'S täglich wie hirtenlos ihr seid, wie schmerzlich die Wunden, die euch die Anarchie geschlagen. Schaffet Rath und seht euch vor! Eine jüdisch-theologische Fakultät thut euch Noth, liebt ihr eure Religion, liebet ihr euren Gott. Ja, sagt ihr, die Reichen wollen unS nicht beistehen, wir Armen vermögen nicht viel. Aber das ist auch nicht nöthig, ihr könnt mit den geringen Mitteln denselben Zweck erreichen. Will man auf die 100,000 Thaler warten, so kommt nie etwas zu Stande; will man sich mit 20,000 begnügen, kann eS bald geschehen. Die Umkosten, welche in Italien auf daS Collegium rabdmionm verwendet worden, sind hier ersparet, die Professoren doziren in den gewöhnlichen Auditorien, und die Schüler sorgen für ihre Klei- »

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