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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-03-01 · 16 (März-April 1935) · p. Seite 14

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
16 (März-April 1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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Dadurch nahm die Idee einer „geistigen Lehrstätte", eines „jüdischen Lehrhauses" festere und dringlichere Formen an. Jetzt hörte man schon das Wort .Jüdische Universität". III. Die Geschichte der Hebräischen Universität fällt natürlich nicht allein mit den traurigen Ereignissen an den Hochschulen zusammen, sie fand vielmehr ihren eigentlichen Förderer und Baumeister im Wiederaufleben der hebräischen Sprache und im modernen „Zionismus". Nebst Bemerkungen über eine „geistige Lehrslätte" tri verschiedenen Schriften war besonders das Eintreten der Haskalahbewegung für das Hebräische als lebende Sprache des Volkes von Bedeutung. In dieser Zeit entstanden viele hebräische Zeitungen, so z. B. „Hamagid", „Haschachar", „Hameliz", „Hacarmel", „Hashiloach", „Halebanon". Diese Blätter veröffentlichten Beiträge, in welchen die Rückkehr der Juden nach Palästina und die Errichtung eines geistigen Lehrhauses verlangt wurde. Von Wichtigkeit war ein Artikel von Eliezer B en Je Hu da, dem Herausgeber des zehnbändigen hebräischen Wörterbuches „Thesaurus totius hebraitatis", in der Jerusalemer Zeitung „Hachabazeleth", in welchem gefordert wurde, daß das Hebräische als Unterrichtssprache in den jüdischen Schulen Jerusalems eingeführt werde. Schließlich übersiedelte Eliezer Ben Jehuda (1882) nach Jerusalem und seine Familie war Brunnen im Hofe der Universifäf die erste, die nur hebräisch sprach. Genau so wichtig war dann eine Gruppe jüdischer Studenten aus Rußland, die nach Palästina übersiedelten (1882) und unter dem Namen „Bilu" (nach den Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte, die bedeuten: „Laßt uns das Haus Jakobs aufrichten!") bekannt wurden. Bald entstanden die eisten hebräischen Kindergärten in Palästina, in denen hebräische Kinderlieder gesungen wurden, dann hebräische Gymnasien, welche die Idee der Hebräischen Universität notwendigerweise vertiefen mußten. Im August 1912 tagte eine Versammlung des palästinensischen Lehrerverbandes und faßte den Beschluß, daß sämtliche Unterrichtsgegenstände in der hebräischen Sprache gelehrt werden sollen. Der Erfolg dieser Resolution war es, daß sich später im Haifaer Technikum das Hebräische als Unterrichtssprache durchzusetzen wußte. IV. Entscheidenden Anteil gewannen die Zionistenkongresse auf die Verwirklichung des Gedankens einer jüdischen Universität. Der „Volkstribun" Max Nordau behandelte als erster auf dem Zionistenkongreß die Lage der jüdischen Hochschüler in seinem Referate „Die allgemeine Lage der Juden". Der Heidelberger Universitäts-Professor Dr. Schapira beantragte die Gründung einer hebräischen Hochschule in Jerusalem oder in Jaffa, die vorläufig 3 Hauptlinterabteilungen umfassen sollte: a) Theologische Abteilung; b) Abteilung für theoretische Wissenschaften; c) Abteilung für technische und agronomische Kenntnisse. Die traurige Lage der jüdischen Hochschüler, die Entwicklung der hebräischen Sprache, die erste Broschüre über die Errichtung einer Hebräischen Universität (1903), die Balfour-Deklaration, der Aufbau Palästinas, die ersten Abiturienten an den hebräischen Gymnasien waren die geistigen Grundlagen des Universitätsgedankens, die wirkliehe Grundsteinlegung erfolgte im Jahre 1918. V. Der Grundstein der Hebräischen Universität wurde am Mittwoch, den 24. Juli 1918, den 15. Tag des 5. Monats, des Monats des Menachem-Ab, im Jahre 5678 seit der Erschaffung der Welt, 1849 seit der Zeiistörung unseres zweiten Tempels, 21 Jahre seit dein ersten Zionistenkongreß, der von Benjamin Seeb ben Jakob Herzl einberufen wurde, im Jahre 1 seit der durch Artur James Balfour erlassenen Deklaration der britischen Regierung, die dem jüdischen Volke eine nationale Heimstätte im Lande Israel verspricht, gelegt. (Diese Beurkundung auf einer Pergamentrolle wurde unter dem Grundstein vergraben) Schon vorher waren in Palästina ein Pasteur-Institut und ein jüdisches Gesundheitsamt gegründet worden, die wertvolle Beiträge zur Bakteriologie und Hygiene leisteten, in Athlit befand sich schon eine landwirtschaftliche Versuchsstation und in Haifa eine Technik. Der 1. April 1925, der 7. Nissan 5685, ist der eigentliche Gedenktag. An diesem Tage war auf dem 14

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