Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 2 (20.1.1838)
- Date
- 1838-01-20
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Und dieser fade, abgestandene Held nun, da er also nirgends einen bequemen Weg fand, sich zu einer bekannten Person zu machen, ergriff endlich einen Gegenstand, durch den man am ehesten mit einer tüchtigen Portion Frechheit, ohne Leibesschaden und Leibesgefahr, sich in den Mund der Leute bringen, und bei etlichen Personen insi'nuiren kann, einen Gegenstand, über den am ehesten ohne alle Kenntniß und alles Studium mit hohlen Tiraden und leerem Gewäsche sich Büchelchen und Wischerchen zusammenschmieren lassen — das ist: das Judenthum! Das war ein Fund für einen I. I.! -Das Judenthum, das jeder Fant zu zerzerren und zu-zerfleischen wagen darf, ohne kaum die öffentliche Meinung zu riskiren; das J.udenthum, das Kind und Kegel, Jude und Nichtjude genugsam zu verstehen meint, um dar-- über abzuurtheilen, zu 'billigen, zu verwerfen daran nach Belieben; das Judenthum, das dabei für seine Bekenner bis in der kleinsten Hütte ein unendliches Interesse hat, und nicht weniger in der Außenwelt durch den hohen Proceß, der in demselben sich jetzt kund thut, Theilnahme und Aufmerksamkeit erregt hat — mit diesem konnte auch ein I. I. hoffen, so viel Geräusch zu machen, daß es ein Paar Verleger") mit ihm versuchen könnten, und da zugleich er wohlwußte, daß sein Ziel außerhalb des Judenthums läge, so konnte er hoffen, wenn er das Judenthum genugsam ausgequetscht hatte, es zur rechter Zeit in den Winkel zu werfen. Es ist hier an der Zeit, uns offen und freimüthig darüber zu erklären, was für eine Ansicht von einem Religionswechsel wir habey. Ein Wechsel seiner Religion mag diese sein, welche sie will, kann nur gebilligt werden, wenn er gerade aus den höchsten^Regkonen des religiösen Ergriffenseins herporgeht. Es kann ein Gemüth durch Schicksale und Verhältnisse so aus seiner bisherigen Organisation und Verfassung heraustreten; es kann ein Geist durch die Strömung eine anderweitigen Geistesbildung so ergriffen und überwältigt werden: daß diese eben ihre Befriedigung in einem andern Religionskreise finden ,— auch kann die in des Menschen Seele wogende Sehnsucht nach dem Ueberirdischen, auch seine gesellschaftwidrige Erscheinung rechne, vor welcher Freundschaft und Liebe floh. Jetzt, nachdem er die niedrige Erklärung von sich gegeben, die Klagen eines Juden und die albernen religiösen Rhapsodieen geschrieben-h), in welchen er sagt, daß Alles was besteht, heilig sei, alles Werdende aber schändlich und gotteslästerlich, und hinzufügt: das Letztere dürfe selbst in der Person getödtet werden, jetzt paßt er nicht mehr für mich, der ich niemals ein Geheimniß daraus gemacht habe, daß sch manches - Bestehende für sehr unpassend halte." — Und solch ein Mensch rühmt sich, wirksam zu sein! °) Es sind allerdings nun schon drei; es scheint doch Keiner Stich zu halten. t) Hatte der Abfasser nun erst die fade Harfe und Lyra gelesiri! wenn jene nicht die Energie hat, sich vermöge dessen, was sie schon besitzt, auf dem irdischen Lebensgange mit ihr abzuft'nden; ihn nach einem neuen Kreise streben zu lassen. Die inneren Gange und Wege des menschlichen Geistes sind vielfach, und nur der Schwachkopf will sie gern auf drei oder vier allgemeine. Heerstraßen reduciren. Aber nur auf diesem Gebiete allein, wo es sich um Befriedigung der höchsten geistigen Bedürfnisse des Menschen handelt, wo die Sehnsucht nach dem Schauen des Unsichtbaren die Seele aus ihren alten Fugen gebracht: ist ein Wechsel der Religion ein im Geiste und in der Wahrheit vollbrachter,— und es ist keine Zeit und keine Religion, die solche Prüfung nicht erlitten. — Jedwede andere Triebfeder aber, jedweder andere Bewegungsgrund, jedweder andere Zweck, der bei einem Wechsel der Religion vorwaltet, ist verächtlich, ist gemein, zeugt von der tiefsten Niedrigkeit. Kein materielles Interesse, und wäre es das bedeutsamste, das am tiefsten an's Leben dringende/, macht sonst den Wechsel der Religion entschuldigungswerth, und die Forderung des schwersten, den Menschen erdrückenden Opfers ist nur gering gegen die Aufopferung der Religion. Wie, verfahrt nun Joel Jacoby mit dem Judenthum? — Da.s allgemeine Publikum , das christliche-und das jüdische, sei Richter darüber. (Fortsetzung folgt.) Literarische Notizen. ,,MoseS oder die Erlösung Israels. Eine Mahnung der Religion und Geschichte an GotteS Macht und Herrlichkeit und seine wunderbaren Wege und Führungen iur Schicksale der Menschen und Völker. Darmstadt. 1837." Eine Erzählung des Lebens Mosis, fast ganz wörtl ch nach .der heil. Schrift. „Sammlung der im Großherzogthume Baden in Bezug auf die Israeliten erschienenen Gesetze und Verordnungen. In chronologischer Folhe herausgegeben. CarlSruhe, 1837." ES thut Einem wohl, die schöne Entwicklung zum Besten wabrzunehmen, deren Schlußstein mit der Hilfe GotteS und seines Lichtes über kurz oder lang erfolgen wird. „Die Organisation der Israeliten in Deutschland. Ein 'Versuch von L. L. Hellwitz, Obervorsteher im Herzogthum Westphalen und der Grafschaft Mark. Arnsberg und Soest. Dritte Auflage. 1837." Enthalt bekanntlich das Refums der Wünsche und Verbesserungen Israels, die mit schöner Klarheit vorgetra-- gen werden. Herr von Strombeck ließ eine Erklärung in mehre Blatter' einrücken, daß aus der Art, wie Herr Wagenfeld öfters den Sanchuniathon gar nicht verstanden, sich ergibt, daß allerdings eine, wenn auch fehlerhafte Abschrift eines Originals, die, wer weiß wie? nach Norddeutschllmd gekommen, zu Grunde liegt. Selbst aber, wenn dies erwiesen werden könnte, fragt es sich, ob nicht dieser Sanchuniathon untergeschoben, ein Machwerk späterer Zeit des GriechenthumS ist, eine Erscheinung, die namentlich bei einem so früh verlorenen Autor sehr wahrscheinlich ist, da — man