Bar Kochba
- Journal
- Bar Kochba
- Volume
- 1928
- Issue
- Oktober 1928
- Date
- 1928-10-01
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44 Kritik Eine der Aufgaben unserer Zeitung soll es sein, Kritik zu üben, Kritik nicht aus Freude am „Krätschen", sondern, um auf Fehler oder Mißstände aufmerksam zu machen. Ich möchte diesmal gerade auf einen Punkt hinweisen, der mir besonders am Heizen liegt nämlich auf die übergroße Empfindlichkeit unserer Mitglieder. Diese Empfindlichkeil beruht zum guten Teil auf einer falschen Einschätzung der eigenen Person, auf Ueberschätzung der eigenen und Unterschätzung der Leistungen Anderer, sowie auf der Unfähigkeit, die Sache von der Person zu trennen. Einige aus der Luft gegriffene Beispiele mögen dies illustrieren : Dem Leiter irgendeiner Abteilung wird vorgeworfen, daß seine Arbeit in und für die Abteilung sehr schlecht sei. Statt nun den Ursachen dieser Kritik nachzugehen, Fehler abzustellen, oder mißverstandene Dinge klarzustellen, wird aus diesen Vorwürfen eine „Ehrensache" gemacht, weil der kritisierte Leiter sich durchaus fälschlicherweise persönlich getroffen fühlt und nicht einsieht, daß alle Kritik und alle noch so scharfen Vorwürfe nicht seiner Person, sondern nur der Sache (in diesem Falle Leitung der betr. Abteilung) gelten. In einem Bericht über ein Handballspiel wird das nach Ansicht des Berichterstatters schlechte Spiel irgend eines Mitgliedes erwähnt. Die Folge davon ist nicht etwa, daß der betr. Spieler nun überlegt, was er wohl falsch gemacht hat und eventuell die Fehler seiner Spiclweise zu verbessern sucht, sondern er ist „beleidigt". Ein anderer fühlt sich gekränkt, weil in einem Bericht andere Spieler mit „unser Karl", „unsere Rosi" bezeichnet werden, während bei ihm nur der poschete Name „Müller" und noch nicht einmal der Vorname genannt sei; oder ein älterer Läufer fühlt sich gekränkt, daß in einem Bericht über ein Sportfest die Namen aller 3. Sieger genannt seien, nur er der in einer mäßigen Zeit Dritter in 1500 m wurde sei nicht erwähnt. Statt den Berichterstatter nach den Gründen hierfür zu fragen, vermutet er eine bewußte Hintansetzung seiner Person und vergißt, daß doch wohl nur die Tätigkeit seiner Beine dem Berichterstatter nicht gefiel oder daß das Resultat nur durch ein Versehen nicht erwähnt wurde. Gleich falsch ist natürlich auch die Ueberheblichkeit, die man oft in Spielberichten etc. findet. Z. B.. wenn der Berichterstatter erwähnt, daß er den 6. Platz im Hochsprung gewann, aber die von anderen Mitgliedern erreichten dritten Plätze in anderen Konkurrenzen übergeht. Oder wenn ein Läufer sich benachteiligt fühlt, weil das Kampfgericht in irgend einem Lauf gegen ihn entschieden hat und sofort von Schiebung spricht! Für den wahren Sportsmann ist jede Entscheidung des Schiedsrichters oder Kampfgerichtes gültig selbst wenn sie seiner Ansicht nach falsch ist. Ich könnte diese Beispiele noch bis ins Unendliche fortsetzen, glaube aber, daß auch obige Angaben schon genügen. Es wäre natürlich ganz falsch, wenn sich nun wieder einige Leute durch obige {Beispiele betroffen fühlen würden — ich meine nicht sie, sondern sie auch. Und das ist das Wesentliche: Wir alle müssen lernen, Kritik unseres Tuns und unserer Leistungen zu ertragen. Hierzu gehört allerdings, daß man Verständnis hat für die Dinge, die man tut, und daß man fähig ist, seine eigene Leistung richtig einzuschätzen. Franz Ehrmann. m CARL KOVATSCHEK G. M. B. H. / GEGRÜNDET 18S2 / TEL. HANSA 3936 PFL7WARFN in billigster bis *t-^^,"**rvt-'^ feinst.Ausführ. 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