Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Denn schon damals mochten wir fühlen, daß ein edler Aufschwung der jüdischen Kunst am natürlichsten von der Verbindung der alten hebräischen Schrift mit der stilisierten Pflanzenwelt Erez Israels zu erwarten war, einer Verbindung, gleich rein und jüdisch in der Form wie in ihrer sinnbildlichen Bedeutung. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Das lag zum Teil an Lilien, der seinen Buchschmuck in Tuschezeichnungen und nicht, wie es graphisch notwendig gewesen wäre, in Holzschnitten hergestellt hatte. Das lag noch mehr an den anderen Künstlern. Heute ist - was wir in Beispielen von jungen Graphikern der Gegenwart später zeigen wollen die Zeit dafür vielleicht vorüber, jedenfalls infolge der Lage der Kunst weit schwieriger geworden. Umsomehr begreifen und lieben wir heute jene hoffnungsvollen Anfänge, die das Buch „Juda" aufbewahrt hat. Josef Fränkel: Alma mater hebraica l. Äpril 1Q25 - l. April IQ35 1. Es soll hier kurz die historische Entwicklung der hebräischen Universität geschildert werden, um deutlich zu unterstreichen, daß das Gebäude auf dem Skopusberg als Lehrstätte für Hochschüler gedacht war. II. Im Westen. Für Juden wurde einstmals an den europäischen Hochschulen die Taufe gleichsam als Entreebillett verlangt. Die Universitäten waren für Juden verschlossen; dagegen fanden getaufte Juden Aufnahme. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden einige wenige Juden an den Hochschulen zugelassen. Die jüdischen Hochschüler wurden verlacht und verhöhnt. Viele ließen sich taufen (z. B. Heinrich Heine, Juli 1825, vier Wochen vor seiner Promotion) oder verließen enttäuscht noch vor Beendigung ihrer Studien (z.B. Moses Hess, 1830) die Universität. Allmählich wurde die Lage der jüdischen Hochschüler immer trister. Zuerst stießen sie auf Hohn, dann auf einen mehr oder weniger versteckten Antisemitismus. Tastend, nebelhaft tauchte die Idee der Errichtung eines „Jüdischen Lehrhauses" auf. Im Osten. Die russische Regierung war es, welche die Aufnahme der Juden an russischen Hochschulen begünstigte; sie wollte im 19. Jahrhundert einigen Juden russischen Geist und russische Kultur einimpfen, damit düe jüdischen Akademiker als Träger des russischen Gedankens eine weitverzweigte Russifizienmg miteinleiten könnten. Aber trotz der Förderung durch die Regierung auch hier dasselbe Bild wie im Westen: Haß gegen die jüdischen Studenten. Viele jüdische Hochschüler mußten die russischen Hochschulen verlassen und wandten sich jüdischen Lehrstätten zu. Sie traten der „Haskalah", der jüdischen Aufklärungsbewegung, bei, wodurch diese in nationaler Richtung beeinflußt wurde: Die Haskalahführer schrieben und predigten jetzt von einer „geistigen Lehrstätte". Allerdings blieben auch hier die ersten Gedanken unklar und wenig zielweisend. Am 7. Juni 1885 erließ die russische Regierung das erste Numerus-Clausus-üesetz und verfügte die „Beschränkung der Aufnahme von Juden am Technologischen Institut zu Charkow bis auf 10 Prozent der allgemeinen Zahl der Studenten". Im Jahre 1886 wurde dieses Gesetz auch auf die Universitäten angewandt. 13