Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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jyposcHEß s p © u ir Ein Rabbiner über die jüdische Sportbewegung Die nachstehenden Ausführungen des orthodoxen Rabbiners E. Bloch (Portsmouth) werden gewiß das rege Interesse unserer Leser finden. Vielleicht wird sich mancher wundern, daß ein orthodoxer Rabbiner aus einem bekannten traditionstreuen jüdischen Hause zu den aktivsten Führern der Makkabibewegung gehört und in der Exekutive der British Maccabi Association figuriert. D,e Antwort darauf ist sehr einfach: Ich fand im Makkabi positive Ideale jüdischen Sportgeistes und Kultur, welche zwangsläufig einen nachhaltigen und tiefen Einfluß auf die jüdische Jugend in der ganzen Welt ausüben müssen. Da ich mich im vollkommenen Einverständnis mit den Zielen und der Arbeit der Makkabi-Bewegung befinde, bin ich glücklich, ein Mitglied dieser Organisation zu sein und ich habe mich ihr ganz und gar zur Verfügung gestellt, um an dem großen Werk, welches sie durchführt, mitzuhelfen. Ich lernte den Makkabi erst spät, nämlich bei den Makkabi-Spielen in Prag im Jahre 1Q33, kennen. Ich möchte ganz offen sagen, daß ich sehr skeptisch nach Prag gereist bin und den bekannten Ruf nach dem Muskeljudentum etwas kritisch betrachtet habe. Ich fuhr nach Prag, weil ich die Makkabi-Bewegung besser kennenlernen wollte. Was ich dort sah, beeindruckte mich aufs tiefste und schuf aus einem Skeptiker einen Enthusiasten der Makkabi-Bewegung. Vor allem war der Standard der gebotenen sportlichen Leistungen viel h ö Ii e r als ich es erwartet hatte und ich bin nun überzeugt davon, daß der Leistungsdurchschnitt jetzt bei der zweiten Makkabiah in Erez Israel ein noch viejl /höherer sein wird. Ferner sah ich junge jüdische Menschen, aufrecht und gesund; herrlich gebaute junge Männer und Frauen, auf die jede Nation mit Recht stolz sein könnte. Aber was noch viel wichtiger ist: ich empfand, daß sich hier ein Geist nationaler Disziplin und Solidarität, ein Geist der Brüderlichkeit und des uneigennützigen Zusammenarbeitens entwickelte. Ich sah, daß junge jüdische Menschen gelernt hatten, aufrecht zu gehen und stolz auf ihre nationale Erbschaft zu sein. Ich sah die Wiederbelebung des ureigensten jüdischen Nationalgeistes, eines Geistes der Treue und der Hoffnung und des Vertrauens auf die Zukunft des Volkes Israel. Die bemerkenswerte Szene, als sich die Scharen der Makkabim langsam mit ihren Bannern vorwärts bewegten zu den Klängen unserer hehren Tikwah, der Augenblick, da Lord Melchett den Gruß der Makkabim empfing und erwiderte, wird ewig wach in mir bleiben und zählt zu meinen kostbarsten Erinnerungen. „Ueberzeuge dich selbst!" das ist meine Losung. Und weil ich das alles mit meinen eigenen Augen gesehen habe, »hübe ich an den Makkabi und sehe eine Ranzende Zukunft für diese Bewegung voraus. Ohne einen Mißklang in diese Ausführungen bringen zu wollen, glaube ich doch verpflichtet zu sein und aussprechen zu müssen, daß in gewissen orthodoxen Kreisen der Makkabi nicht besonders populär ist. Lassen wir es dahingesteilt sein, ob mit Recht oder Unrecht! Ich muß gestehen, daß ich nicht genügend Kontakt mit anderen Ländern habe, um mir darüber ein eigenes Urteil bilden zu können. Wie dem immer auch sein mag: es hat keinen Zweck, abseits zu stehen; es ist viel besser, in die Bewegung hineinzugehen und innerhalb des Makkabi für eine Erweiterung der kulturellen und geistigen Basis unserer Idee zu arbeiten. Ich appelliere an alle Anhänger der Orthodoxie und an meine Kollegen im jüdischen Rabbinat, diese Bewegung in allen Ländern, wo Juden leben, mit aller Kraft zu unterstützen und sich einzusetzen für den Erfolg der jetzt kommenden zweiten Makkabiah. Sie muß und wird die größte Demonstration der jüdischen Jugend und der jüdischen Kraft sein, die jetzt überhaupt stattfinden kann. Ich möchte abschließend noch sage.i, daß ich seit jeher der Meinung gewesen bin, daß man zu gleicher Zeit sehr wohl ein g u t e r J u d e und e i n guter Sports mann sein kann. Die Anhänger der Makkabi-Bewegung vertreten diese Anschauung und es ist ihnen gelungen, sie in die Tat umzusetzen. Die Reorganisation der Fußballsektion der Wiener „Hakoah". Als die Wiener „H a k o a h" vor einigen Jahren ihre besten Fußballspieler an verschiedene amerikanische Vereine verlor, mußte sie eine lange Zeit hindurch mir einer Mannschaft antreten, die aus jungen, unausgebildeten Spielern bestand und die daher der überaus schweren Konkurrenz in der Meisterschaft der Wiener Liga keineswegs gewachsen war. Wegen des Fehlens öffentlicher Erfolge schien der weitere Bestand der Fußballsektion der „Hakoah" oftmals gefährdet. Durch die mühevolle Arbeit tatkräftiger, fußballbegeisterter jüdischer Menschen gelang es der „Hakoah" jedoch, ihre Mannschaft wieder soweit zu konsolidieren, daß diese nun wieder vollkommen gefestigt dasteht und sich selbst im schwierigen Wettbewerb der Wiener Mannschaften ziemlich gut behaupten kann. Der beste Beweis für das Gelingen der Reorganisation dieses Klubs bilden die kürzlich zur Austragung gelangten Spiele gegen ausländische Vereine, deren einige imstande waren, andere Wiener Klubs zu besiegen, die sich aber gegen die „Hakoah" nun nicht zu behaupten vermochten. Es spricht für die besondere Durchschlagskraft der Hakoahstürmer, daß sie fast überall mit Rekordtoren gewinnen konnten. Bei den letzten Spielen hat sich der bekannte österreichische Fußballinfernationale Donnenfeld besonders ausgezeichnet und die kürzlich durch verschiedene Wiener Zeitungen gegangene Mitteilung, wonach dieser Spieler die „Hakoah" zu verlassen beabsichtige, hat alle Freunde des Fußballklubs „Hakoah" schmerzlich berührt. 36