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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 25

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Gegenteil! Sie sorgte dafür, daß aus den zerstörten Tempeln Portugals eine Anzahl Thorarollen nach Cochin käme, denn in Cochin lebten ziemlich viele Juden. Der Sohn des Obersten Richters in Lissabon lieh sich die Thorarollen mit 4000 Pardaos bezahlen. Nachdem das Geschäft gemacht war, meldete sich auch in Cochin die lJebersee-Inquisition. * * * Heimlich, bei Nacht und Nebel, sucht das Schiff der Lissaboner Marannenfamilie der Maria Nunnez Hörnern das Weite und — die Niederlande, wo eine neue Freiheit winkt. Auf See wird das jüdische Schiff von einem englischen gekapert. Der Kapitän verliebt sich in die Jüdin. Sie bleibt ihrem Stamme treu. Und darf neben der Königin Elisabeth, der dieser Stolz gefällt, im Galawagen durch London fahren. Das Judenschiff wird freigegeben. Nicht nur Amsterdam, die ganze Nordküste des Kontinents blüht auf. Eine Hamburger Urkunde aus dem Jahre 1848 bekennt, daß die dort eingewanderten portugiesischen Juden, die Verbindungen nach Holland, Spanien, Portugal und Indien mitgebracht hatten, „ansehnliche Hanthierung und Kaufmannsgewerbe in diese Stadt geführet und noch üben, insonderheit aber die höchst nötige Schiffahrt guethenteils erhalten und befördern." Der Hamburger Jude Paulo Melao läßt in Glückstadt ein Schiff bauen. Ein anderes fährt in Amsterdam der jüdische Kapitän Ribeiro. Juden spielen eine bedeutsame Rolle im Ueberseehandel Antwerpens. Doch hier hat schon wieder die Inquisition ihre Häscher. So siedelt die den Da Costas verwandte, vermutlich aus Oporto stammende Familie der Mendes von Antwerpen nach Venedig und Konstantinopel über. Bald blähen sich die Segel ihrer Schiffe in allen Levantehäfen. Der Türkensultan Suleiman belehnt Nassi Mende im Jahre 1654 mit Tiberias. Nass; schickt Aufrufe und — Schiffe aus: sie sollen die verfolgten Juden wieder nach Palästina bringen. Aber gleichzeitig mit Suleiman stirbt Nassis Zionismus, wenigstens soweit er palästinabelont ist. Da ihn Suleimans Nachfolger, Selim IL, zum „Herzog von Naxos und sämtlichen Cykladen im Aegäischen Meer" ernennt, lädt er die Juden und Maraunen zur Besiedlung von Naxos ein. * * * Das XIX. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Welthandels. Nicht mehr Seglerspitzen ziehen über die Meere, sondern schwarze Dampffahnen. In Kopenhagen, London, Newyork — überall arbeiten jüdische Reeder. Von Dänemark aus fährt die jüdische Firma Meyer & Simon nach Altona und Amsterdam. Israel Karl Wulf läßt eine „Lustyacht" laufen. Aron Lopez aus Newyork verfügt schon vor dem Unabhängigkeitskrieg über dreißig Schiffe. Den Mississippi schlagen die Schaufelräder der Dampfer der jüdischen Firma Blac & M c. C u n e. In algerischen Häfen laden und löschen die Schiffe „Belle Sarah", „Rachel", ,,Moise" und ,,Roi Salomon". Haddeys Broschüre ,,Le livre d'or des Israelites Algeriens" berichtet, daß sich die jüdisch-algerischen Reeder vielfach mit Erfolg bemühten, Sklaven algerischer Freibeuter loszukaufen. Endlich begegnen wir mit fortschreitender Emanzipation jüdischen Seeleuten, auch Offizieren, in den Kriegsflotten der meisten Staaten. Bei der amerikanischen Kriegsmarine brachte es Uriah P. Levy bis zum höchsten Rang des Commodore. Uriah P.Levy hat in der amerikanischen Kriegsmarine die Prügelstrafe abgeschafft. * * * Samuel Joel Ball in, ein Jude aus Horsens in Jütland, unterhielt in Billwärder bei Hamburg eine kleine Dekatierwerkstatt — Hn Unternehmen, in dem alten Anzügen der Speckglanz genommen wurde; später war er Auswanderer-Agent .... 1886 trat sein Sohn Albert Ballin als Leiter des gesamten Newyorker Passagegeschäftes in die Hamburg-Amerika- Linie ein. 1888 war er ihr Vorstandsmitglied. Bald darauf ihr Generaldirektor. Unter seiner Führung abgeschlossene Pool-Verträge beendeten den Konkurre.izkampf in der internationalen Schiffahrt. Die Seedampfertonnage der Hapag hat sich von 1886 bis 1914 verzwanzigfacht: sie wuchs von 65.000 auf 1,307.411 Bruttoregistertonnen; und die Zahl der von der Reederei gefahrenen Linien stieg in dieser Zeit von 4 auf 74. Der Krieg vernichtete Ballins Lebenswerk und i— dieses Leben glücklicher Arbeit selbst. Daß Ballins Pläne jenseits beruflicher Interessen sich sogar auf Palästina erstreckten, erzählt der vor etwa 2 Jahren verstorbene geniale Hamburger Arzt Hans AAuch in seinem Buch „Rings um Jerusalem": ,,... Von Palästina aus sollte unter deutscher Führung eine gediegene Tuberkulosesanierung der ganzei umliegenden Ländei eingeleitet werden." * * * Winter 1934 35. Erez Israel wächst, und Haifa wird Welthafen. An den Uferstraßen der Karmelstadt wehen die Fahnen jüdischer Reedereien. Wieder fahren Schiffe mit jüdischen Kapitänen, Steuermännern und Matrosen über die Meere. Eins der schönsten Schiffe heißt „Athid" — die Zukunft! ORIENTTEPPICHE Bettelheim & Jomek, Wien I., Rotenturmstraße Nr. 27 25

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