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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-09-08 · 26 (8.9.1838) · p. Seite 101

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
26 (8.9.1838)
Date
1838-09-08
Page
Seite 101 (sequence 1)
Language
German
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1. Jahrgang. No. 36 Literarisch es und homiletisches Beiblatt. Leipzig, den 8. September 1838. Archäologie. Üeb er Musik und Poesie der alten Hebräer von »r* Joseph Levin Saalschütz. (Fortsetzung). . II. Sind nun auch die alten Sangwerkzeuge verstummt, vernehmen wir nicht mehr die Klänge der alten Psalmodien, versuchen wir vergebens zu erforschen, wie ein David und Asiaph, bei einfachen musikalischen Mitteln, erhabene Gefühle in Töne kleideten, so sind uns doch ihre großen Poesien selbst geblieben, die Jahrtausende uns nicht entreißen konnten; und wie bei der Weihe des Salomonischen Heiligthumes, bei dem Klange des großen Hallelujah, die Herrlichkeit des Ewigen alle Räume erfüllte, so erfüllet sie auch, wenn wir in jenen Liedern forschen, die Räume unseres Herzens. Gern aber möchten wir nun, bei jenen Liedern der Vorzeit, auch das wieder erkennen, was den Formen der Poesie so eigen ist, nämlich den für das Ohr berechneten Wohllaut, das rhythmische Gleichmaaß. der Worte und Reihen. Aber die Regeln der hebräischen Rhythmik haben sich, ungeachtet so vieler Bemühungen, uns bisher nur halb erschlossen, sie waren wie ein ferner Klang, den das Ohr ahnet und der, wenn wir recht hinhören, längst verhallte. „Mein Gefühl sagt mir (“>b "Min *^V)" drückt R. Asaria sich aus: „daß Maaß und Längenbestimmung in den heiligen Gesängen vorhanden sei." — — „Wir fühlen dies beim Lesen auf eine wunderbare Weise, ohne jedoch zu einer gründlichen Kenntniß dieser Regeln gelangen zu können." In ähnlichem Sinne sprechen sich Lowth, Herder, Bauer, Jahn u. A. aus. Viele machten wirkliche Versuche die Metrik der Hebräer wieder aufzufinden, ohne jedoch zu einem befriedigenden Resultate zu gelangen*). c) Der Darstellung und Beurtheilung der frühern Meinungen und Systeme, so wie der ausführlichen Begründung einer ei- Geht man in die ältesten Zelten zurück, so findet man die bestimmtesten Behauptungen in Hinsicht der Metrik der Hebräer. Josephus sagt ausdrücklich, der Gesang am rothen Meere wäre im Hexameter-Ton (iv e^a/ntxqw tovw) verfaßt worden. Den sogenannten Schwanengesang Mofis (5 Mos. 32.) nennt er ebenfalls ein hexametrisches Gedicht (nonjotv tS,af.urQov) und von den Psalmen Davids sagt er, daß sie von verschiedener Versart {^uxqqv nor/JXov), einige drei-, andere fünffüßig seien (xovg (.ibv yaQ XQtftexgovg xovg Je ntvxaf-iexpovg tnoirjoev),. Auch Philo behauptet, die alten hebräischen Dichter hätten metrische Gedichte in dreifüßkgen Versen und Chorgegesänge in abwechselnden wohlgemessenen Strophen (oxQotpaig 7toXvaxQoq>oig tv diuiie/uexQrj/utvcov) hinterlafsen. Ein Gleiches sagen unter Andern auch Eusebius und Hieronymus. Bei jenem finden wir die Angabe daß Pf. 119. im heroischen Metrum (Hexameter) geschrieben sei, und Hieronymus der, wie aus Manchem hervorgeht, seine Bemerkungen nicht blos aus den Angaben der Vorgänger sondern auch noch aus eigener Anschauung schöpfte, sagt daß im Hiob, vom 3ten Kapitel an, hexametrische, in Dactylen und Spondeen sich bewegende Verse seien (hexainetri versus, dactylo spondeoque currentes). Die Versuche, welche nun Gomarus, Meibom, Hare, Jones, Anton, Leutwein, Greve u.A., mitunter mit einem großen Aufwands von Scharfsinn machten, um das verlorne System der hebräischen Metrik wieder auszufinden, mußten mißlingen, weil sie sich, bei den Systemen, die sie aufstellten, nicht an etwas Gegebenes und Sicheres, sondern an neu ersonnenen Regeln hielten, die mitunter eine sehr lebhafte Phantasie ihnen dkctirte. Bei einer so großen Reihe mißlungener Versuche darf man sich nicht wundern, daß diejenigen, welche von dem Dasein einer hebräischen- Metrik überzeugt waren, jede Hoffnung daß sie wiedergefunden werden könnte aufgaben, und daß Andere genen Ansicht über diesen Gegenstand ist unsre angef. Schr. von der Form der hebr. P. vorzüglich gewidmet. Indem wir im Folgenden die Grundzüge dieser Ansicht kurz darstellen, verweisen wir in Bezug auf das Einzelne dorthin. Dies gilt namentlich auch von den angedeuteten Schriften und der übrigen hierher gehörigen, ziemlich bedeutenden Literatur, da wir glaubten, hier den Raum sparen zu können, welchen die wiederholte Anführung so vieler Büchertirel in Anspruch genommen hätte.

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