Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 16 (März-April 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Rabbiner Dr. Max Grunwald: MaimOtlideS Zu seinem 800. Geburtstag mmn.....>l.....mumm.....mimmnmiiiiiii.......i......iiiliniu..........iiiiiiillllllil..........iiiiiiiiiiiiiiniiii.....i.......nun......iiiiiiiiiiiiiiiiiiiin......n Am 30. März, vor 800 Jahren, um 1 Uhr mittags, wurde im Judenviertel Cordovas, in dem eine Gasse nach ihm benannt ist, Mosche ben Maimon (Maimuni, Maiinonides) geboren. Der Wiederkehr dieses Tages widmet die Presse verschiedenster Richtung Festartikel. Jüdische Gemeinden bereiten Gedenkfeiern vor. Sein Geburtsland Spanien sogar von Staatswegen. Eine solche Ehrung ist noch keinem Juden widerfahren. Betrachten wir Zeit und Ort seiner Geburt! Das Judentum bewies damals eine ungewöhnliche Triebkraft. In Abständen von etwa 40 Jahren folgen aufeinander vier unserer Größten: Rasch i als Bibel- und Talmuderklärer, Jehuda Haie vi als Theolog und R a h b e n ii Tarn als Tossafist (Talmudinterpret). Und Cordova war damals das Licht der Welt, wie später Paris. Es besaß eine Bibliothek, wie heute London. Auch jüdische Künstler und Forscher blühten dort. Unter ihnen seit Maimunis Geburtsjahr Jehuda Halevi. Kaum 13 Jahre alt, mußte Maimuni, der üeisteserbe einer langen Kette von Gelehrten, Cordova verlassen. Wie im Norden und Osten die Kreuzfahrer, wüteten im Süden die Almohaden. So wechselte denn Maimunis Familie wiederholt ihren Aufenthalt in Spanien. Von dort flieht sie nach Fez, von da 1165 nach Palästina. Da sie auch dort unter christlicher Herrschaft nicht Fuß fassen kann, wendet sie sich nach Aegypten. Hier, in Fostat bei Kairo, findet Maimuni eine neue Heimat. 1168 war aus seiner Feder ein Kommentar zur Misch nah erschienen. Geschrieben hatte er ihn in der Unrast sturmgepeitschten Wanderns. Ohne Bibliothek, fast stets unterwegs. Aber gerade dieses Schicksal überzeugte ihn von der Notwendigkeit einer solchen Arbeit. Die grausamen Verfolgungen bedrohten den Bestand des Judentums. Die Zerstörung zahlreicher Gemeinden mit ihren Schulen und Synagogen, die Versprengung der Juden in alle Welt, ihr täglicher Kampf um das nackte Lebet behinderten jede geistige Vertiefung, vor allem die Pflege der mündlichen Lehre. Deshalb verfaßte Maimuni einen Kommentar zur Mischnah, der zugleich einen Auszug aus den weitläufigen Diskussionen des Talmuds, Erklärungen aus dem gesamten Wissen der Zeit und bei jeder passenden Gelegenheit für Geist und Herz lichtvolle Darstellungen der jüdischen Glaubenslehre bietet. Diese grenzt er streng logisch gegen andere Doktrinen ab in 13 Punkten, die am Schluß und im ,,Jigdal" poetisch gefaßt am Eingang unseres täglichen Morgengebetes stehen. Deutlich erkennt man die Grenzregulierung gegen Islam und Christentum, sowie gegen Irrlehren im eigenen Lager. Ihre einprägsame Kürze sollte, wie das ganze Werk, das deshalb auch in der Landessprache — arabisch — geschrieben ist, der Popularisierung des Judentums dienen. In Mathematik, Astronomie, Physik, Medizin, Philosophie, Philologie erweist sich Maimuni hier ebenso als Fachmann, wie vor allem auf seinem eigensten Gebiete, der Theologie, in souveräner Beherrschung des jüdischen Schrifttums. Einzelnen dieser Wissenschaften hat er vorher oder nachher besondere Schriften gewidmet. Als medizinischer Schriftsteller und besonders als praktischer Arzt erlangte er Weltruf. Wie schon in Fez von einem Moslem gefördert, verdankte er der Protektion des Wesirs Saladin die Anstellung als Hofarzt. Die wohlwollende Behandlung der Juden Palästinas nach der Eroberung des Landes durch Saladin (1183) wird mit auf seine Fürsprache zurückgeführt. 1198 wurde er Leibarzt des Nachfolgers dieses edlen Fürsten. Man schreibt ihm ein Gebet zu, das der Arzt täglich vor Beginn der Praxis verrichten solle. Jedenfalls atmet es seinen Geist. Er ist das Urbild der glücklichen Vereinigung von Arzt und Rabbi in einer Person, dfic im Judentum so oft wiederkehrt. Der Arzt wird dadurch vor Materialismus bewahrt, der Rabbi vor Zelotismus. Mit seinem rabbinischen Hauptwerk, dem ,,Mischne Thora", ist Maimuni in die jüdische Unsterblichkeit eingegangen. Auch dieses Werk zu schaffen, war ein Gebot der Stunde. Einer Stunde dringender Gefahr für die Erhaltung des Judentums. Was er in seinem Mischnah-Kommentar begonnen, mußte er in andrer Form für das gesamte talmudische Judentum vollenden. Wer damals über irgend einen Punkt unserer Religion Aufschluß suchte, der mußte ein tüchtiger Taucher sein, um aus dem Riesenmeer des talmudischen Schrifttums, der Literatur von anderthalb Jahrtausenden, Perlen heraufzufischen. Wer sich von dem Lehrgehalt des Judentums ein Bild verschaffen wollte, der stand vor einem Labyrinth, in dem auf den verschlungensten Pfaden Schätze zu entdecken, den leitenden Faden zu finden, aber unsäglich schwer war. Für den Historiker ist der Talmud, so wie er sich erhalten, als unberührter Tatbefund unschätzbar, doch für den praktischen Gebrauch und Selbstu nte r r i c h t des Ungelehrten unverwendbar. Nicht nur ein unfaßbares Wissen, nicht nur eine Riesenkraft der Synthese und Systematik gehörte dazu, aus allen Ecken und Enden die Bausteine zu diesem Meisterwerk zusammenzufinden und harmonisch zusammenzusetzen. Heldische Selbstsicherheit und Verantwortungskühnheit erforderte es, unzählige Diskussionen, deren Entscheidung der Zeit des Messias vorbehalten war, wie aus dein Handgelenk mit unfehlbarem Zugriff zu zerschneiden. Und noch eines: Der geniale Wurf des geborenen Künstlers. Nicht nur aus einem Magazin ein Museum schuf hier Maimuni. Sondern aus tausend Farben ein Kolossalgemälde. Das getreue Bild des Judentums und damit 6