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Literarisches und homiletisches Beiblatt · 1838-12-01 · 34 (1.12.1838) · p. Seite 155

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Journal
Literarisches und homiletisches Beiblatt
Volume
I (1838)
Issue
34 (1.12.1838)
Date
1838-12-01
Page
Seite 155 (sequence 1)
Language
German
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4. Jahrgang. Literarisches No. S4. uud homiletisches Beiblatt. Leipzig, dm 1. Dercmber 1838. Literatur. Beiträge zur Literatur der jüdischen Religionsphilosophie, mitgetheilt von Br. I. Goldenthal. (Fortsetzung.) Siebzehnhundert Jahre entfernt von diesem Philosophen, entfernt an Vaterland, Bildung, Erziehung, Sitten und Redeart, wie der Nord vom Süd, ersteht ein anderer Mann, durchglüht von derselben Erkenntniß, ergriffen von demselben unendlichen Geiste, der nie unterlassen hat, sich würdige Priester in Israel zu heiligen. Weit über alle diese vergänglichen Daseinsmomente sendet er ihm seinen unsterblichen Priestergruß hin, einig mit ihm in der einigen Lehre, erhaben gleich ihm durch die erhabene Mission. Moses Mendelssohn, der nordische Maimuni, sinnet und forschet in der heiligen Schrift, kostet und erkennet ihr tiefes Wort, und lehrt und empfiehlt und erhebt nichts als die heilige Schrift. „Die Erfahrung vieler Jahrhunderte," lauten die goldenen Worte in seinem in deutscher Sprache geschriebenen More Nebuchim, „Die Erfahrung vieler Jahrhunderte leh- „rel auch, daß dieses göttliche Gesetzbuch, einem großen „Theile des menschlichen Geschlechtes Quelle des Erkenntnisses geworden, aus welcher sie neue Begriffe schöpfen, „oder die alten berichtigen. Je mehr ihr in demselben forschet,, desto mehr erstaunet ihr, über die Tiefe der Erkenntnisse, die darin verborgen liegen. Die Wahrheit bietet sich „zwar in demselben, in der eknfachstemBekleidung, gleichsam „ohne Anspruch, auf den ersten Anblick dar. Allein je naher „ihr hinzudringet, je reiner, unschuldiger, liebe- und sehnsuchtsvoller der Blick ist, mit welchem ihr auf sie hin- „schauet, desto mehr entfaltet sie euch von ihrer göttlichen „Schönheit, die sie mit leichtem Flor verhüllt, um nicht „von gemeinen unheiligen Augen entweihet zu werden.""). So und nicht anders schreiben und denken alle übrigen jüdischen Religionsphilosophem, deren Worte hier anzuführen ich für überflüssig halte. Jeder von ihnen “ ist sich seines Berufes bewußt, weiß, daß ihm ein gewichtiger Auftrag obliegt, daß er im Dienste des allgegenwärtigen Geistes zu leben und zu wirken hat. Die Profan-Studien hält keiner unter ihnen für mehr als bloßes-Anregungsmittel, um dann der Lüge die Wahrheit, dem einseitigen Hirngespknnste die volle concrete Idee mit Bewußtsein entgegen zu setzen. Das scheinbar Aufgenommene ist nicht es selbst, sondern das Gegentheil. In der jüdischen Philosophie ist eben so wenig ein Gewirr von verschiedenen Systemen anzukreffen, als die Judenheit selbst aus einem zusammengelaufenen Pöbel von bekehrten Feuer- Wasser- Stein- und Thiecanbetern besteht. Selbständig und originell ist das jüdische Volk, selbständig und originell ist auch seine Philosophie. Wollen die Quasi- Philosophen es nicht eingestehen, so mag es Unwissenheit oder Tücke sein; die aber nur etwas aufrichtiger zu Werke gehen, können sich bei dem stärksten Aburtheilen über jüdische Philosophen und Philosophie nicht der Nebenbemerkung enthalten: es wäre doch noch etwas an ihr, was nicht Erborgtes, sondern ursprüngliches Eigenthum sei. Einige Beispiele mögen hier aus dem Buche Dähne's folgen, der sich entsetzlich abquält, die alexandrinischjüdische Religionsphilosophie aus dem zufälligen Bekanntwerden der frommglaubigen Juden mit der griechischen Weisheit zu erklären, und nicht ahnt, daß diese Annahme es ist, die ihm von vornherein jede Erklärung erschwert. Er sagt: die Lehrsätze der Akademie hatten den alexandrinischen Inden am meisten gefallen, daher das Wort des Hieronymus: „Philo platonizatcc sehr richtig sei; er vergißt aber auch nicht zu bemerken: „Bei allem Diesen kann man aber nicht sagen, daß die „alexandrinischen Juden, oder auch Philo selbst, sich dem „Plato eigentlich als unbedingten Anhänger hingegeben habe, „indem er gerade in seinen positiv-religiösen Principien der °) Jerusalem, S. 263 in der Wiener Gesammt-Ausgabe in Einem Bande als National-Denkmal 1838.

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