Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 21 (4.8.1838)
- Date
- 1838-08-04
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Strahlen über das Gefilde. Wer ist jene, die aus dem Purpurmeere tauchet mit purpurstrahligem Tatar? Die von Anfang her die Wimpern alles Lebenden magisch rührt, um Gottes Freundlichkeit und seines Tempels Pracht zu schauen? Wie eine Braut tritt sie hervor, unter denRcigentanzen ihrer Gespielen, unter dem Jubclgesang flügelschlagcnder Schaaren, unter dem Glockengetön schaarweise ausziehender Heerde». Ein Jeder eilt zu ihrer reichbedeckten, festlichgeschmückten Tafel, mit frohlockendem Danke, hinab in die Thale, die von blumigem Farbenbunte blitzen, in die Auen, die in Thauperlengeschmcide prangen, das gleich Türkisen und Safiren auf ihrem nicderhangend.cn Laubgrün strahlet. Dank für deine Huld, o So-nne, gesegnet seist du deinem Bildner, deinem Schöpfer, von dessen Allwcishcit und Allgüte laut du zeugest! In dir, o Himmelskönigin will ich frohlocken, und dem Frohsinn fröhnen! Deine erquickenden Strahlenfittige sollen meinen Geist beschwingen, daher zu fahren auf Sturmesfiügeln des Gedankens, ' sollen mein ganzes Wesen emporrücken, mit Gazellenbehendigkeit, mit RosscSschnelle nachzujagcn dem Lichte deiner glänzenden Pfeile. Bei den klangreichen Melodien deiner Singchöre, verachte ich Sangmeister und Sängerinnen sammt den Lüsten der Menschen. Nicht Saba-Gold nehme ich um das Gold der Thaurropfen, aus denen'der Blitz deines Speers mir entgegenfunkelt. Nicht die würzvollsten Leckcrgcrichte auf ihre Divane gestreckter Fürsten munden mir, gegen den Wohlgeschmack eines Aschenkuchens dort unter dem Schatten des Hagedornstrauches, wenn dein glorircndes Lichtgespann über die Gipfel der Berge dahin zuckt. Dort schöpf' ich Athem und schlürfe wehlgemuth und behaglich den warmen Südhauch, ohne Parasit, und mein Freund küßt mich, der unter Rosen weilet, ganz der Meine, und Duft göttlich gesegneter Fluren dringt an mich heran. Dort bin ich ganz allein mit meinen Herzenscigenthümern, daß bei dem Kruge unversieglichen Wassers, glücklich wie ein Eigner über Wein und Oel und Honigwaben in übcrsirömcnden Massen/ Ich ruhe, und schaue an meinen Zustand, schaue die Lage des Menschengeschlechts, und finde, daß an sich sie glücklich ist." ' Aus diesen wenden Proben leuchtet vielleicht einigermaßen die Schönheit des Originals ein, welches an Eleganz der Form den Arbeiten Luzzatto's nicht nachsteht, und an Fülle und Tiefe des Gehalls sie noch weit übertrifft. Ein würdiges Seitenstück zu den Gesängen des brkttischen Schwans und zu dem im Kerker verfaßten Büchlein De Consolatione . von Boöthius! Pirke Rabi Akiba, dramatisches Gedicht. Wien, mit Hraschanzkischen Schriften 1808. Das genannte Drama ist nächst einem andern von Mose Könitz (Bet Rabi, eine dramatische Biographie Juda Ha-Nasi's, Wien bei Hrafchanzki 1806) das einzige, dessen Stoff aus der nationalen Geschichte nach Auflösung des jüdischen Staates entnommen ist. Der Dichter, Mordekak Poper in Nesmil, hatte keinen schöneren, ergiebiegeren und zur dramatischen Verarbeitung geeigneteren Stoff wählen können, als die Lebensgeschichte Rabi Akiba'S, die ebenso anziehend und überraschend, als belehrend und rührend ist. Mehre Scenen und Charakterzüge aus dem Leben dieses höchsten Gewährsmanns der Gesetztradition (als solchen zeichnet ihn selbst der mit der jüdischen Geschichte, sonst unvertraute Epiphankus aus) liegen bereits in geschmackvollen Uebersetzungen des Professor Hei mann Hurwitz vor (in dessen Sagen der Hebräer) und in der reichen Anekdoten- und Sentenzen-Sammlung, Mklin de- Rabanan, von R. I. Fürstenthal. Der Dichter schöpfte jedoch unmittelbar aus den talmudischen Quellen, sammelte mühsam die zerstreuten Geschichten, Werke und Lieblingssprüche Akiba's, und verband diese in dem sechsaktigen Drama zu einem seelenvollen, den Beschauer fesselnden Gemälde, dessen Farben und Tinten sämmtlich aus den Riefenmuscheln der antiken Sage entnommen sind. Die dem Drama vorausgeschickte Biographie Akiba's und die angefügten Schlußbemerkungen zur Rechtfertigung des Details zeugen von der Vertrautheit des Dichters mit seinem Sujet. Akiba ben-Josef, angeblich ein Nachkomme Sisera's und Jael's der Proselytin (geboren im I. 23, der gewöhnlichen Zeitrechnung, und als 120jähriger Greis im I. 143 hkngerichtet) war bis zu seinem vierzigsten Jahre ohne alle Bildung, dienend als.Rinderhirt bei Kalba-Sabua, einem reichen Jerusalemer. Das Weib, das er als Hirt geehlicht, die Tochter Jefua's und Schwester Rabi Johanan's, starb, nachdem er in einer glücklichen und gesegneten Ehe mit ihr mehre Söhne und Töchter gezeugt hatte. Vereinsamt und eine Mutter für seine Kinder schmerzlich vermissend, sah er mit Liebessehnsucht, aber zugleich mit Hoffnungslosigkeit auf Rahel, die Tochter seines Herrns — denn wie konnte er, der Arme und Bildungslose, hoffen, sie jemals zur Gattin zu erhalten? Doch auch diese nährte in sich Liebesfunken zu dem treuen, natürlich begabten und schöngestalteten Hirten, diese Funken werden zur Flamme, sie eröffnet ihm ihre feuerige, auf jedes in seiner Gemeinschaft zu tragende Unheil gefaßte Liebe, und traut sich ihm an, unter der Bedingung, daß Akiba seinen Stand verlasse und sich von nun an dem Studium widme. Nach langen Kämpfen geht der gegen Schulgelehrsamkeit eingenommene und wegen seines Alters muthlose Akiba auf diesen Plan ein, das Anschauen eines Steines, den das herabtröpfelnde Quellwasser gehöhlt, stellt ihm ein ermuthkgendes Bild seiner Zukunft vor'die Augen. Doch Kalba-Sabua, als er von der Liebe seiner Tochter zu dem bildungslosen Hirten und der ohne seine Zustimmung eingegangenen Verbindung hört, schloß die Neuvermählte durch ein Gelübde von der Erbschaft aus und vertrieb sie aus dem Hause. Beide, Akiba