Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- Oktober 1928
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Errungenschaften der Emanzipation zu gefährden schienen. All das ist für die Entwicklung der jüdischen Gesellschaft erheblich. Vor dem Krieg war jeder jüdische ■Turnverein in den Augen der Welt zionistisch oder national-jüdisch, gleichgültig fast, wie er selbst sich nannte. Heute gibt es jüdische Turnvereine nichtzionistischer Färbung, die einen großen Teil unserer Terminologie in ihrer Werbung übernommen haben. Sie nennen sich jüdisch, sie wollen ihre Mitglieder zu bewußten Juden erziehen, sie haben die gleichen turnerischen und sportlichen Ziele wie wir, sie haben aber außerdem noch die große Chance, daß sie dem Neueintretenden sagen, Zionist brauche er nicht zu werden. Solange unsere Vereine in erster Linie Turnvereine waren, war das Erziehungsproblem wesentlich leichter. Auf dem Turnboden entsteht Gemeinschaftsgeist in höherem Maße als auf dem Sportplatz. Die Höchstleistung spielt keine so große Rolle. Der Vorturner kann ein einflußreicher und anerkannter Erzieher sein, auch wenn seine Leistungen von anderen übertroffen werden. Wir legten in Turnvereinen Wert darauf, auch Mensehen aufzunehmen, deren körperliche Anlagen gering waren, denn wir wußten, unsere Anziehungskraft liegt in dem zionistischen Geist, von dem die Führer unserer Turnerschaft erfüllt sind. Sport hat einen anderen Charakter. Er will den Rekord. Der Sportverein braucht Gipfelleistungen, um attraktiv zu sein, und unser Problem wäre vielleicht dann gelöst, wenn wirklich der beste Sportler auch immer gleichzeitig der beste Zionist wäre. Geistige und politische Erziehung in einem Sportverein durchzuführen, gehört zu den schwierigsten Aufgaben, Bisher ist es meines Wissens nirgends gelungen. Der Sport war vielmehr immer ein Mittel der Entpolitisierung in der Hand der Machthaber; er sollte vom Machtstreben auf anderen Gebieten ablenken. Wir müssen aber, ob wir wollen oder nicht, die große jüdische Sportbewegung durch unsere Idee zu beeinflussen versuchen und müssen wünschen, daß unsere Sportorganisationen neue Tausende gewinnen, die wir zionistischen Zielen zuführen. Es wird unmöglich sein, die Konkurrenz mit anderen jüdischen Sportvereinen nur auf sportlichem, gesellschaftlichem und womöglich sogar — bei modernem Sportbetrieb^spielt das leider eine erhebliche Rolle - auch auf materiellem Gebiet durchzuführen, wenn wir den Wunsch haben, daß die Makkabi-Bewegung einen bedeutsamen Teil der zionistischen Weltbewegung ausmachen soll. Die attraktive Kraft der Makkabi-Bewegung kann nur darin bestehen, daß sie, reicher an jüdischen Erkenntnissen, der großen Masse der Mitglieder zu zeigen vermag, daß alle jüdische Zukunft V. FUCHS Dampffärberei und chemische Waschanstalt fürHerren-, Damenu. Kinder-Garderobe Verhänge, Teppiche undj Decken etc. Reelle u. schnelle Bedienung. Civile Preise. Gegründet 1883 0004 Frankfurt a. M.-Sachsenhausen Telefon Carolus Nr. 45512 / Hauptgeschäft: Bornheimer Landstr. 16 / Filiale : Elisabethenstr.16 mit dem Sieg der zionistischen Bewegung verbunden ist. Gehen wir einen anderen Weg, so werden wir bald dazu kommen, daß die zionistischen Führer nicht mehr die Herren, sondern die Sklaven ihrer eigenen Organisation sein werden. Man wird nicht mehr den Mut haben, zionistische Forderungen aufzustellen, aus Furcht, daß die am Zionismus uninteressierte Majorität kopfscheu werden konnte. Gerade in Turn- und Sportvereinen, wo soviel vom Mut gesprochen wird, kommt in der Erziehung alles darauf an, mutig und offen über unsere wahren Ziele zu sprechen. Verschweigt man das Wort Zionismus aus scheinbar erzieherischen Gründen, so wird man niemals dazu kommen, es mit der nötigen überzeugenden Sicherheit auszusprechen. Auf diesem Turntag kommt es daher auf volle Ehrlichkeit bei der Annahme der vorgelegten Beschlüsse an. Ich lege keinen Wert darauf, daß Beschlüsse in Massen gefaßt werden. Ab.r die auf zionistische Arbeit und Erziehung hinzielenden Beschlüsse müssen absolut durchgeführt werden. Die Erziehung kann nur dann von Führern und Gefährten ernst genommen werden, wenn es keinen den Zionismus betreffenden Beschluß gibt, für dessen Durchführung nicht jeder voll einzustehen hat. Wenn wir nicht wollen, daß Sport und Zionismus zu einer Antithese werden sollen, dann muß dafür Sorge getragen werden, daß die gefassten Beschlüsse dazu führen, daß die jüdische Erziehung genau so ernst genommen wird wie das sportliche Training. Tägliche Hebung, tägliche Arbeit, tägliche Kontrolle ist erforderlich, wenn wir unseren so hoffnungsvoll sich vor uns ausbreitenden Sportorganisationen die jüdische Zukunft erfolgreich weisen wollen. ^mm -•■ i.V. ■"^"'T^'VT ■ Trrfr ■ ■ v;ä^ TELEFON JMf\. ^PRIVAT-** ANLAGEN ^JNIKSm TELEFON-ANLAGEN FÜR DEN AUTOMATISCHEN FERNüHAUSVERKEHR FRANKFURTER - PRIVAT-TE LEFON CCS. M.B.H. FRANKFURT MAIN FERNSPR.HANSA 6256-58 MAINZ DÄRMSTADT WIESBADEN CASSEL FULDA F4408 F59* . F 25413 F6263 F835 1>**140 T^es,<*a*£r