Mannheim
Compact Memory

Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-12-01 · 34 (1.12.1838) · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
34 (1.12.1838)
Date
1838-12-01
Page
Seite 156 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8366961-8376900-8366967--167-8366969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

156 „erwähnten, ja aller griechischen Philosophie direct entgegen- „stand. Außerdem huldigte er auch in mehren Stücken den „Aussprüchen des Pythagoras und der Stoiker, und über- „Haufte sie mit ähnlichen Lobsprüchen, ohne daß er mit ih- „nen in Eine Klaffe gestellt werden dürste/") ,>Dieß aber natürlich keineswegs immer in der Weise, daß „sie unabhängig von ihren eignen Speculationen, und bekochen von dem Ansehen und den Gründen der Weis- „heitslehrer, zu diesen Berührungen veranlaßt worden wären. „Vielmehr beriefen sie sich sehr oft auch auf solche, die bei „ihnen sonst in geringem Kredite standen, selbst auf heidnische Mythen, ja, deuteten diese letztem sogar, solche Berührung zü erwirken, allegorisch, um durch eine größere „Nähe, in welche hierdurch ihre Ansichten zu den religions- „philosophischen heidnischen wenigstens scheinbar traten, sich „Schonung und Achtung zu erwerben. Letzterer Grund war „zwar bei den Unsrigen eigentlich der Grund aller derglei- „chen Berufungen, indem sie sich, wie wir angedeutet ha- „ben, selbst in Dem, was sie offenbar von frühern Philosophen entnommen hatten, nicht von ihrer philosophischen „Abhängigkeit von ihnen überzeugten, sondern diese vielmehr, „wie sich selbst, durch die Wahrheiten der mosaischen Schriften belehrt glaubten: indeß wenn hier dieser Grund blos in „ihrer Einbildung existicte, galt er dort wirklich. Uebrigcns „konnte auch die Bedenklichkeit, die etwa Jemand durch „dergleichen' häufigere Anschließung an heidnische Lehre bei „ihnen erweckt glauben möchte, keine Statt finden, daß ihre „Selbständigkeit von heidnischer Lehre in Zweifel gezogen „werde; denn eben jene — bald naher zu erörternde — „Ansicht, daß alle dergleichen heidnisch-wahre Meinungen „aus ihren heiligen Schriften von diesen entnommen seien, „ließ sie im Grundsätze immer unabhängig von heidnischer „Weisheit erscheinen")." Hier zeigt Herr Dähne, wie schwer es ist, zur einfachen Wahrheit zu gelangen, wie man tausendmal behaupten und sich wieder unaufhörlich berichtigen und mit unzähligen Clauseln verpalisadiren muß, wenn man nicht von Anfang an den richtigen Weg eingeschlagen hat. Sein Beschuldigen und Vertheidigen, sein Loben und Tadeln, seine auf das äußerste getriebenen Selbstwiderspcüche, ja sein mühevolles Herbeischleppen thurmhoher Hypothesengerüste zur Erklärung . der einleuchtendsten Probleme, alles dieß hätte er ersparen können, würde er eingesehn haben, daß zur Beurtheilung der alexandrinischjüdischen Religionsphilosophie, als einer jüdischen Religionsphilosophie, diese allein nicht ausreiche. Eine Anschauung des Ganzen, ein tiefer Blick in die heilige Schrift, als die Grundlage der jüdischen Philosophie, und ein genaues. Verfolgen der periodischen Weiterwerdung dieser bis auf die neueste Zeit, ist durchaus nöthig, um den einzig möglichen Standpunkt zu gewinnen, von wo aus jüdische Philosophie und Judenthum überhaupt in ihrem wahren Lichte erschauet werden können. Die Wahrheit ist einfach, auch der Weg zu ihr ist einfach, sind nur die Augen nicht mit Blindheit geschlagen. Wollen wir den Werth der alexan» drinisch-jüdischen, Religionsphilosophie sachgemäß schätzen, so muffen wir sie im Zusammenhangs mit der gestammten jüdischen Philosophie betrachten, und in ihrem nothwendigen Begründetstin im Wesen des Judenthums. Wollen wir eine Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie schreiben, so müssen wir mit dem Buche der Bücher anfangen, mit der Bibel, deren unendliche Weisheit zu enthüllen , der heilige Beruf aller kommenden Jahrhunderte war, und müssen den ersten Philosophen den nennen, der sie uns vererbt hat. „M(oorj£ xal cpiloaocp'tug in avTijv (pduoag unQOTTjTa xal %Q?](j[.ioTg tu noXXd xal owtxTixunuTa twv rijg (pvoewg dvaöiduyfltig“fr) sagt Philo; tPEünM wird der Vater aller Propheten von Maimuni") genannt, und die RabbineN sagen, er sei in den W2 ti'n, wohin kein Sterblicher vordringen/konnte, heimisch gewesen. Erkenntniß ist das Prinzip der mosaischen Religion, und den tiefsten Glauben athmet die jüdische Philosophie, darum Beide Eins. Erkenntniß ist hier nicht eigensinniges Truggewebe, Glaube nicht ein blindes Fürwahrhalten; darum beide von einander nicht verschieden. Religion und Philosophie schmelzen im Judenthume in Eins zusammen, und bilden eine Religi onsphilosophie, so wie nur eine Religion, so auch nur eine Philosophie. , Will man Eines beurtheilen, muß man es auch zugleich als das Andre, und nicht stückweise, sondern ganz, umfassen. Die in der heiligen Schrift unter dem golddurchwirkren Schleier tiefoeutt'ger Worte verborgen siegende Wahrheit,, wird von den spatern Religionsphilosophen immer mehr zum Bewußtsein gebracht, unter denen Jeder der Epochirenden seinen Vorgänger ergänzt, und seinem Nachfolger Anknüpfungspunkte darbietet, um am Faden göttlicher Erkenntniß weiter zu spinnen, und so dem uns verheißenen Ziele immer näher zu führen. „Und das ganze Land wird voll Erkenntniß Gottes sein" (Jesaja XI, 9); *) De mnndi opif. p. 2. t ' * *•)°) More Nebuchim I. 51: fast eine Übersetzung der Philvinschen Stelle scheinen die Worte: . ab ■uitilr nr Van— r-irrsb rSi roab tna pnn - m'nz3 Maibs «in imm ^2 b22 Traisa .na^p nvi72N M22M ib-D •) Tb. 1. S. 32, Anm. *•) Ibid. S. 40, Anm.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.