Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 17 (23.06.1838)
- Date
- 1838-06-23
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zogenen Bibelstellen (Gen. 26, 12. Matth. 13, 8) sowol, als die Versicherung der Rabbinen (Ketub. 112, 1), daß früher ein Seah Aussaat 50—70 Kor Ertrag gab, ist nicht ganz zu den Fabeln zu rechnen, wenn wir damit die Berichte des Strabo (XVI, p. 742),, Hero dot (I, 193), Plinius XVIII, 24 «), so wie der neuern Reisenden Shaw (R. 123) Burkhardt (I, 463) u. A. vergleichen. In her Mitte des Monats April **) (Abib, Nissan) begann nun die Ernte, nachdem der Spatregen aufgehört hatte; sie war das Bild der Freude (Ps. 126,6). Doch ward sie am zweiten Tage des Passahfestes, dem 16. Nissan, mit religiöser Feierlichkeit eröffnet. Lev. 23, 10: „Wenn ihr in das Land, welches ich euch eingeben will, kommet, so sollt ihr eine Garbe, die Erstlinge eurer Ernte, zum Priester bringen." sigl. v. 15 u. s. w. Iosephus sagt darüber (Alterth. III, 10, 5): „Am andern Tage des ungesäuerten Brodes, genießen sie von dem Getreide, welches sie geerntet haben, ohne es vorher berührt zu habey. Und glaubend,^daß Gott zuerst die Ehre sein müsse, durch den dies Gut zu Theil wird', bieten sie ihm die Erstlinge der Gerste auf folgende Art dar. Indem von einer Garbe (ägdypa) die Aehren am Feuer getrocknet und ausgehülset werden, wird ein Gomer auf dem Altäre Gott dargebracht, eine Handvoll geopfert, und das Uebrige zum Nutzen der Priester überlassen. Nun ist es erlaubt, am öffentlichen und privaten Gute die Ernte zu beginnen." Nach der Misch nah (Menach. C. 10) wurde diese Erstlingsgarbe (von Gerste) gegen Abend des 15. Nissan auf einem Jerusalem benachbarten Acker von Abgeordneten des Synedriums bezeichnet und in der Nacht am 16. Nissan abgeschnitten und in den Tempelvorhof gebracht. Hier entkörnte und zermalmte man die Körner mittelst einer Handmühle, siebte das Mehl 13 Mal U. s. w. — Dies widerspricht insofern dem'Joseph , als jener vom Mösten. der Körner spricht, was allerdings auch die älteste Art, das Getreide zum Genüsse zuzubereiten, war. Von diesem zweiten Passahtage an dauerte die Erntezeit bis Pfingsten, also sieben Wochen lang, und dies wurde daher auch Erntefest ("Y'Hjpn M) genannt (Exod. 23, 16). „Sieben Wochen sollst du zählen und zwar von dem Tage *) Pingnia arva ex ’una seminis radice fruticem numerosum fundunt, densamque segetem e raro semine emittunt. •*) .Dies ist auch jetzt noch der Fall; in einigen Gegenden, z. B. um Jericho, wird die Gerste schon zu Ende März reif. an, da zuerst die Sichel an die Saat gebracht wird" (Deut. 16, 9). Wie bei unfern Landleuten, ward die Erntezeit als kalendarische Zeitbestimmung gebraucht (2 Sam. 21, 9; 23, 13), eben so wie in spaterer Zeit andere dem Ackerbauer wichtige Ereignisse, wie der erste, der zweite Frühregen (Mischn. Schebiith 9, 7). Die erste Getreideart, welche geschnitten wurde, war die Gerste (2 Sam. 21, 9. Ruth 1, 22. 2, 23. Judith 8, 2); dann kamen Weizen und Spelt an die Reihe (Gen. 30, -14. Nicht. 15, 1. Ruth 2,23. 1 Sam. 6,13.). Man stelle sich vor, welche Lebhaftigkeit auf den Feldern des kleinen Landes geherrscht haben muß, > Freudenlieder ertönten überall: „er gehet hin und weinet, wer die Saatlast tragt, er kommt mit Freudengesang, wer die Garben trägt" (Ps. 126, ,6.).' „Sie freuen sich vor dir, wie die Freude der Ernte" Jes. 9, 2.). Die Vorübergehenden grüßten mit dem Gruße des Herrn: 'n (Ps. 129, 8), eine Sitte, die sich lange erhielt, und selbst gegen Heiden geboten wird (Schebiith 4, 3) — und mit patriarchalischer Würde stand und verkehrte der Herr mit den Arbeitern, vgl. Ruth 2, 4 ff. Die Schnitter über welche Aufseher oder Burschen gestellt waren (Ruth 2,5), labten sich bei der anstrengenden Arbeit mit in Essig getauchten .Brodstücken (Ruth 2, 14: „Wenn die Zeit zum Essen kommt, tritt näher her und iß von dem Brode und tauche dein Brod in Essig ein"); der Essig nehmlich ward, mit etwas Oel vermischt, von gemeinen Leuten im Oriente als ein sehr, erquickendes, durstlöschendes Getränk genossen (Plin. 23, 26). — Was nun die Werkzeuge betrifft, so brauchte man zum Mähen des stehenden Getreides NOp die Sichel *7212 („leget die Sichel an, denn die Ernte ist reif" Joel 4, 13. vgl. Deut. 16, 9. 23, 26). Das Geschnittene .wurde auf dem Arme zusammengetragen, („die Feinde Zions müssen sein wie Dachgras, womit der Schnitter seine Hand nicht füllt uNd nach dem Garbenbinden seinen Arm voll hat." Ps. 129, 7; „es ist als wenn der Schnitter Halme faßt, da sein Arm die Aehren schneidet, als ob man Aehren ließet im Thale Rephaim." Jes., 17, 5). *) Die Gehilfen banden es in Garben IW/ rOS) Ruth 2, 16; diese wurden in Stiege, Mandeln oder Haufen gesetzt (Nicht. 15, 5 verbrennt Simson das *) Plin. 18 30: stymbae alibi mediae falce praeciduntnr, atque inter duas mergites spica distringitur. Alibi ab radice vellunt etc.