Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 31 (20.10.1838)
- Date
- 1838-10-20
- Page
- Seite 124 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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124 der Bezeichnung der betontesten Silben im einzelnen Worte selbst. Dies stand auch mit jener wichtigen Function der Accentzeichen oft im Widerspruche, wie man sich unter andern auch aus dem (in Bezug auf unsere Ansicht bedeutsamen) Umstande überzeugen kann, daß ungefähr ein Drkttheil der Accentzeichen, wie Sarka, Segolta, Tlischa u. a., stets einen festen Platz am Anfänge oder Ende des Wortes einnkmmt, ohne irgend einen Bezug auf eine „Tonsilbe" zu haben. Die doppelte Setzung solcher Accente findet sich bei weitem nicht in allen Fallen und ist wol erst spater entstanden. Verließen sich nun hier die Masoreten offenbar darauf, daß der Leser nach seiner sonstigen grammatischen Kenntniß die Tonsilbe finden werde, fo konnten sie dies auch in den übrigen Fallen thun. Man sieht also, daß die nächste Bestimmung, welche die Masoreten diesen Zeichen geben, bei einem Drittheil wenigstens, die Tonbestimmung vollkommen ausschloß und daß wir Grund haben, dies auch von den andern zwei Drittheilen anzunehmen. Es giebt indeß auch von der Natur der hebräischen Silben hergenommenen und andere grammatische Gründe, welche wider den allgemein geltenden Glauben sprechen, daß die Nd^d zugleich die Tonsilbe andeute. Wir sind in unserer ausführlichem Schrift naher hierauf eingegangen und haben zugleich zu erweisen versucht, daß manche grammatische Erscheinungen, welche man mit der Tonangabe der Accente in Verbindung bringt, zwar allerdings mit der anderweitigen Bestimmung der Accente in Verbindung stehen, aber sich stets eben so gut, oft besser, zuweilen auch allein dann erklären lassen,- wenn man von der Meinung abgeht, daß diese Accente eben da sind, um die Tonsilbe zu bestimmen * *). tillation, in welcher die Araber nach ähnlichen Zeichen den Koran lesen, eine Analogie darbictet. Wir sind auf diesen Gegenstand umständlich eingegangen und haben auch die Melodien der Sarka selbst mitgetheilt es. Form d. H. P. S. 178—95 und die drei ersten Notentafeln). *) Ueber die accentuirte Silbe wollen wir hier nur so viel andeuten, daß dieselbe, hei beweglicken Accenten ganz allgemein die letzte Silbe des Wortes ist. Von dieser Regel bilden die Wörter, welche auf der vorletzten Silbe accentuirt sind, nur scheinbar eine Ausnahme, denn hier wurde die letzte Silbe so kurz gesprochen (wofür auch die arabische Schreibart dtt Segolatformen als Beleg dient), daß sie nicht mehr als vollständige Silbe zu betrachten war, und so die vorletzte den eigentlichen Schluß des Wortes bildete. Wurde nun eine solche letzte Silbe durch irgend einen Umstand verstärkt,so ward sie dadurch zur eigentlichen Schlußsilbe und das melodische Declamationszeichen, nahm der allgemeinen^ Regel nach auf ihr seine Stelle ein. Man las z. B. in welches den Accent aus der vorletzten Silbe hat die letzte Silbe gewöhnlich nur sehr schwach. Kömmt aber ein angehängtes hinzu prnw\ so wird die letzte Silbe offenbar kräftiger, weil der Vokal, indem er sich auf einen Consonanten stützt, vernehmlicher hervortritt und nicht mehr verhallen kann. Hierdurch wurde diese Silbe fähig, das melodische Schlußzeichen des Wortes aufzunehmen, prn:a\ Daß aber der Tvn des Wortes Die in Bezug auf diesen Gegenstand dort angegebenen Gründe haben sowol Rosenmüller (Leipz. Literat. Zeit. Febr. 1826.) als auch Silvesire de Sacy (dessen ferne, unerwartete Aufmerksamkeit auf dies Buch den, bei der Herausgabe desselben noch jungen, Verfasser nur auf das Angenehmste überraschen konnte —• Journ. d. Savans, Norbr. 1827.) nicht gewichtlos gefunden, gleichwie diese verehrten Männer unsern daselbst aufgestellten Ansichten über das Schwa, dessen Werth wir in Bezug auf das (mit der Acdurch ein so unwesentliches, zeragogisches umgekehrt worden sei, ist wol nicht glaublich. Dieser blieb nach wie vor auf der vorletzten Silbe und ■pn-fa“1, nur das eine Mal sprach man die letzte Silbe flüchtig ■frn?:p und daö andere Mal kräftiger pnUm (die letzte Silbe erhielt, wie man nach der deutschen Prosodie sagen würde einen Tieston, oder wurde wenigstens von einer Kürze zu einer starken Mittelzeit, während der. Hoch ton auf der vorletzten blieb, vergl. Junge'und Jüngling, habe und habhaft). Da sich nun aber der Klang deS Wortes, der sich auf der vorletzten, eigentlich betonten, Silbe gewissermaßen wog, hier mehr nach der letzten Silbe hinneigte, so wurde dadurch die erste Silbe entkräftet und,verkürzt; sie verliert demnach den ordentlichen Vokal und erhielt Schwa Für andere Fälle verweisen wir auf die angeführte Schrift. Aber einen Grund gegen die Betonung der letzten Silbe, der uns damals entging; wollen wir hier noch nachholen. Betrachtet man die Tonsilben im Deutschen, welches der Regel nach die vorletzten sind, so wird man finden, daß der Ton im Allgemeinen den eigentlichen Stamm deS Wortes trifft'und, wo dieser die letzte Silbe bildet, auch einigermaßen bedeutsame Vorsilben, wie z. B. Anhauch, Anwalt, Obhut, wobei aber der Stamm noch immer den Tiefron erhielt, den man bei der letzten Silbe stets anbringen kann. Ein Aehnliches sollte man doch auch im Hebräischen erwarten, da in dieser Sprache der Gedanke überall vorherrscht. Statt dessen würde der Ton, wie ihn die Grammatiker annehmen, gewöhnlich die an gehängten oder sonst unwichtigen Silben treffen, während der eigentliche Stamm des Wortes größtentheils in der vorletzten Silbe liegt. Hierher gehören nicht bloö Wörter wie die Verba u. a., wo die zweite Silbe offenbar höchst unwichtig ist und gewiß nicht vor der ersten, die den Namen und den eigentlichen Sinn des Wortes faßt, den Ton verdient, sondern auch durch Suffixa gebildete Silben. Man sieht gar nicht ein, warum man bei die letzte Silbe betont haben solle. (Man vergleiche auch Formen wiei^-^n^N 5. Mos. 4, 10.). In keiner Sprache ist es üblich (wenn man nicht etwa Gegensätze der Personen her, vorheben will) der Pronominalbezeichnung auf Kosten deS eigentlichen Stammwortes, einen solchen Nachdruck zu geben. Und hätte man wirklich gesprochen, warum sollte man nicht auch aus gleichen Gründen nVaft l ■»nbüj? 8-esagt haben, bei welchen jedoch der Accent auf^d'er vorletzten Silbe stehet f ^nVE2j>? Dies ist wiederum einer der vielen, von uns zum Theil angegebenen, Fälle, deren Erklärung gerade dadurch, daß man annimmt, der Accent gebe die Tonsilbe an, unmöglich wird. Mit einem Worte wollen wir hier nur andeuten, daß nach unserer Ansicht diese Erscheinungen der obigen bei dem angehängten (rercrgogischen) -j ganz analog sind. Der Ton ist hier natürlich überall auf der vorletzten Silbe, die letzten Silben, als im Verhälb, niffe zum Stamm, höchst unbedeutend, wurden nur sehr flüchtig gesprochen, daher blieb auch das Accentzeichen auf der vorletzten, d. h. der letzten kräftigen Silbe; erhielt aber eine solche letzte Silbe einen Consonanten zum Schluffe, so wurde sie kräftiger und der Accent (nicht aber der T o n) rückte auf sie hin.