Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Univ.-Prof. Dr. Max Eisler: Erinnerung an Ephraim Mose Lilien IIIBtlieilllülI.....llliaillllli!llkinilIlillfIIIIlllli:iI3lllllllllIIIIMI!IIIIIIIIIIIiaillIIIIIIfllllllll!ll1llllllllll!lllllllllllllllllllllllllEII!llllll.....lUlllllllllllllllllllli Unter den Büchern, die uns in jungen Tagen in die Hände kamen, haben uns nur wenige gleich warm und tief erregt wie das Buch „Juda", eine Sammlung von Gesängen aus der Feder des Freiherrn Börnes von Münchhausen, begleitet vom Buchschmuck des Ephraim Mose Lilien. Es ist heute schwer zu sagen, was der Beweggrund dieser außerordentlichen Wirkung gewesen ist. Zunächst lag es vielleicht an der Zeit. Die nationale Erneuerung des Judentums befand sich damals in ihren Anfängen, ihr leidenschaftlicher Atem strich auch sonst belebend über die jungen Uemüter, die in jenem Buch, geschaffen von zwei jungen Künstlern, in Worten und Bildern eine Sprache vorfanden, die sie unmittelbar verstehen konnten. Dann mag es die seltsame Verbindung zweier so ungleicher Autoren gewesen sein, die uns, rätselhaft, wie sie war, immer vom neuen angezogen hat. Denn der Dichter war ja ein Mann aus ältestem deutschen Adel, seiner Herkunft stolz bewußt, der Maler aber ein jüdischer Jüngling. Heute, nach beinahe vierzig Jahren, wird man die keineswegs äußere, sondern wahrhaft schöpferische und gleichgestimmte Zusammenkunft des ungleichen Paares nicht leicht mehr verstehen. Denn wie haben sich die Zeiten verändert! Nun steht der Dichter im Lager des neudeutschen Regimes, das ihn unter den ersten Männern in die Akademie des Reiches berufen hat. Aber damals hat Lilien nicht nur den eigenen Namen auf dem ersten Vollblatt des Buches, sondern am Schlüsse auch den des poetischen Freundes in hebräischen Lettern — Börnes lebeth Münchhausen, darüber die Freiherrnkrone — gezeichnet. So sehr sind beide in Tat und Gefühl einig gewesen! Der letzte, stärkste Eindruck muß von der vereinigten Kunst der beiden Männer gekommen sein. Er besteht nach seinem klar gewordenen Maß auch heute noch und wird die Wandlungen der Zeit überdauern, i j f j Der Dichter schickt eine Widmung an das jüdische Volk, betitelt ,,Euch!", voraus, sie endet mit den Versen: „Ich bin des Predigers Stimme in der Wüste, Stark ist mein Schrei, die Liebe ihn gebar, Ich bin des Predigers Stimme in der Wüste, Ein Fremdes ruft aus mir und redet wahr. Und ruft dir zu: Laß Pflug und Wage stehen, Sei was du bist, das alte Israel, Noch lebt dein Gott, und seine Säulen gehen Noch heute vor dir, höre Israel!" 11