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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 32

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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Kosmetik und wirtschaftliche Verhältnisse Von Dr. Egon K a r p e 1 i s Es gehört nun einmal zum Kulturmenschen, daß er etwas auf sein „Aeußeres" hält. Man darf da nicht wie es so oft geschieht — an überflüssige Dinge denken bei Menschen, die schon gar nichts mehr mit dem Geld anzufangen wissen. Das Bestreben, besser auszusehen, hat oftmals seine sozialen und wirtschaftlichen Motive. Je schwerer die Zeiten, desto mehr fallen im Kampfe ums Dasein die persönlichen Faktoren ins Gewicht. Gar nicht zu reden vom Altwerden, das für viele, die auf ihrer Hände oder ihres Geistes Arbeit angewiesen sind, direkt ein Unglück bedeutet. Die sooft gehörte Frage, wieso gerade heutzutage so viele den Rat des Kosmetikers einzuholen wünschen, erscheint somit ganz unberechtigt. Der Rat des Kosmetikers! Bei wievielen Menschen steht er — das weiß der, der jährei|n, jahraus als Arzt in diesem Berufe steht — im Brennpunkt ihrer Wünsche! Und gerade diesen Vertreter der ärztlichen Kunst fürchten so viele! Das Vorhaben, einen Kosmetiker aufzusuchen, wird niemals zur Wirklichkeit ,weil man Kosten und Zeitdauer der Behandlung nicht gewachsen zu sein glaubt. Andererseits aber ist es zu verwundern, wie Menschen, die sonst sehr bedacht sind, ihr Geld auszugeben, es gerade hier mit einer erstaunlichen Leichtfertigkeit zu tun imstande sind. Da wird heute diese, morgen jene Creme, heute dieses, morgen jenes Gesichtswasser planlos eingekauft, einfach deshalb, weil eine Bekannte oder eine Freundin es so sehr empfohlen. Und gerade beim Gebrauch kosmetischer Artikel gibt es gewaltige Unterschiede; was dem einen unschädlich ist, kann dem andern Schaden bringen. Oder es wird zum Beispiel immer wieder versucht, mit einem alierort angepriesenen Haarentfernungsmittel der Ueberbehaarung beizukommen, bis man nach viel materiellen Verlusten erst einsieht, daß alles nutzloses Beginnen war. Die Sache be3m ärztlichen Kosmetiker ist meist viel einfacher als man glaubt. Zugegeben, es gibt wie in allen Zweigen der Medizin auch in der Kosmetik Leiden, die einer längeren Behandlung bedürfen. Oft aber genügt eine einmalige ärztliche Untersuchung mit nachfolgender Beratung, um dann ein selbständiges Weiterbehandeln daheim zu ermöglichen. Wie sieht nun so ein Konsilium mit Beratung aus? Ueber welche Frage auch immer beraten werden soll, in den Vordergrund hat die Beschaffenheit des Gesamtzustandes des Organismus zu treten. An der Hand eines Beispieles, dem wir alltäglich begegnen, soll das Gesagte praktisch beleuchtet werden: Eine Frau leidet an fetter Haut, die zu Mitessern und Eiterpusteln neigt. In dem einen Fall wird die übliche Behandlung (Gesichtsdampfbäder, Auspressen der Mitesser, Schälkuren und Bestrahlungen) zum Erfolg führen, in dem anderen Fall nur Besserung auf ganz beschränkte Zeit bringen. Warum? Weil hier die besagten Erscheinungen nicht bloß eine lokale Angelegenheit bedeuten, sondern ein Wegweiser sind, daß irgendwo im Organismus etwas nicht in Ordnung ist. Eine gründliche Untersuchung ist deshalb unerläßlich, weil erst durch diese der Weg zur richtigen Behandlung eingeschlagen werden kann. Ist das Uebel beseitigt, kann man ruhigen Gewissens die Weisungen zur Selbstbehandlung daheim erteilen. Sie erfüllen aber nur den Zweck, wenn der Arzt sie nicht nur in Form von Winken oder kurzen Andeutungen, sondern ganz exakt und eindringlich gibt. Gegegebenenfalls erforderliche Applikationsmethoden oder irgendwelche manuelle Betätigungen müssen nicht nur vorgezeigt, sondern sogar versuchsweise von den Patienten selbst in der Ordination vorgenommen werden, um die Richtigkeit der Ausführung zu überprüfen. Man kann auf diese Weise der Frau bei ihren alltäglichen kosmetischen Sorgen von zehn haben sie mindestens ebensoviele — mit vielem an die Hand gehen. Wer Frauen kennt, weiß, was sie zu wissen begehren: ob die Haut Waschungen verträgt, ob Wasser oder Seife gemieden werden soll, welche Seife zu verwenden wäre, ob Creme oder Puder angewendet werden darf, ob alkoholische Lösungen notwendig, ob Gesichtspackungen und Gesichtsdampfbäder ratsam, welche Diät eingehalten werden soll und noch viele andere ,,ob'' und „welche". Mein Prinzip ist eben folgendes: So wie auf allen Gebieten der Medizin auch dem Minder- und Unbemittelten Gelegenheit geboten ist, im Bedarfsfall der Errungenschaften der Wissenschaft teilhaftig zu werden, so muß auch hier in der Kosmetik der Arzt bestrebt sein, soweit es in seiner Macht steht, den wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Das von mir vorgeschlagene kosmetische Konsilium und die auf Grund genauer und gewissenhafter Erläuterungen nachher selbst durchgeführte Hauskosmetik dürften meiner Erfahrung nach diesen Anforderungen gerecht werden. -WMEMIEia KOSMiliMyM_ INSTITUT FÜR ÄRZTLICHE KOSMETIK WIEN VI., GETREIDEMARKT NR. 7 Telefon A 37-1-95 - Leiter: Facharzt Dr. Egon Karpelis Unverbindl. fachärztliche Beratung / Behandlung aller Teintfehler und Hautveränderungen. / Haarwuchsvernichtung, persönlich angepaßte Entfettungskuren, Verjüngungskuren Kosm. Operationen / Behandlungsabonnements / Kosm, Präparate, individ. nach Hautdiagnose 32

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