Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 26 (8.9.1838)
- Date
- 1838-09-08
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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überhaupt zu zweifeln begannen, oder es selbst mit Bestimmtheit läugneten, daß die Hebräer eine Metrik oder Rhythmik gehabt hätten. Indessen hat noch in der neueren Zeit Beller mann stch bemüht, die Versmaaße der Hebräer anschaulich zu machen (Versuch über die Metrik der Hebräer Berl. 1813.). Er geht von der Ansicht aus, daß die Silbe, welche durch den Accent (Nd^r) als betonte bezeichnet ist, als die prosodische Länge betrachtet werden müsse, von welcher Ansicht zum Theil aizch Leutwein ausgegangen war. Wenn nun auch hier, aus Gründen, auf welche wir zurückkommen werden, ein den Aussagen der ältesten Schriftsteller entgegengesetztes Resultat gewonnen werden mußte und wenn die gefundene Rhythmik auch keinesweges den Erwartungen entspricht, so hat der Versuch Bellermanns dennoch für uns sehr vielen Werth, weil er, auf keine Willkührlichkeiten gestützt, sondern von einer grammatisch konsequenten Betonungsweise ausgehend, vollständig gezeigt hat, was auf dieser Seite für die^ Auffindung der hebräischen Rhythmik zu hoffen sei. Was nun diejenigen betrifft, welche entweder die Existenz einer hebräischen Metrik, oder doch die Möglichkeit ihrer Wiederaufsindung ganz und gar läugnen, so stützt sich ihre Meinung einzig auf den Umstand, daß diese Metrik bisher noch nicht wiedergefunden worden. Jndeß wie wenig dieser Umstand beweise, zumal gegen die bestimmten Aussagen einheimischer Schriftsteller, wie Philo und Josephus, zu deren Zeit der hebräische Staat noch bestand und die Sprache noch im Volke lebte, dürfen wir kaum erst andeuten. Die neuere Zeit hat wol in mancher Hinsicht gezeigt, wie unstatthaft es sei, die Berichte alter Schriftsteller zu verwerfen und sie der Unredlichkeit oder Unwissenheit zu beschuldigen, blos deshalb, weil wir das, was sie uns suchen heißen, nicht zu finden wissen. Wir dürfen hier wol nur mit einem Worte an die wirkliche Existenz einer ägyptischen Buchstabenschrift erinnern, von welcher alte Schriftsteller mitunter ebenfalls auf das Unzweideutigste sprechen, und deren Existenz man stolz verläugnete (während man auf anderer Seite die abgeschmacktesten Versuche einer symbolischen Erklärung der ägyptischen Bilder machte) bis einige glückliche Zufälle die Ueberzeugung von dem alphabetischen Charakter der ägypt. Schrift herbeiführten. (Fortsetzung folgt). $ o milc tt l Neueste homiletische Schriften. (Fortsetzung.) 11) Rede bei der Grundsteinlegung der neuen Synagoge zu Dresden, den 21. Juni 1838 (28. Siwan 5598), gehalten von vr. Z. Frankel, Oberrabbine. Zum Besten der israel. Gemeindeschule zu Dresden, gr. 8. S. 24. Die näheren Umstände, welche dieser Rede ihren Ursprung gaben, so wie die desfallsige Ordnung und Einrichtung, hat eine Cocrespondenz aus Dresden in diesen Blättern bereits referirt. Diese Rede ist in kräftiger, fester Gesinnung, in schönem, überströmendem Gefühle, in männlichem, gediegenem Redeflüsse verfaßt. Sie schildert die Gefühle, welche die Anwesenden bei dieser Gelegenheit beseelten: die Wonne des Glaubens, bald zu beschwichtigen die Sehnsucht unseres Gemüthes nach der Schwelle des Herrn; das Hochgefühl der Religionsfreiheit, die ihnen wurde; die frohe Hoffnung auf innigste Eintracht; das Bild wahrer Menschenliebe, durch die alle Verfolgung, insonders im Namen der Religion, aufhört; die Freude an dem Vaterlande, das das ihrige nun geworden. Die Durchlesung dieser Rede wird einen Jeden mit wahrer Befriedigung erfüllen, da sie jede Sekte unseres Gemüthes in religiöser und menschlich-bürgerlicher Beziehung berührt. 12) Predigt bei Einweihung der Synagoge zu Rexingen am 17. Ab. 5597, (18. Aug. 1837) gehalten vom Rabbkne vr. Wassermann. Tübingen, 1837, 8. S. 20. In jetziger Zeit, wo die. Erzeugnisse einer schwungvollen Poesie überallhin verbreitet sind, wo die Muster der Kanzelberedsamkeit dem Schwünge dichterischer Sprache so nahe stehen, ist es besonders verdienstlich, darauf hinzuweisen, daß die Einfachheit, die in der Sprache zu Landgemeinden nothwendig ist, einer falschen Sucht zu glänzen, nicht nachgesetzt werden darf. Junge, wol auch nicht durch klassische Bildung genugsam geregelte Männer, wie sie gewöhnlich in kleinen Landgemeinden Vortrage halten, müssen, wenn sie es aufrichtig meinen, einen festen Gang gehen, und die wahrhafte Belehrung der Ueberschwänglichkeit/ der sie sich so leicht in ihrem Enthusiasmus hingeben, vorziehen. — So können wir diesen die vorliegende Predigt, als ein Muster empfehlen, wie man die höchsten religiösen Interessen in einfacher, würdevoller, und doch begeisterter Sprache vortra-