Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Journal
- Literarisches und homiletisches Beiblatt
- Volume
- I (1838)
- Issue
- 34 (1.12.1838)
- Date
- 1838-12-01
- Page
- Seite 157 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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157 der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, der Held nicht seiner Stärke, der Reiche nicht seines Neichthums, sondern deß rühme er sich, deß mich Wissens und mich Erkennens" (Jeremija IX, 22, 23) *). Ich habe mich bestrebt dem gütigen Leser wenigstens umrißweise meine Ansicht über jüdische Literatur und Philosophie hinzuzeichnen, um ihn auf den Standpunkt zw führen, von wo aus ich manche Erzeugnisse neuester Zeit betrachten und würdigen will. Ich habe noch zu bemerken, daß in der jüdischen Literatur, da sie die treueste Manifestation des Geistes ist, die zwei genannten abwechselnden Lebensperioden des Geistes, die produktive und reproduktive, nothwendig sich aufzeigen lassen müssen. Sie zerfallt auch in der That in zwei kreisförmig sich einander ablösenden Hauptperioden, in eine spekulative und in eine historische. Der geneigte Leser verlangt gewiß von mir nicht, daß ich ahm jetzt die ganze Geschichte vor Augen führe, und ihm diese merkwürdige Bewegung des Geistes veranschauliche, da dieß die Hauptsache hier nicht ist; im Allgemeinen bedarf es auch keiner so detailirten Auseinandersetzung; jeder Kundige kann sich das durch eigene Combination zusammenstellen, wenn ' auch nur skizzier. Ich mache nur darauf aufmerksam, daß unsere jetzige Culturperiode eine historische sei; überall thut sich jetzt im Judenthume ein reges Streben kund, die in der vorangegangenen vorschöpferischen Zeit neuproducirten Elemente zu ordnen, zu formiren und dem Ganzen einzuverleiben. Wir besitzen aus der Gegenwart kein einziges originell spekulatives Werk; entweder kündigt es sich auf dem Titel gleich als Geschichtliches an, oder ist dem Inhalte nach nichts anderes als eine Zusammenstellung und Verknüpfung früherer zerstreutliegender Stoffe. Wir werden daher bei Beurtheilung nächst erschienener Werke hauptsächlich auf den geschichtlichen Werth derselben zu sehn haben, mögen sie sich schmeicheln, mehr als einen solchen geltend machen zu können. Meine Absicht ist: die literarischen Erscheinungen, die das Gebiet der jüdischen Religionsphilosophie berühren, hier näher zu beleuchten und zu prüfen, in wie weit auch hierin für die Geschichte, wenn nicht vorgearbeitet — da dies mit der noch jetzt allgemein herrschenden Ansicht von der Unselbständigkeit jüdischer Philosophie sich nicht verträgt: was nicht ist, hat auch keine Geschichte — doch wenigstens so zu sagen vorgebahnt worden. Bei dieser Gelegenheit werde ich manches oben nur Ange- *) Es hat Jemand neulich behauptet, es sei blos eine Erfindung Mendelssohns, daß in der heiligen Schrift nicht der Glaube, sondern das Erkennen empfoblen wird. Man lese die Schriften des Saadja, Maimuni, Bebaji, Sforno, Abravaneli, dcl Medigo, und aller jüdischen Religionsphilosophen und überzeuge fich eines Bessern. deutete ausführlicher besprechen, und so die Grundlinien zur Constcuirung einer Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie immer schärfer hervorheben. Zuerst scheint mir nun das Werk Reggio's, Tora und Philosophie betitelt, dazu sehr geeignet zu sein, mit welchem ich auch ohne wei-- tere Umstände sogleich den Anfang machet , (Fortsetzung folgt.) Literarische Correspondenz. München, 15. Mai. Bibliographische Notizen über die hebräischen Manuscripte der königlichen Bibliothek zu München, von L L l i e n t h a l. (Fortsetzung.) 220) milTüi“! 'ö von Aben Zohar; handelt vorerst, welche Speisen in den verschiedenen Jahreszeiten zuträglich und gesund sind, und dann von der Qualität derselben. Auch einige Bemerkungen über die Anwendung gewisser Arzneien. Diesem beigebunden ist Abu Eli ebn Sina's Kanon, aus dem arabischen ins hebräische von Moses Ebn Tibbon zu Montpeiller 5032(1272)übersetzt. — Das Manuskript ist auf Baumwollenpapier geschrieben. — 221) tpaipv, Kollectaneen aus einem Werke des R. Joseph benÄbraham ben Vacar auS dem arabischen ins hebräische übersetzt von R. Azriel; in diesem Auszuge ist der größte Theil des gewöhnlichen Gebetes und einiger Gebete der Festtage kabbalistisch kommentirt, mit stetem Hinblick auf die 10 Sefirot. Häufig citirt werden: Ebn Roschd, Aristoteles, Galenus, Ebn S i n a, Temistius, Abunazar Alfarabi, Abu Achmed, Abu Aniran, Abu Alvalid. 2) Kollectaneen aus einer Metaphysik in Frag und Antwort über das Dasein und die Unendlichkeit Gottes, daS Wesen, die Bedeutung, die Wahrheit und die Begründung der 10 Sefirot aus der Bibel. 3) Eine mystische Abhandlung über Vokale und Accente. 4) Commentar über die talmudische Hagada: Thiere gingen in daS Paradies rc. 5) kabbalistische Abhandlung über die Einheit Gottes und den Glauben. 6) Commentar des 'v von R. Saadja hagaon. 7>Collectaneen aus dem '0 von R. Eliefer ben R. Moses hadarschan, einem Werke, das den ganzen Pentateuch, seinem Titel entsprechend, abhandelt, jedoch mit Beimischung vieler Commentare aus den Midraschim. — 222) üitsynh. 'o. Wenn es dasselbe ist, das Wolf unter R. Moses Ra fael >de Aguilar, einem Spanier anführt, und