Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 33 (17.11.1838)
- Date
- 1838-11-17
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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135 Punkt genommen, so geschieht die ganze Bewegung in der Sphäre des Subjektiven, in welchem sie wie in einem Zauberkreis gebannt ist, ohne je wieder davon loszukommen. Das Subjektive ist auch der Endpunkt, in den die Spekulation nach allen Abschweifungen wieder einlenken muß. Wo aber das Objektive den Impuls giebt, wo das Göttlichwahre zuerst das beschrankte Subjekt aus seiner Pigricität treibt, erlangt es nicht eher die Einigung der Mitsichselbstzerfallenheit als in dem Göttlichwahren. Die dazwischenliegenden Momente sind die nothwendigen Durchgangspunkte, durch welche es als Endliches zum Unendlichen gelangt, ohne jedoch dieselben für etwas Wesentliches zu halten. Soll das Unendliche zur Erscheinung kommen, sich in dem consecutiven Außereinander existenziell bethatigen, kann es nur durch stetige Individualisirung seines Inhalts, durch progressive Enudation in der Form der Partikularitat, wobei der incomprehensi'ble Inhalt das eigentlich Accidencielle unaufhörlich verändert und so das ewig ^Unsichtbare dem Sichtbaren näher tritt. Evolution aber involvirt Polarisation, und Einseitigkeit halt am Einseitigen fest. Aus dem Zerstückelten muß die Ganzheit, aus dem Unwesentlichen das Wesentliche geschieden werden; Entzweiung bildet nur die Vorstufe zur Einigung, welche die Wahrheit jener ist; je schroffer und distinkter jene, desto voller und concreter diese. Die Idee in ihrer Einseitigkeit erscheint zunächst als Vieles, deren zweites Extrem das kollektive Zusammennehmen des Vielen zu einer diskreten Einheit, daraus immer das wahre Facit resultirt: die Einheit im Begriff, in welcher das Viele. Jene zwei Richtungen manifestiren sich in Welt, Religion und Philosophie; das Judenthum steht als Jndifferenzpunkt da, die lebendige Göttlichkeit in sich fastend und emanirend. Setzt es der Anarchie und Monarchie die Theokratie entgegen, so lehrt es statt Polytheismus und Pantheismus den wahren Monotheismus. Aber nicht starr und todt, sondern lebend, progresticend, gestaltend. Stammfest zieht es von den sich durchkreuzenden Extremitäten die ihm zusprechende Nahrung, und umw'andelt sie wie jeder Organismus in die eigene Substanz; das Vergängliche wird perennirend, das Materielle idealisirt, das Profane göttlich. Mit zersetzender Gewalt werden von den in jeder Zeitepoche sich neu kristallisirenden Exhalationen der Idee die negativnützlichen Momente abgesondert, das reine Residuum fließt der eigentlichen Quelle zu, an welchem kaum mehr die vorigen damit amalgamirten Schmutzstoffe zu erkennen. Im Iudenthume giebts weder altheidnische Philosophie, noch nruchristliche, noch auch eine Scholastik, die eine vernunftwidrige Tradition mit phantastischem Hirngespinnst auszugleichen hätte, sondern hier ist vielmehr alles göttlich, urvernünftkg, alles Manifestirung der reinen, wahren, sichselbsterfassenden Idee. Wie die jüdische Glaubensgenossenschaft in ihrer äußerlichen Seite zwischen schnell erkünsteltem Emporblühen und eben so schnellem Verwelken um sich her seine ewige Existenz fest und unausrottbar entfaltet, ohne sich davon anzueignen, als das, was seiner Natur zusagt und einer Veredlung fähig, so offenbart sie in ihrer geistigen Erscheinung die eine ewige Wahrheit, die Subjektives und Objektives, Tradition und Vernunft, Ruhe und Bewegung zugleich ist. Die in der Form des Nacheinander immer stärker und inhaltlicher herausgetretene Polarisirung der Extreme, diente nur zur eigenen Concretirung und Autoperception dieser Wahrheit, deren unerschöpflicher Born die heilige Schrift es war, ist und bleibt. Philo, Maimuni, Mendelssohn dachten nicht wie Plato, Aristoteles und Leibnitz, sondern im Gegentheil antiplatonisch, antiaristotelisch, antileibnitzianisch, und nur die heilige Schrift war das Licht ihrer Augen, das Leben ihres Geistes, das Fundament ihrer unerreichbaren Größe. „Diejenigen nun," sagt einex der ältesten jüdischen Religionsphilosophen, Aristobul der Alexandriner, „Diejenigen nun, welche schärfer zu blicken vermö- „gen, bewundern die in ihnen (in den heiligen Büchern) „enthaltene Weisheit und den göttlichen Geist, wegen wessen er (Moses) auch Prophet heißt*)." Auf ähnliche Weise spricht sich auch Philo aus, dessen Schriften sammtlich eine der schönsten Perlen unserer Nationalliteratur abgeben würden, sollte man sich es einmal' angelegen sein lassen, sie von ihrer unpassenden fremden Hülle zu befreien und in unsere heilige, für solche Gegenstände besonders ausgebildete Nationalsprache zu kleiden. Nur Einiges aus dem Vielen will ich hersetzen, was er über den hohen Werth unseres göttlichen Gesetzes vorbringt, und über das Verhältniß der allgemeinen Weltwissenschaften zur heiligen Lehre, die das Höchste aller Weisheit ist: „Noch weit bewunderungswürdiger aber kömmt es mir „vor, daß sich nicht nur die Juden, sondern auch fast Alle „und namentlich Die, welche in dem Rufe hoher Bildung „stehen, sich zur Annahme und Verehrung derselben (der „mosaischen Gesetze) weihten. Es ist Dieß ein ihnen ganz „eigenthümlicher Vorzug, der sich in ähnlicher Weise nicht „wieder findet; denn fast möchte kein Staat der Griechen „oder auch der Barbaren sein, der die gesetzlichen Gebräuche „der anderen achtete, ja, sie beobachten selbst kaum ihre eignen, „sondern ändern sie vielmehr nach dem Wechsel der Umstände. „Aber mit unserm Gesetze verhält es sich ganz anders; denn „es hat fast Alle für sich gewonnen und es haben sich ihm *) S. Dähne, Theil 1, Seite 78.