Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Sportnachrichten aus aller Welt Ein Jubiläum des Schwimmklubs „Hakoah". Der Schwimmklub „Hakoah" feiert ein kleines Jubiläum: Die 300. Nummer seiner Zeitschrift. Aus diesem Anlaß haben Lord M e 1 c h e 11, der Präsident des Makkabiweltverbandes, der Präsident des Internationalen und des Französischen Skiverbandes D r i g n y, der Generalsekretär der F. I. F. A. Dr. Donat h, der Ehrenpräsident des Oesterreichischen Schwimmverbandes Direktor Weinberger, der österreichische Olympiapräsident Dr. Schmidt und die holländische Weltrekordlerin Willy den Ouden an die Hakoah Gratulationsschreiben gerichtet. Den Ouden schreibt: „Ich glaube, die „Hakoah" wird stets prosperieren, wenn die Harmonie bleibt, die voriges Jahr bei meinem Wiener Aufenthalt alles so gemütlich machte." Das österreichische olympische Kom'iee hat auch drei jüdische Sportler zur konmenden Olympiade vorgeschlagen. Es sind dies die Angehörigen der Leichtathletiksektion der .,Hakoah ' B 1 ö d y, König und Deutscher. Dil' Genannten sind mehrfache österre:ch:sche Meister. Jugoslawien. Erfolgs des jüdischen Sports. Der jugoslawische Boxverband hat den Sportverein „Makkabi-Agram" als Boxmeister für das Gebiet des Save-Banats (Kroatien) bestätigt. In den Meisterschaftskämpfen, die in Agram stattfanden, hatte der Makkabi einen eindrucksvollen Sieg über alle übrigen Boxvereine errungen. In Sporfkreisen hat der Erfolg des jüdischen Sportvereines großes Aufsehen erregt. Tschechoslowakei. Am 3. März fand der erste Teil der Ausscheidungskämpfe der tschechoslowakischen Makkabischwimmer statt, die gute Ergebnisse brachten. Wie erwartet, siegte über 400-m-Freisfil Getreuer und über 100 m B e r an. 21.500 Mitglieder im deutschen Makkabi. Nach der Fusion „M akkabi-Hazai r"---J P D (Jüdischer Pfadfinderbund im Verband der jüdischen Jugend Deutschlands), die kürzlich auf der Bundesratstagung endgültig bestätigt worden ist, hat der deutsche Makkabikreis einen beträchtlichen Mitgliederzuwachs erhalten. Der JPD, der 3500 Mitglieder zählte und in 53 Orten Deutschlands Gruppen besaß, in denen der Makkabi noch nicht vertreten war, bringt den deutschen Makkabikreis durch seinen Beitrift nunmehr auf einen Mifgliederstand von 21.500. Der Makkabi ist jetzt in 136 Orten des deutschen Reiches vertreten. Es freut uns, die steten Fortschritte in der großen jüdischen Sportvereinigung des Deutschen Reiches mit aufrichtiger Sympathie registrieren zu können und wir freuen uns, daß dort wiederum ein Schrift nach vorwärts getan ist nunmehr auch zur Einigung der jüdischen Jugendlichen und Sportler. Schweiz. In den Pokalspielen schlug die Züricher „H akoah" den Sportklub Luzern mit 5:2. Danzig. Jüdische Mannschaff siegt über Deutschland. In dem internationalen Ping-Pong-Länderspiel Deutschland- Polen, bei dem die polnische Mannschaft ausschließlich aus jüdischen Spielern bestand, und zwar aus den Mitgliedern der Lemberger „Hasmonäa" und des Tarnower jüdischnationalen Sportklubs „Simso n", blieb die polnische Mannschaft mit 7:2 gegen Deutschland siegreich. Südafrika. Makkabirekorde bei Ausscheidungskämpfen. Bei den Ausscheidungskämpfen des südafrikanischen Makkabikreises gab es in der Leichtathletik ausgezeichnete Leistungen. Sie beweisen, daß man mit Südafrika bei der Makkabiah sehr zu rechnen haben wird. Smith siegte im 110-m-Hürdenlauf in der neuen Makkabiweltrekordzeit von 15.1 Sekunden, die auch nach internationalem Maßstabe als ganz vorzüglich bezeichnet werden muß. Benjamin stellte über 400-m-Hürden mit 59.6 Sekunden einen neuen Makkabirekord auf. Eine sehr gute Zeit erzielte auch der ehemalige Berliner Bar-Kochbasprinter Silber mann über 800 m mit 2:00.5 Minuten. Im Kugelstoßen und im Speerwerfen siegte Kaplan mit 12.82, bzw. 48.59 m. Indien. Kürzlich fand in Bombay ein Wasserpolomatch zwischen dem zionistischen Sportklub „Makkabi" und dem Bombay Gymkhana-Club statt, bei dem das jüdische Team mit 3:2 siegreich blieb. Lybien. Vor kurzem führte der Makkabi Tripolis ein großes Radrennen über 90 km durch, an dem sich auch nichtjüdische Organisationen beteiligten. Die ersten vier Sieger gehörten dem Makkabi an. Chile. In Santiago de Chile wurde ein jüdischer Sportklub gegründet, welcher nun auch seinen Anschluß an den Makkabi-Weltverband vollzogen hat. In Südamerika bestehen nun schon in Argentinien, Brasilien, Peru und Chile jüdischnationale Sportvereinigungen, die dem Makkabi angehören. Fünf jüdische Boxweltmeister. Es erscheint interessant, zu erfahren, daß gegenwärtig fünf von den acht Boxweltmeistern der verschiedenen Gewichtsklassen Juden sind, von denen nach Max Baer noch besonders die Amerikaner Barney Roß, King Levinsky und Lasky genannt zu werden verdienen. „L'Auto" über die kommende Makkabiah. Die weltberühmte französische Sportzeitung „L'Auto" veröffentlichte vor kurzer Zeit zwei große Artikel über d;e kommende Makkabiah. Es hieß darin u. a.: „Man wird bei der zweiten Makkabiah Gelegenheit haben, zahlreiche Weltrekordinhaber und Weltchampions zu sehen. D'ese Tatsache allein ist eine Garantie für das hohe sportliche Niveau der Veranstaltung." Kanada tür Verlegung der Olympiaae- W'e wir erfahren, hat die kanadische Amateur-Sportunion auf ihrem in Toronto kürzlich abgehaltenen 47. Jahreskonvent nachstehende Entschließung angenommen: „Da bekannt ist, daß Juden bei den olympischen Spielen in Berlin 1936 nicht willkommen sein werden, beschließt dieser Convent, von der deutschen Regierung die Zusicherung zu verlangen, daß keine benachteiligende Unterscheidung gegenüber irgendeinem Sportler, gehöre Cr welcher Rasse oder Konfession immer an, gemacht werden wird. Falls die deutsche Regierung eine solche 2 asicherung nicht gibt, tritt dieser Convent für eine Verlegung des Schauplatzes der Spiele ein." Auftakt zur Makkabiah. Unter dem Vorsitz des M. 1J. Ba nett Janner hielt der englische Makkabi in Wobourn House eine Tagung ab. Der Ehrenpräsident des Makkabi,- Weltverbandes, Lord Henry M e 1 c h e 11, führte in einer Ansprache aus, daß schon Theodor Herzl und Max Nordau auf die eminente Wichtigkeit der geistig-körperlichen Schulung der jüdischen Jugend hingewiesen haben. Abg. Janner betonte, daß sich die jüdischen Sportler heute schon den Sportgruppen aller anderen Völker an die Seite stellen können. Es sprachen noch Morris Kentridge, Mitglied des südafrikanischen Parlaments, der mitteilte, daß aus Südafrika ein starkes Team an der kommenden Makkabiah teilnehmen werde und Dr. K. F. Jacobowitz, der einen Ueberblick über die Lage des Welt-Makkabi unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Makkabi gab, welch letzterer ungeachtet aller Hindernisse heute über 18.000 Mitglieder zählt und die beste Makkabi-Sektion der Welt darstellt. En Jugend-Jamboree. Zum erstenmal wird heuer zur gleichen Zeit mit der Makkabiah ein jüdisches Pfadfinder- Jamboree in Palästina stattfinden. Zu diesem Lager sollen Delegationen aller jüdischen Pfadfinderorganisationen als Gäste des palästinensischen „Makkabi-Hazajr" nach Paliistina kommen, wo sie der Makkabiah beiwohnen und auf diese Weise natürlich auch dem nationalen Sport gewonnen werden können. An dieses Jamboree wird sich dann eine Rundreire durch ganz Palästina anschließen. Die jungen Leute werden so Menschen und Lebensformen in Erez Israel kennenlernen, um später nach Rückkehr in ihre Heimat ihren Gruppen über all das Gesehene und Erlebte berichten zu können. Welch hohe Bedeutung diesem Jamboree in nichtjüdischen Kreisen beigemessen wird, g eht am deutlichsten aus der Zusage hervor, die der Chief of scout-boys, Lord Baden-Powell, abgegeben hat. Der oberste Pfadfinderführer wird im Rahmen einer Inspektionstournee auch Palästina besuchen und hat in seinem Programm einen Besuch dieses Jamborees vorgesehen. Wie man uns mitteilt, werden aus Oesterreich 13 Angehörige des österreichischen Pfadf.nde.bundes „Zirenu" zu diesem Jamb&ree fahren. Man rechnet mit einer Gesamtteilnehmerzahl von 300 Besuchern. 37