Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Skopusberg die Hebräische Universität eröffnet worden. Die alma mater habraica blickte von den Bergen Zions auf Jerusalem, auf das Jordantal und auf das Tote Meer herab. Die jüdische Studentenschaft hatte endlich „ihre" Universität, sie waren „freie" Hochfcchüleer geworden. Und als zur selben Zeit eine Bewegung mit der Parole „Errichtet auch in Europa eine jüdische Universität!" entstand, da trat die jüdische Hochschülerschaft einmütig dagegen auf mit dem abwehrenden Ruf: „Schaffet keine Konkurrenz unserer Universität, der alma mater haebraica in Jerusalem!" Bald aber kam die erste Enttäuschung. Die Hebräische Universität sollte als Forschungsinstitut mit Lehr- und Uebungskunsen geführt werden. Im ersten Moment der großen Begeisterung wurde dies wenig beachtet und als der Kanzler der Universität Dr. Magnes offiziell erklärte, daß „die Hebräische Universität keine Doktorenfabrik sei", da erst erhob sich gegen dieses System eine Opposition und man führte an, daß die Hebräische Universität zwar ein herrliches Gebäude und schöne Institute auf dem Skopusberg besitze, aber keine wirkliche Universität sei. Die jüdische Studentenschaft, gerade damals an vielen Hochschulen durch antisemitische Ausschreitungen verfolgt, stellte die Parole auf: „Umwandlung der Hebräischen Universität aus einem Forschungsinstitut in eine wirkliche Lehranstalt, in eine wirkliche Universität!" Sechs Jahre nach der Eröffnung wurden über die Universität folgende Zahlen bekanntgegeben: Zwei Forschungsinstitute; Zahl der Studenten: 177, bei nicht weniger als 62 Professoren, Lektoren und Assistenten. Budget pro Jahr: 1000 Pfund. Da die Hebräische Universität ein Forschungsinstitut war und ein Hochschüler, der einen Lebensberuf sucht, an der Hebräischen Universität aber kein Diplom erhalten konnte, waren jüdische Abiturienten hebräischer Gymnasien gezwungen, aus Palästina auszuwandern, um in Europa eine Hochschule aufi Ein Hörsaal Der Universitätsbau vor der Fertigstellung zusuchen. Im Jahre 1932 waren deshalb 800 palästinensische Abiturienten an die Universitäten Europas gekommen. Die jüdische Studentenschaft begann jetzt laut zu protestieren, Versammlungen abzuhalten und eine scharfe Sprache gegen dieses System zu führen, und setzte auch durch, daß der XVII. Zionistenkongreß in Basel in diesem Sinne zwei Resolutionen annahm. (Der Antragsteller auf dem Zionistenkongreß war der Autor dieses Artikels. Anm. d. Red.) Nach diesem Kongreß tagte das Kuratorium der Hebräischen Universität und tatsächlich begann man seit diesen Kongreßresolutionen mit der Umwandlung des Forschungsinstitutes in eine Lehranstalt, wenn auch in sehr langsamem Tempo. Bald konnten die Hochschüler in Jerusalem die ersehnten Graduierungs-Diplome erhalten und trugen den Titel M. A. (Master of Arts). Im Jahre 1933 kamen viele Professoren und Hochschüler aus Deutschland nach Palästina und fanden an der Hebräischen Universität Aufnahme. Gleichzeitig wurden Schritte unternommen, um wichtige Fakultäten (so die medizinische) eröffnen zu können. Die Hebräische Universität wird also allmählich eine wirkliche Universität und dient jetzt schon in hingebungsvoller Arbeit dem Wohle der Bürger Palästinas. Unerbittlich bekämpft sie die zwei häufigsten Krankheiten Palästinas: Malaria und Trachom. Die hebräische Literatur blüht auf. Die Geologie und Klimalologie Palästinas werden eifrig studiert und mit diesen Forschungen wird viel zur Produktivierung des Palästinabodens beigetragen. In fast allen Ländern gibt es Gesellschaften der „Freunde der Hebräischen Universität", welchen sowohl Zionisten als auch Nichtzionisten angehören, und diese Gesellschaften helfen in finanzieller Hinsicht die Hebräische Universität nicht allein zu erhalten, sondern auch auszubauen. Professor Dr. Schapira beendete seine Rede auf dem ersten Zionistenkongreß mit den Worten: „Mag uns die Verheißung in Erfüllung gehen: „Ki mi-Zion theze Tho'-a ud'war adonai mi-Jeruschalajim". (Denn von Zion geht die Lehre aus und das Wort Gottes von Jerusalem.) Die Hebräische Universität in Jerusalem kann dazu beitragen, diese Prophetenworte wahr zu machen, im besten Sinne menschlichen Strebens. 15