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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-08-11 · 22 (11.8.1838) · p. Seite 86

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
22 (11.8.1838)
Date
1838-08-11
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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86 Zeile« als Ideal kasteht, dem man sich nur mit glücklichen Nachahmungen an die Seite zu stellen wagt? Soll nm» dieses- Volk, welches Psalmendichtex »vie David und Assaph hat., welches ein Buch Hiob besitzt, dessen göttliche RäthsÄ Menschenverstand zu Schanden machen, zu welchem Moses und Jesaja sprach, mit welchem Jeremija klagte, soll das Volk, »velches diese und so viele große Männer aus seiner Mitte erzeugte und sie wandeln sah auf jenen wunderbaren Höhen der Poesie, der religiösen Begeisterung und Heiligkeit der Sitten, soll es ihrer so ganz unwürdig gewesen sein? Soll keine Wechselwirkung Statt gefunden haben, zwischen den Söhnen und ihren Vätern? Jahrhunderte hindurch ein blühender Garten Gottes in einer Sandwüste sich erhoben haben? .Und trenn dies Volk so roh war, konnte es jene Männer verstehen? und verstand es sie nicht, zu wem sprachen sie? — Gewiß also, dieses Volk mußte für das Bessere Sinn haben. Das Schöne, wo es sich auch fand, konnte ihm nicht gleichgültig sein, und keine Gefühllosigkeit schreckte bei ihm die Künste zurück. Wenn wir also gleichwol einen Unterschied in ihrer Aufnahme bei ihm finden, so müssen andere Umstande zu Grunde liegen, und es ist keineswegs schwer diese aufzusinden. Die Künste gingen überallvon den Religionen aus, weil die Erhebung zum Ueberirdischen zunächst geeignet ist, alle geistigen Kräfte des Menschen in Anregung zu bringen, ihn auch''im Aeußern zu Opfern zu bewegen und Viele zur Förderung eines Werkes zu vereinigen. Die ältesten Bauwerke von Bedeutung waren Tempel (und auch Grabmäler, weil die Bestattung der Tobten überall zu den religiösen Pflichten gehörte). Die ältesten Gesänge waren Lobgesänge der Gottheit und Erzählung ihrer Thaten. Tragödie sowol als Komödie bei den Griechen hatte bekanntlich auch diesen Ursprung. Ebenso die Bildhauerei, die wir schon in ihren rohesten Anfängen im Dienste der Religion finden und an ihrer Hand zur Meisterschaft griechischer Künstler anstreben sehen. Bei der Wiederbelebung der Künste in Europa war es eben so. Malerei und Musik kamen durch religiöse Anwendung in Aufnahme (daher noch der Name Kapelle). Dasselbe gilt vom Drama. Die Baukunst gedieh ebenfalls anfangs am meisten durch Unterstützung der Religion; in ihrem Dienste entwickelte sich der erhabene Charakter der sogenannten gothifchen Baukunst. Aber so vielen Werth auch diese Künste an und für sich haben, so waren sie doch bei den Heiden größcentheils zunächst aus Jrrthümern über das Wesen der Gottheit hervorgegangen und wurden dann selbst Anlässe zu neuen Verirrungen, indem sie sich zum Theil auf Begriffe der Vielgötterei und auf sinnliche Auffassung des göttlichen Wesens stützten. Der Hebräer also, über solche Vorstellungen durch seine Religion erhaben, fand in ihr keine nächste Veranlassung zur Ausübung jener Künste, ja er mußte sogar im Allgemeinen in Hinsicht ihrer Anwendung vorsichtig sein, »venn ec verhüten wollte, daß sich mit ihnen heidnische Jrrthümer einschlichen. Dieses führt darauf hin, daß man bei den alten Hebräern vor Allem zu unterscheiden hat: Künste die von der Religion begünstiget waren und solche, die es nicht waren. Das höchste Wesen unter einem Bilde zu verehren war, nach den Grundsätzen der Religion, ausdrücklich und streng verboten. Hier »var also keine Gelegenheit zur Entwickelung einer Malerei und Bildhauerei gegeben. Die ersten heidnischen Tempel entstanden wol aus dem Wunsche, die Statu'en der Götter vor den Einflüssen der bösen Witterung zu schützen. Da nun die Hebräer keine Statuen hatten und auch, zur Verhütung abergläubischer Mißbräuche und aus andern Gründen, nicht an jeder beliebigen Stelle opfern durften, so war kein Anlaß zur Errichtung von vielen gottesdienstlichen Gebäuden, also zur Uebung in dieser Art von Architektur gegeben. Diese Künste waren also im Allgemeinen von der Religion nicht begünstiget, d. h. in so weit sie aus dem Götzendienste hervorgingen, oder zu demselben verleiten konnten. Wie wenig man aber das Recht habe, aus diesen Umständen auf Mangel an Kunstsinn überhaupt bei den Hebräern zu schließen, ja wie wenig hier die Verschmähung die Kunst selbst, als solche, traf, kann man schon aus den mannigfachen, zum Theil sehr künstlichen Arbeiten sehen, die für das heilige Zelt angegeben wurden, worunter auch Webereien mit eingewobenen Figuren (2 Mos. 26, 1.) und Bildhauerarbeiten (Cherubim), noch mehr aber aus der Art und Weise, wie vom Künstler gesprochen wird, als dem ein göttlicher Geist inwohne und dessen freier (nicht handwerksmäßig an-hergebrachten Formen sich bindender) Erfindungskraft (raiarift n'ünb) hier die höchste Würdigung wird, 2 Mos. 31, 1 ff. Was die Baukunst betrifft, so sieht es auch hier nicht so arg aus, als man gewöhnlich aus dem Umstande schließt, daß Salo- »no zum Tempelbau phönicische Künstler kommen ließ. Zwei Gründe gibt der König selbst dafür an; der erste ist, daß die phönicischen Künstler besser die Bearbeitung der Cedern verständen (dies mußten sie auch, da alle Cedern auf einem Reviere des Libanon wuchsen, welches nicht zum hebräischen, sondern zum phönicischen Gebiete gehörte, folglich ein bei ihnen einheimischer Baum war, dessen sie sich vielfach auch beim Schiffbau bedienten, Ezech. 27, 5), daher sollten sie den hebräischen Arbeitern hiebei behülflich sein, 1 Kön. 5, 20. Der zweite Grund war, daß die Anzahl der hebräischen Arbeiter, wie groß sie auch war (C. 5) für diese außerordent-

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