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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-08-04 · 21 (4.8.1838) · p. Seite 83

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
21 (4.8.1838)
Date
1838-08-04
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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und Rahel, lebten nun mit den Kindern der ersten Gattin in einer ärmlichen Hütte, und nährten sich von dem Ertrage eingesammelten Strohe's, welches sie zur Hälfte jedesmal verkauften. Die andere Halste diente zur Lagerstätte und für das Kamknfeuer, an dem Akiba, zugleich mit seinem Sohne von einem Elementarlehrer unterrichtet, die ersten Anfangsgründe des Unterrichts repetirte. So bereitete er sich einigermaßen für die Hochschule zu Iabne vor, die er beziehen wollte. Dorthin war durch eine besondere Gnadenauszeichnung, die dem ins römische Lager entronnenen Johanan ben-Zakai widerfuhr, das Synedrium verlegt worden, es blühte daselbst eine jüdische Akademie, deren Lehrer theils in Iabne selbst, theils in den Distriktstädtchen Lydda und Pekiin ihre Wohnorte hatten. Dorthin tritt er seine Wanderung an. Seine Kinder überlaßt er der sorgsamen Pflege der treuen Mutter, die ihren Hauptschmuck mit Freuden verkaufte, um ihren Gatten die Reise zu erleichtern. In Iabne erboten sich die dort anwesenden Rabi Elkezer aus Lydda und Rabi Josia aus Pekiin, den vierzigjährigen, aber wifsensdurstigen Akiba zu unterrichten. Sein beharrlicher, unaufhaltsamer Fleiß beflügelte seine Fortschritte. Abgeschlossen gegen die Außenwelt, und zu anspruchslos, um die Gelegenheit, sich auszuzekchnen, zu ergreifen, verfolgte er still, aber sicheren Schrittes sein weithknausliegendes Ziel. Erft nach einem Zeiträume von zwölf Jahren, faßte er den Entschluß, seine Gattin zu besuchen. Angelangt an der Thür ihrer Hütte, hörte er in derselben ein Zwiegespräch und lauschte. Wie thöricht hast du gehandelt, sagte eine männliche Stimme, die Gunst und das Vermögen deines Vaters um dieses Akiba willen daranzugeben! Obendrein hat er dich diese lange Reihe von Jahren im traurigsten Wittwenstande verbringen lassen! Wenn er auf mich hörte, erwiederte Akiba's Gattin, so mochte er auf abermals zwölf Jahre bleiben, um sich im Studium desto mehr zu vervollkommenen. Akiba war zufrieden, in diesen Worten den deutlichsten Beweis der unerschütterlichen Treue seiner Gattin, als Trost mktnehmen zu können, und eilte, ohne sie gesehen zu haben, nach Iabne zurück. Dort verfolgte er rastlos das ihm vorschwebende Ideal, seine Kenntnisse nahmen lawinenartig zu, aber noch immer verschloß er sie in seinem Innern, bis ec endlich den ersten brillanten Beweis seiner Weisheit und seiner Gelehrsamkeit ans Krankenbette seines Lehrers Eliezer ablegte. R. Johanna« und vorzüglich R. Tarfon wurden seine zärtlichsten Freunde und eifrigsten Verehrer. Nach Verlauf der andern zwölf Jahre hatte sich um Akiba eine außerordentlich zahlreiche Schülerschaft gesammelt; umgeben von 24000 Zuhörern trat er seinen Zug nach Jerusalem an. Unter dm Aelteften der Stadt, die unter einem Gewühls von Volk dem hochgepriesenen Rabi entgegenziehen, ist auch Kalbe- Sebua, der, seitdem in tiefe Melancholie verfallen, von dem ihm unbekannten, aber vkelgerühmten Rabi seines Gelübdes entbunden werden zu können hoffte. Kalbe-Se« bua legt seinen Gewissensscupel vor, und Akiba giebt ihm zu bedenken, ob er jenes Gelübde auch in dem Falle gethan haben würde, daß er geahnet hätte, sein Eidam werde sich einst als Gelehrter auszeichnen. Kalbe-Sebua verneint dies, und Akiba erzählt ihm, daß dieser sein Schwiegersohn in Iabne studirt habe und in Kurzen als hochgeschätzter Rabbi in Jerusalem eintreffen werde. Da drängt sich, umgeben von ihren Pfleglingen, Rahel durch das Volk, in armseliger Kleidung und wirft sich vor Akiba nieder, um seine Füße zu küssen. Dessen Diener will sie Hinwegstoßen, aber Akiba schließt gerührt seine Gattin in die Arme. Das was ich und Ihr wisset, ruft er seinen Schülern zu, habt' ihr lediglich dieser Frau zu danken! Kalbe-Sebua seine Tochter wieder erkennend, wirft sich, überwältigt von den Gefühlen der Schaam und der Reue vor Akiba nieder, bittet ihn um Vergebung seiner Härte, und verspricht ihm (hingerissen von Freude seine Tochter wiederzusehen und einen so geehrten Eidam zu besitzen) die Halste seines Vermögens. — Dies die Geschichtserzahlung, welche Mordekai Poper zu einem hebräischen Drama verarbeitet Hat. Es beruht durchweg,-selbst in der Scenerie, aus traditionaler Basis, und versetzt den Leser mit Lebendigkeit in die Mitte Palastina's, in das Getriebe einer Zeit, deren Clairobscur noch nicht gelichtet ist. Der Inhalt ist sententiös, dkeVersisicirung kunstlos, der Styl, mittelmäßig. Der Lüstre des Ganzen geht mehr von dem trefflich,- gewählten Stoffe, als von dem Dichter aus, der ihn verarbeitet hat. Mehre Dramen dieser Art, mlt biographischen Bemerkungen begleitet, würden bald ein Leben über das talmudische Zeitalter verbreiten, das uns (ohne Hyperbel) bis jetzt nicht bekannter ist, als das Innere Afckka's. Dieses Zeitalter liegt immer noch als ein weder chronologisch noch charakteristisch entwirrtes Convolut vor uns, als ein nur durch düstern Lampenschein kärglich erleuchtetes Souterrain — vielleicht wird eine befähigte Kritik bald auch aus die zahllosen Hieroglyphen die weiträumigen Katakomben aufmerksam. (Fortsetzung folgt.)

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