Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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HAMAN Soweit es nicht! Das ist es ja: Ihr lebt Selbst wo ihr unser Recht befolget noch Nach euren eigenen Gesetzen doch! Ihr seid kein Volk, wie andere Völker sind - Ihr seid wie Spreu, die hinweht mit dem Wind — Durch alle Völker jeden Lands zerstreut - Ihr nehmet danklos, was das Reich euch beut — Dessen Gesetz ihr doch kaum anerkennt. MORDECHAI Ich prüfe, was dein Wort verwerflich Ich hörte deine Rede mit Geduld — [nennt — Wo ist in alldem todeswerte Schuld? Dein Vorwurf, Haman, endet und beginnt Nur damit, daß wir keine Perser sind. HAMAN Und damit, daß ihr Persien verderbt: Dies ist die wahre Schuld, um die ihr sterbt! AHASVERUS (plötzlich, ohne aufzusehen) Genug der Worte. Mich verlangt nach Tat, Da unheilvoll der Tag der Purim naht. Du, Mordechai, stellst deinem Volke frei, Daß es ein fremdes Volk in Persien sei — Ich, als der König, kann das nicht wie du. ESTHER Doch, hoher Herr, stimmt nur nicht Haman Der seine Gier nach Geltung, Gier und Neid [zu, Als Maß will setzen eurer Herrlichkeit; Der das, wofür sein Hochmut je entbrennt, Am liebsten heilige Ziele Persiens nennt. HAMAN (auf Esther zu) Jetzt, Herrin, spricht aus [euch die echte Art! AHASVERUS (hebt die Hand) Es ist die Königin: [Sprich nicht zu hart! HAMAN Doch eine Jüdin, die nach eurer Schrift Und eurem Siegel selbst der Tod bald trifft. AHASVERUS (klatscht in die Hände) Nicht hier und heute. EIN NEGERSKLAVE (von rechts) AHASVERUS Ist Charbonah hier? CHARBONAH (rasch eintretend, mit tiefer Verbeugung) Der Perser König, was befiehlt er mir? Ich eile und gehorche seinem Wort... AHASVERUS Die Königin führ' in ihr Zimmer fort, Da Haman gegen ihre Würde sich Vergessen hat. CHARBONAH (mit tiefer Verneigung) Hörend gehorche ich! Doch trifft Herrn Haman, der sich überhob, Der volle Zorn der Majestät darob — So melde ich dem König jetzt zumal: In Hamans Haus, im Hofe, steht ein Pfahl, Von ihm für einen anderen bestimmt, Der aber sicherlich auch ihn annimmt. AHASVERUS Was schwätzest du? Nie zürnte Haman ich! Jedoch — für wen ist jener Pfahl? MORDECHAI Für mich! An fünfzig Ellen hoch — und Haman denkt, Daß mich an diesem Pfahle er erhenkt. AHASVERUS Dich? Meinen Retter? Haman, hörst du's stumm? CHARBONAH Er kann's nicht leugnen! AHASVERUS Also ja? Warum? MORDECHAI Er ist ein Jude, König. Das genügt! AHASVERUS Genügt, daß er sich zu den Opfern Die hinwürgt mein gesiegeltes Gebot; [fügt, Du aber willst noch vorher seinen Tod! HAMAN Er ist der Juden jüdischester... AHASVERUS Und? CHARBONAH Gestattet mir der König, tu ich kund, Was Haman, stets hochmütig ohne Maß, Einst zu mir sagte, als er sich vergaß: Nichts gelte ihm sein Reichtum, seine Macht, Solange Mordechai, ganz ohne Acht Auf ihn zu haben, ohne aufzustehn, Am Tor des Königs täglich sei zu sehn. AHASVERUS Getreuer Haman, ist dies wahr? HAMAN Es ist! AHASVERUS Und du willst schelten über Hinterlist? Myriaden Juden tötet dein Gesuch Durch jenen mir entlockten Urteilsspruch ... Doch dieses einen Juden Tod, gewollt Aus Lust am Haß, aus Bosheit — ihm zum Sold Erleide Strafe, Haman, wie für Mord, Am Galgen, den du stelltest ... Führt ihn fort! ESTHER (auf Mordechai zu) Nicht so, mein Oheim! Sprechet doch für ihn, Eh er zum Tode geht! 18