Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 20 (21.7.1838)
- Date
- 1838-07-21
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8366961-8376900-8367079--093-8367081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
heit und des Zerwürfnisses in der Gegenwart gegenüber — und zeigt, wie inmitten dessen der geistliche Volksführer versöhnend, vermittelnd, heilend zum Frieden, zur Gesetzmäßigkeit und zum Glauben zurückführen soll; alle die verschiedentlichen Anforderungen, die an ihn gestellt werden, und zu deren wesentlichen Befriedigung ihm durchaus jegliche äußere Unterstützung, namentlich von Seiten des Staates fehlet. Zu gleicher Zeit zieht er allerdings zu, daß die neueste Zeit bereits aus diesem Zerwürfniß sich herausarbeitet, die Extreme sich abschleifen, und, wenn auch noch der Schlußstein fehlet, doch die Präliminarien in der allgemeinen Richtung bereits gegeben sind. Er berührt dabei viele Mangel und diejenigen Fehler, durch welche die Einigung in den Gemeinden so sehr erschwert wird, und stellt sie scharf heraus. — Diese Rede ist höchst gediegen, mit einer Warme und Klarheit, und dabei mit genügender Mannigfaltigkeit, abgefaßt, daß sie unsre innigste Bewundrung und Liebe in Anspruch nimmt, und nur den Mangel an durchgreifender Eintheilung fühlen laßt, wodurch dem weniger Geübten die Ueberstcht und die Wahrnehmung des Resultats erschwert wird. Wir bedauern, daß der Raum uns nicht gestattet, die vielfachen Bemerkungen, die uns zu dieser Rede vorschweben, hier niederschreiben zu können, und können nur den dringenden Wunsch aussprechen, daß die Gemeinde des Verf. den Werth desselben wahrhaft erkennen, und zur Ausführung seiner eigennutzlosen Wünsche. Und Absichten sich stets geneigt fühle. Die dritte Rede beleuchtet 1) Grund und Bedeutung der Einsegnung des Neumondes geschichtlich; 2) zieht das Gebet i.n Betracht, welches unsere Weisen als Begleiter dieser Handlung eingeführt haben; 3) untersucht die Wirkung, welche diese Handlung zu unserer Besserung haben könne und müsse, und entspricht diesen Aufgaben vollständig. Wir können nur wünschen, daß Herr Rabb. Df. Holdheim uns öfter Reden durch den Druck mittheile, und diese eine recht allgemeine Verbreitung finden. Es ist ein Geist der Befähigung und innerer Festigkeit und Bestimmtheit, der sehr wohl thut in dem Schwalle der überströmenden Mittelmäßigkeit. (Fortsetzung folgt.) Literarische Correspon.denz. Jrsa in Ungarn, 1. Mai. Ungarische Sprache. Aehnlichkeit mit der Hebräischen. Es ist erfreulich wahrzunehmen, wie Alles, waS Ungar ist, unermüdet strebt, seine Narional-Sprache zu heben. Lese-Vereine, Zeitschriften, unter denen die gediegendsten für Kunst und Literatur, fast aus allen europäischen Sprachen ins Ungarische übertragene Werke, denen die Original-Werke des verewigten Kisfaludy, des gelehrten Grafen von Szetsänyi, des trefflichen VöröSmarty, und v. a. zur Seite stehen, prangen in unserem Lande, und die ungarische Gelehrte Gesellschaft, die unter ihren Mitgliedern die ausgezeichnetesten Gelehrten in allen Fachern der Wißen schäften zahlt, wendet Alles an, durch ihre Preis-Vertheilungen, ihrer Sprache einen Glanz zu verschaffen, dessen sie ihrer Gediegenheit und Korrektheit wegen wirklich fähig ist, so daß sie nach dem kurzen Zeiträume nicht ganzer zweiDecennien, sich jeder cultivirten europ. Sprache ehrenvoll zur Seite stellen kann. t Nicht sowol das geistige Streben der Israeliten anderer Länder vor Augen habend, als vielmehr den Nutzen einsehend,'den die Kenntniß einer Landessprache gewährt, so wie von dem Gefühle angeregt, sich nehmlich von seinen Landeskindern nicht als Fremder betrachtet zu sehen, strebt auch der, seit den frühesten Jahrhunderten hier angesiedelte Israelit, der die frühem Schicksale mit seinen edeln Landeöbrüdern so großmüthig getheilt mit wahrhaftem Eifer, diese Sprach^ auch unter sich zu verbreiten. Man hat in den zum Tbeil trefilich^eingerichtetcn isr. Schulen , christliche Lehrer zum Unterrichte in dwser Sprache angestellt, und in den kleinern Orten, die Jugend in christliche Volksschulen geschickt. Aber mit welchem Erfolge? Nach mehrjährigem Unterrichte verließ unsere Jugend die Schule, ohne etwas von den grammatischen Regeln zu wissen, noch nach den orthographischen Regeln ungarisch schreiben, geschweige denn sprechen zu können. — Worin liegt also die Ursache? Die christlichen Lehrer, größtentheils Studierende aus den Gnmnasial-Schulen, uizd keiner andern, als her lateinischen und ungarischen Sprache kundig, sind unfähig sich der Jugend jüdisch-deutscher Zunge, verständlich zu machen. In den ungarischen Volksschulen, wo der Unterricht bloö auf Schreiben, .Lesen, Religion rc. rc. eingeschränkt ist, wird Grammatik nie vorgekragen. Und so sehen wir leider abermals einer Generation entgegen, die ihren LandeSbrüdern hierin nicht gleich steht"'). Wie wird aber diesem Uebel gesteuert? fragt man: o! ") Als im Jahre 1686 Ofm den Türken entrissen wurde, zeichneten sich die ungarischen Juden bei der dritthalb monatlichen, sehr blutigen Belagerung, im Angesichte der deutsch-ungarischen Heere so tapfer aus, daß sie damals von den ung. Magnaten mit zahlreichen Privilegien beschenkt wurden. Corr. **) Wol macht man hier die Einwendung, daßso lange die österreichischen, polnischen rc. rc. Juden ihre alt jüdisch-deutsche Mundart beider halten, sie nie zu jener Stufe der Bildung gelangen werden, auf der ihre deutschen, englischen rc. rc. Brüder, die ihre Landessprache unter sich «ingeführt, bereits stehen. Ei! gibt es doch in unserem Lande, und zwar hier geborne und erzogene Juden, die französisch geläufiger, und weit regelmässiger sprechen, als der geborne Franzose, obgleich ihr Fuss dessen Land nie betreten; stehen aber auch wie der Franzose da, wenn der Ungar sie in seiner kräftigen Sprache anredet. — Der deutsche, slavische, neugriechische, walachische Bürger Ungarns, hat die trefflichsten Anstalten, besonders seitdem sie sich nationalisirt haben, um die ung. Sprache unter sich zu verbreiten, der Jude aber, vorzüglich aus den grossen Städten, führt seinen Dolmetscher mit sich, alt reiste er in die Türket. — Der ungarische Große lernt die deutsche Sprache, um sich dem ihm unentbehrlichen Juden verständlich machen zu können. — Daß die israelitischen Gymnasiasten, die Hausierer, oder die in den ung. Orten, vorzüglich in den Ungvärer, Biliar« Gespannschaften woh. nenden Israeliten ungarisch sprechen, ist im Verhältnisse r»,m Ganzen sehr