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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-03-01 · 16 (März-April 1935) · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
16 (März-April 1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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JtyjphOAe- Das Leben eines Geschäftsreisenden bewegt sich gewiß nicht zwischen Rosen und Lilien. Es gehört manchmal ein eiserner Magen dazu, nicht nur ein körperlicher, um den verschiedenen Fraß in den verschiedenen Gasthäusern zu verdauen, sondern auch sozusagen ein moralischer, um es auf die Dauer auszuhalten, unausgesetzt zwischen den Flegeleien des eigenen Chefs und den Flegeleien fremder Chefs dahinzuwandeln. Aber auch dieses Leben hat angenehme und gemütliche Stunden. Eine solche verlebte Fred Braun zu ziemlich vorgerückter Stunde im Gastzimmer „Zur goldenen Weintraube" in einem kleinen Ort nahe der tschechischen Grenze. Er war dort natürlich nicht fremd; kehrte er doch mindestens drei bis viermal im Jähr in diesem Städtchen ein, mit seinem Musterkoffer in der Hand, sehr beliebt bei Wirt und Personal. Denn Herr Braun war nicht einer jener Reisenden, die bei einer Tasse Mokka stundenlang Bridge oder Tarock spielen, von Kellner und Piccolo verflucht bis ins dritte und vierte Geschlecht. Nein, Herr Braun war ein eß- und trinkfester Geselle, der bei guter Laune — und das war er meist — ordentlich was springen ließ. Er hatte zur Zeit der Prohibition in Amerika gelebt und hatte sich dort klarerweise an soviel Fusel gewöhnt, daß ihm das echte, ehrliche, heimische Getränk meist nicht viel anhaben konnte. Diese amerikanische Zeit war auch der Glanzpunkt seines Lebens und man konnte nicht 10 Minuten mit Herrn Braun oder wie er sich selbst gern nannte, Freddi Brown, beisammensein, ohne einiges ,,von drüben" aufgetischt zu bekommen; als Schlußeffekt zeigte er immer seinen echt amerikanischen Browning, auf den er so stolz war, als ob er nach ihm, Brown, Browning geheißen hätte, mit dem er in einige Kämpfe mit Gangstern verwickelt gewesen war (sio erzählte er) und den er daher auch in den friedlichsten niederösterreichischen Fleckchen stets schußbereit bei sich führte. Zu dieser vorgerückten Stunde in der „Goldenen Weintraube" war Freddi Brown natürlich nicht allein; drei, vier Herren, teils einheimische, teils Reisende gleich ihm, saßen beisammen und es konnte nicht lange dauern, bis ihnen Freddi seine „Amerikana" vorsetzte. „Das scheußlichste, was diese Banditen drüben tun, meine Herren", erzählte er, ,,sind aber nicht die Gewalttaten, von denen man immer liest, mit „Hände hoch" und Schüssen aus der Rocktasche heraus, das scheußlichste sind die Narkoseräuber. Ich habe einen gekannt, der war ein ganz übler Bursche. Er gab sich für einen Reisenden in Parfüms aus. Er kam zum Beispiel in ein Geschäft, in dem so ein armes Girl gerade allein war — das hatte er vorher ausbaldowert — und bot ihr Parfüm an. „Darf ich Sie um Ihr Taschentuch bitten?" Sie reicht es ihm ahnungslos, er gießt einige Tropfen darauf aus, das arme Ding führt es noch immer ahnungslos zur Nase und sinkt schon betäubt nieder. Na, das Uebrige können Sie sich ja denken — Ladenkasse auf, Dollars heraus und davon!" „Ach ja", sagte ein andrer, „kenn' ich, kenn' ich, „mit Narkose wird hier auch viel gearbeitet. Aber einer hat einen besonderen Trick und der läuft noch frei herum, man kann ihn nicht erwischen. Der arbeitet aber nicht mit Narkose. Der Kerl ist ein Hypnotiseur." „ Hypu otis eur? Unmöglich!" „Und doch ist es nicht anders zu erklären. Na, hören Sie zu!" STOTZMIEDER und LEIBBINDEN WIE DER ARZT SIE VERLANGT: leicht, weich, kein Druck , kein Verschieben, jedem "Fall fachlich sorgfältigst angepasst - das sind unsere C0RPUFR0MT= Mieder, "bei Häng eh auch , Schwan= ■gerschaftNieren=u . Magensen kung u.a. ärztLich empfohlen. ICine Erlösung für starke und leidende Frauen! Bandnaen-mTholusch w len, TaborstraBe 2 Tel. R 41-0-60 Aufschlußreiche Fachbroschüre kostenlos! Brown hörte zu, aber die anderen hatten genug. Mitternacht war längst vorüber, ihr Bedarf war gedeckt, sie verkrümelten sich. Nur Brown und der Mann mit dem Hypnoseräuber blieben zurück. Die Wahrheit zu gestehen, hatte Brown auch schon genug geladen; er begann zu schielen, die Zimmerwände bewegten sich schon etwas hin und her, aber — er konnte nicht mehr fortgehen. Er wollte auch nicht. Sein Ehrgeiz hieß ihn, immer der Letzte zu sein. Er war eben ein fescher Kerl. Drum riß er sich nocheininal zusammen: „Na, schießen Sie los, wie ist das mit der Hypnose?" „Na, das ist ganz einfach. Der Schuft schleicht sich in ein Hotelzimmer ein und beginnt ganz gemütlich zu suchen. Hört er, daß jemand kommt, so bleibt er ruhig in einer Ecke stehen und rührt sich nicht. Der Unglückliche, der das Zimmer betritt, sieht einen wildfremden Menschen, der einlädt stehen bleibt. ,Nanu', sagt er. Der andere bewegt sich noch immer nicht; schaut sein Vis-a-vis nur stier an. So! Verstehen Sie?" „Ich verstehe, aber schauen Sie mich nicht auch so an, sonst werde ich selber hvpnotisiert, ha, ha!" „Schadet nichts. Na, er macht einen Schritt auf ihn zu, der andere ihm entgegen; auch nur einen Schritt. Und rührt sich wieder nicht. Schaut nur. Und das Opfer kann nicht weiter, kann einfach nicht weiter, ist wie im Schlaf. Und der Gentleman verduftet. Fein, was? Na, genug für heute. Gute Nacht!" Donnerwetter, das war doch etwas starker Tabak. Kaum zu glauben; mit Hyp—, sagte er doch, 25

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