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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 26

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
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Et AI UROPAS DUHM Freitag, 15. Februar — 12. Adar I. Sabbatheingang: 5 Uhr 15 Alinuten, Sabbathausgang: 6 Uhr 15 Minuten. Wochenabschnitt: th'zaweh. Haftarah: atha wen Adam. Samstag, 17. Februar — 14. Adar I. Purim katan — Klein-Purim. In einem Schaltjahre wird der 14. Adar I. als Purim katan — Klein Purim bezeichnet, wogegen der 14. Adar II. als das eigentliche Purimfest gefeiert wird. Freitag, 22. Februar— IQ. Adar I. Sabbatheingang: 5 Uhr 30 Minuten, Sabbathausgang: 6 Uhr 30 Minuten. Wochenabschnitt: ki sissa. Haftarah: waj 'hi jamim rabbim. Freitag, 1. März — 26. Adar I. Sabbatheingang: 5 Uhr 40 Minuten, Sabbathausgang: 6 Uhr 40 Minuten. Wochenabschnitt: Wajakhel. Haftarah: ben schewa schanim. Verkündung des Neumondes. Neumond — Molad: Dienstag, 5. März — 30. Adar I. 5 Uhr 48 Minuten morgens. Dieser Sabbath führt den Namen „Schabbath sch'kalim." Nach Angaben der Mischna: Moed, Traktat: Sch'kalim, Kap. I wurden zur Zeit des Bestandes des Tempels am 1. Adar Boten in alle jüdischen Wohnsitze abgesandt, welchen die Pflicht oblag, die Juden zur Abgabe des „Schekels'', der die Ausgaben für die Tempelopfer zu decken hatte, aufzufordern. Es wird beim Morgen- (Schacha,rith-) und Mussaphgebet ein ganz spezielles Gebet eingeschaltet. Montag, 4. März — 29. Adar I. Jörn kippur katan. Dienstag, 5. März — 30. Adar I. Rosch Chodesch, 1. Tag. Mittwoch, 6. März — 1. Adar II. Rosch Chodesch, 2. Tag. Freitag, 8. März — 3. Adar II. Sabbatheingang: 5 Uhr 50 Minuten, Sabbathausgang: 6 Uhr 50 Moniten. Wochenabschnitt: P'kudei. Haftarah: watischlam ko! ham'lacha. Jüdische Seeschiffahrt In einem Monat wird sich ein für die jüdische Erneuerung bedeutungsvolles Ereignis vollziehen. Eine neue in jüdischen Händen befindliche Schiffahrtsgesellschaft stellt anfangs März 1935 ein modernst eingerichtetes 10.000-Tonnen- Schiff in den Dienst der Palästinareisenden. Das Schiff trägt den stolzen Namen der jüdischen Großstadt ,,Tel-Awiw" und versieht den Dienst von Triest nach der Hafenstadt Haifa, sodaß man in 41/j Tagen direkt nach Palästina gelangen kann. Der Dampfer führt nur eine Klasse in modernster, prächtiger Ausstattung. Selbstverständlich ist für rituelle Küche gesorgt: es befindet sich sogar ein eigener Betraum an Bord des Schiffes. Allen 400 Reisenden stehen auf dem Schiffe die vornehmen Gesellschaftsräume und sonstigen Annehmlichkeite'i in gleicher Weise zur Verfügung. Die Palesttne Shipping Co. Ltd. in Haifa bildet jüdische Seeleute aus, um einen wirklich jüdischen Schifffahrt dienst zu ermöglichen. Diese Tatsache, die wir unseren Lesern zur Kenntnis bringen können, bedeutet einen überaus wichtigen Fortschritt in der Erneuerungsbewegung und wird überall, wo Juden leben und wo man jüdischen Bestrebungen freundschaftlich gegenübersteht, den gebührenden Widerhall finden Geschenke nach allen Orten der Sowjet-Union Bei der Unions-Vereinigung für den Handel mit Ausländern auf dem Gebiete der UdSSR. „Torgsin" ist eine Verwaltung für Devisen- und Versandoperationen gebildet worden, deren Aufgabe es ist, alle in der UdSSR, lebenden Personen, gegen aus dem Auslande überwiesenes Geld, mit Lebensmitteln, allgemeinen Konsumartikeln, Hausgerät, Wirtschaftsinventar, Sportartikeln usw. zu beliefern. Um Lebensmittel und andere Waren in den Geschäften des Torgsin zu erhalten, muß an die Bank eine entsprechende Summe für Torgsin überwiesen werden, mit Angabe des Familien- und Vornamens des Empfängers der Ueberweisung und seiner genauen Adresse. Unmittelbar nach Erhalt der Verständigung der Bank über die Einzahlung von ausländischem Geld teilt Torgsin dem Empfänger die Adresse seiner Geschäfte mit, wo dem Empfänger nach eigener Wahl gemäß den aufliegenden Preislisten oder auf Grund vorheriger Angaben des Absenders der Geldüberweisung ohne irgendwelche Preiserhöhung Waren ausgehändigt werden. Anzahl und Summe der an eine Person gerichteten Ueberweisungen sind unbeschränkt. Auf Wunsch des Empfängers der Ueberweisung kann ihm ein Konto eröffnet werden mit dem Recht des sukzessiven Bezuges von Waren. Torgsin garantiert umgehende und genaue Ausführung der Bestellungen. „DIE INSEL" Diese neue Kleinkunstbühne des „Bundes jüdischer Frontsoldaten (Bezirksgruppe Landstraße) hat bereits mit ihrer ersten Veranstaltung einen großen Publikumserfolg erzielt, der durchaus verdient war. Unter der Leitung unseres Mitarbeiters Leopold Baum und seines Stellvertreters Maurus Buchsbaum wurde in wochenlanger Arbeit mit einem zum Teil aus deutschen Emigranten sich zusammensetzenden Ensemble ein neuer Kabarettypus geschaffen, der nicht bloß unterhalten, sondern auch unaufdringlich belehren will, in vornehmer Weise die Tendenzen des B. J.F. zum Ausdruck bringt und darüber hinaus zu allgemeinen weltanschaulichen Fragen Stellung nimmt. Hervorzuheben sind vor allem die einwandfreien Leistungen der darstellenden Künstler: der Regisseure Paul S i g n e r (dieser auch ein witziger Conferencier) und Rudolf B e r g I, beide gediegene Charakterdarsteller und der übrigen Mitglieder der Schauspielergemeinschaft: Gerda Landers, Steffi Mann, Ina Mare, Otto Presser, Schlesinger und W i d r i c h. Aus dem reichhaltigen Programm seien besonders erwähnt die „Legende von den Schaubroten" von Alfred Werner, die scharfe Satire auf die nationaldeutschen Juden: „Naumanns wilde verwegene Schar" von Konrad Visser und das wirksame Chanson „Der kleine Jud'" von iJosef Epstein. Das junge Kabarett bedürfte allerdings eines Dramaturgen., der einzelne Längen auszumerzen und gewisse Geschmacklosigkeiten, darunter das Ueberwuchern der Jargonausdrücke, zu vermeiden wüßte. Auch wollen wir hoffen, daß diese neue Kleinkunstbühne sich weiterhin neben dem heiteren Genre der Pflege ernster Kunst widmen wird. 26

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