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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 31 (sequence 33)
Language
German
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en iina l Iparsana 1 i Wenn eine Frau anfangs Februar darüber nachdenkt, wann sie sich eigentlich das letzte neue Kleid angeschafft habe, dann kommt sie sicher zu dem Resultat, es sei im vorigen Jahre gewesen. Für den Oatten in seiner Pedanteric mögen es sechs odler acht Wochen sein. Sie sehnt sich jedenfalls nach irgend etwas Neuem. Jede Veränderung in der Kleidung gibt der Frau die Illusion, sie sei verjüngt, hebt ihre Stimmung und verjüngt sie dadurch tatsächlich. Nun will man aber aus Gründen der Sparsamkeit mit größeren Anschaffungen doch noch ein wenig zögern, weiß auch, daß die neuen Offenbarungen der Frühjahrsmode erst in den nächsten Wochen zu erwarten sind und begnügt sich also mit kleinen Veränderungen, die wenig kosten und auch viel Freude machen. Das sportliche Jerseykleid, das man schon seit dem Herbst viel trägt, bedarf einer Auffrischung. Eine Westt aus rotem oder topasgelbem Samt — je nach dem Grundton des Kleides — nach dem Muster unserer Zeichnung sieht sehr fesch aus und braucht wenig Material. Zu einem schwarzen oder dunkelblauen Stoffkleide ist weißer Pike sehr frisch und schon ein wenig frühlingshaft. Nach rückwärts führt nur der Kragen und ein schmaler Gürtel aus dem Material der Weste. Nach dem gleichen Schema kann auch ein älteres schlichtes schwarzes Seidenkleid durch so ein Westchen aus Metallstoff oder Velours sans peur zum eleganten Nachmittagsmodell umgewandelt werden, wenn man sich vor den Freundinnen mal anders zeigen will. Ein Modell, das in dieser oder ähnlicher Art im heurigen Winter häufig zu sehen war, ist als dritte Figur festgehalten. Im Verlauf des Aermelansatzes werden weitgeschnittene moderne Aerme] angeknöpft, die mit zwei zur Schleife verschlungenen Schalenden in Verbindung sind. Wenn man vom Material des Kleides nicht genug übrig hat, so kann durch eine geschmackvoll gewählte gemusterte Seide ein sehr hübscher, lebhafter Effekt erzielt werden. Der hochgeschlossenen Kleider dieses Winters, die häufig am Hals auch leicht drapiert waren, ist man auch schon ein wenig müde. Ohne den Charakter des Kleides ganz verändern zu müssen — denn eigentlich ist es ja noch modern — kann man sich eine Abwechslung im Aussehen verschaffen. Längs des Raglanschnittes wird das Kleid geöffnet, der dadurch entstehende, heruntergeklappte Latz bildet ein Dekollete, das man nach längerer Zeit wieder gern trägt. Man füttert den Latz mit heller Seide und kann ihn natürlich auch manchmal zum Hals heraufgeknöpft tragen. Der Austausch der Garnitur des Kleides ist auch ein beliebtes Erneuerungsmittel. Ein Barterl aus Crepe- Satin, das mit langen Schleifenenden um den Hals zu binden ist, die koketten kleinen Tüchlein, die man nur mit einem Clip befestigt, die schönen Samtkrawatten sind leicht zu erreichende Behelfe. Plastrons aus gemustertem Samt tun den gleichen Dienst und verdecken außerdem noch die Form des Halsausschnittes, wenn man sie entsprechend zuschneidet. Ein glockiger Doppelkragen, der abstechend gefüttert ist, kann von beiden Seiten getragen werden und zugleich kommt auch die jeweilige Kehrseite zur Geltung. Durch diese kleinen Künste gewinnen die Kleider, die uns ein wenig langweilig geworden waren, wieder an Interesse für uns und für die andern. Die hübscheste Belohnung für die aufgebrachte Mühe ist die erstaunte Frage des Mannes oder der Freundin: „Du hast doch schon wieder ein neues Kleid?" 31

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