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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-03-01 · 16 (März-April 1935) · p. Seite 29

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
16 (März-April 1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 29 (sequence 31)
Language
German
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Juden und Judentum in deutschen Briefen aus drei Jahrhunderten Herausgegeben und erläutert von Franz K o b 1 e r. Saturn-Verlag, Wien 1935. Dieses neue Sammelwerk ist eine Kultur- und Sittengeschichte der neueren Judenheit, wie sie an Tiefe der Einsichten, die sie gewährt, sowie an Klarheit der Gliederung nicht ihresgleichen hat. Die bewegte Zeit von 1648 bis 1922 ersteht uns wieder aus vielen hundert Briefen und Briefstellen von rund einhundertfünfzig jüdischen und christlichen Briefschreibern, von Spinoza bis Martin Buber, von Lavater bis Philipp Fürst zu Eulenburg, von der messianischen Bewegung Sabbatei Zewis bis zur Ermordung des Ministers Rathenau reicht diese unzerreißbare Kette jüdischen Schicksals. Dichter, Schauspieler, Maler, Musiker, Philosophen, Wissenschaftler und Politiker reden hier zu uns, teilen uns ihre Privatmeinung mit, ohne sich um die Meinung der äußeren Welt kümmern zu müssen. Die ewigen Probleme: Judentum-Christentum, Judentum-Deutschtum werden hier leidenschaftlich von Menschen verschiedener Artung bis zu jenem Punkt erörtert, wo die Diskussion aufhört und der Kampf beginnt. Man erfährt hier von den spezifisch jüdischen Sorgen einer verfolgten (und, was noch mehr ist, blind gehaßten) Gemeinschaft, aber auch von dem zähen Ringen der Einzelnen mit dem Engel Gottes, von dem Aufstieg der Begabten, von dem Triumph jüdischer Geistigkeit. ,,Was die Juden", heißt es im Vorwort, „in den Fluß der deutschen Geschichte nach einer mehr als anderthalb Jahrtausende währenden Abgeschiedenheit selbst an umstürzenden Veränderungen erfahren, wie sich an ihnen ein tragischer Kampf zwischen dem Streben, mit ihrer Umwelt zu verschmelzen und sich selbst zu behaupten, abgespielt, wie sie an allen Schicksalen des deutschen Volkes, tätig und leidend, beides über durchschnittliches Maß hinaus, teilnahmen und doch immer wieder in ihr eigenes Schicksal zurückgeschleudert wurden und sich darauf besannen — all dies kann aus den hier aneinandergereihten Briefen abgelesen, ja durch sie in höchster Ursprünglichkeit wiedererlebt werden." Dieses Buch sollte selbstverständlich von allen Juden gelesen werden. Aber auch von allen jenen Christen, die jüdische Problematik zu ergründen und die große Kluft zwischen beiden Nationen mit evangelischer Liebe auszufüllen trachten. A. W. Alfred Werner: Der Blick nach Innen Verlag: Oesterreichische Dichtung, In einem schmalen Bändchen legt A 1 f r e d Werner eine Auswahl seiner Gedächte der letzten Jahre vor. Noch ist manches unausgeglichen, nicht ausgereift, noch sucht der junge Dichter erst tastend und zögernden Schrittes den ihm gemäßen Wey, noch erliegt er manchmal der Versuchung sentimentaler Kuristauffassung. Aber die Klarheit seiner Sprache, die Reinheit der Form, die Ehrlichkeit des Gedankens und die Echtheit des Empfindens in allem, was Werner schafft, zeigen deutlich, daß sjeine Entwicklung nach aufwärts zu den Höhen wahrer Meisterschaft weist. EINGELANGTE BÜCHER llirMllllllttl1III1lllllllft*ll11IIMIIllllttll4llltlll1lllflllllllirillllllll1irilllllll1lirMltllltllllJlll41IIMII1IHIJIIIItllH4IIIIIIIUIIIIIIIIllllll11«l (Die Redaktion behält sich ausführliche Besprechungen vor.) Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Verlag Oprecht & Helbling, Zürich. Franz Kafka: Erzählungen und kleine Prosa. Schocken-Verlag, Berlin. Josef Kaste in: Jiuden in Deutschland. Josef Kaste in: Jüdische Neuorientierung, beides im Verlag R. Löwit, Wien. Max Roden: Dies ist die Stimme. Verlag der Johannespresse, Wien. Vo rt ru p p-V er 1 ag, Berlin: Kriegsbriefe gefallener deutschier Juden. Herausgegeben vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten E. V. Wille und Weg des deutschen Judentums. Hans Joachim Schoeps: Wir deutschen Juden. Alex Bein: Theodor Herzl. Fiba-Verlag, Wien. Hector Bolitho: Alfred Mond (First Lord Melchett) Verlag Ludwig Nath, Wien. In der Arbeiter-Büchereii, IL, Praterstraße 74, wurde eine eigene Abteilung für Arbeiter, Angestellte und Arbeitslose jüdischen Glaubens eingerichtet. Der Murch Spenden jüdischer Familien geschaffene Grundstock soll nunmehr auf dem gleichen Wege erweitert und vergrößert werden. Es wird allen jüdischen Kreisen nahegelegt, am Aufbau dieser jüdischen Bildungsmöglichkeiten durch Büchergaben tatkräftig mitzuwirken. Die Uebernahme der Bücher erfolgt durch die Hauptsstelle für jüdische Volksbildung (Gebäude des Stadtschulrates, L, Dr. Ignaz Seipelring 1, Telefon B 39-5-77). ©ßDiNflEPIPDCHE Bettelheim & Jomek, Wien I., Rotenturmstraße Nr. 27

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