Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE DIENERINNEN (umringen Esther lachend und durcheinanderschwätzend) Wie lieb der Herr die Herrin hat, man sieht's! - Es war ein großes Wagnis! — Doch geriet's! Der Gnade Licht umfließt dich sonnengleich! - Du bist beglückt! — Die Glücklichste im Reich! Weil du im Reiche auch die Schönste bist! - Kein König widersteht so süßer List! - Um dich blüht Liebe nur! — Nie trifft dich Haß! JEMIMA Bestürmt die Herrin nicht, sie ist ganz blaß, Sie wankt, — o meine Herrin, bist du krank? ESTHER (stützt sich auf Jemima und führt sie ganz links vorne) Gerettet ist das Volk! JEMIMA Dem Herrn sei Dank! Wir hörten es, was schon ganz Susa weiß: Gott schützte Israel! ESTHER Um welchen Preis! JEMIMA Was meint die Herrin? ESTHER Um wievieles Blut! JEMIMA Vergießen wir es denn aus Uebermut? Wer fällt, der fällt im Angriff, den man roch — Fällt wie von eig'ner Hand ... ESTHER Ich weiß. Und doch... JEMIMA Daß Hanum hängt, daß unserer Feinde Schar Vernichtet werden wird — ja, ganz und gar Vertilgt, wer zu vertilgen uns gestrebt, Ist Flamans Schuld, des toten. ESTHER Haman lebt! JEMIMA Die Herrin fürchtet einen eitlen Fluch. ESTHER Bestätigt ihn nicht unser heiliges Buch? Und wenn auch dies dir nicht als furchtbar gilt, Da Gott der Herr doch seines Volkes Schild - So tun mir doch die vielen Toten leid, Die fallen werden in so naher Zeit: Der Tag der Purim steht schon vor der Tür! JEMIMA Das Los — sie warfen's. Können wir dafür? Was warfen Lose sie, die uns bedroht? Nun losten sie damit den eigenen Tod! ESTHER Nie werde ich so blutiger Rettung froh! JEMIMA Du lästerst Gottes Güte, stöhnst du so! Mitleid ist gut, doch Gott, der uns erhob Aus Todesschatten — er will Dank und Lob. Es ziemt dem Menschen, einstens so wie heut', Daß er, gerettet, sich der Rettung freut. ESTHER Ach, schiltst du mich für mein mitleidig' [Herz? JEMIMA Mißachtung Gottes scheint mir solcher [Schmerz Bist du so sanft, warum erbat'st du's dann? ESTHER Geschehenes sieht sich ganz anders an. JEMIMA Die Opfer werden fallen — und ihr Grab Deckt ihre Schuld und Strafe. Doch Gott gab Das Leben seinem Volke neuerlich: Dafür ziemt Festlichkeit und Freude sich! ESTHER Du hast wohl recht... Und doch bangt mir Einst führte Moses uns durchs Rote Meer — [sosehr! Durch rote Meerflut ztehn wir wieder her: Doch diesmal ist's ein Meer von rotem Blut. JEMIMA Verschlang nicht damals Pharao die Flut Mit seinem ganzen Heer, mit Mann und Roß? ESTHER Doch als die Flut sich über ihnen schloß, Die Engel jauchzten, wie geschrieben steht - Da zürnte ihnen Gottes Majestät, Daß sie, erhob's auch Israel aus Not, Gejauchzt bei gottgeschaffener Wesen Tod. JEMIMA Es muß wohl so auf Gottes Erde sein, Daß Leben sprießt aus nichts als Tod allein. Wohl Gottes Wille nur entscheidet da: Drum freue sich, wem Gnädiges geschah. Er trau're um die Opfer Gottes nur, Doch beuge sich vor Gottes Lose, Pur; Wie Gott es wirft, wird es das beste sein! Warum mit Gram darob das Glück entweihn? Was Gott dir tut, das Gute auch, ist recht — So nenne es selbst nicht aus Mitleid schlecht! ESTHER Dies ist! Den Schinerz, den blinden, werf Und über ein vieltausendfältig' Grab [ich ab. Will ich dem Volk, für das soviel gescheh'n, Voran zur ewigen Siegesfeier gehn! (zu den Dienerinnen, in die Hände klatschend) Der Tag der Purim naht, da Gott den Stoß Von uns gewendet, wendend unser Los! So schmücket mich und euch, soviel ihr seid, Mit Pracht und süßer Ausgelassenheit, Und schmücket die Gemächer aus mit Glanz Und setzet mir und euch ins Haar den Kranz, Zu Purim froh bei Maskenscherz und Tanz! 21