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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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zeichen sind an diesem Gebäude aber ebenfalls nicht zu bemerken. Eine ganz eigene Bewandtnis hat es mit einem Gebäude in Kuhn rin g (bei Eggenburg), bei dessen Würdigung wir am besten einer sicherlich unvoreingenommenen Quelle, nämlich den „Geschichtlichen Beilagen zu den Konsistorialkurrenden der Diözese St. Pölten" folgen, die sagt: „In Kuhnring ist auch ein Haus, jetzt ein Bauernhaus, von eigentümlicher Bauart und mit großen Kellerräumcn zu sehen, welcher der „Judentempel" heißt, und es gibt dort auch eine Feldried, die „Judenfreithof" genannt wird. Daran knüpft sich die Ueberlieferung, daß die Juden aus weiterer Umgebung hier ihren Gottesdienst gehalten, zu Zeiten der Verfolgung in den großen, massiv gebauten Kellerräumen sich und ihre Habseligkeiten in Sicherheit gebracht und auf dem bestandenen Friedhof ihre Toten beerdigt haben... Es mag also die Tradition vom einem in Kuhn ring bestandenen Judentempel und Judenfriedhof immerhin dem wahren Sachverhalte entsprechen." Kuhnring liegt kaum eine halbe Stunde von Eggenburg entfernt, wo vom 14. bis zum 16. Jahrhundert Juden nachweisbar sind, die in Kuhnring Synagoge und Begräbnisplatz besessen haben mochten. Auch in Lang e nlois waren Juden schon im 13. Jahrhundert angesiedelt. Die im Hause Nr. 241 (jetzt Gasthaus „zur weißen Rose") befindliche Syna. goge stammt aber wahrscheinlich nicht aus dieser ersten Periode der jüdischen Siedlung in diesem be. deutenden Orte, der zu den „mitleidenden Märkten", das heißt zu den Märkten, die den landesfürstlichen Städten in ihren Abgaben gleichgestellt waren, ge. hörte, sondern aus der bis zum Jahre 1671 reichenden zweiten Ansiedlung. Zu dieser Zeit, während welcher die jetzige Rudolfsgasse die Judengasse bildete, waren in Langentals die führenden Familien der niederöstetreichischem Landjudenschaft ansässig, die auch im Geistesleben ihrer Zeit sowohl schöpferisch als auch als Mäzene eine geachtete Stellung ein. nahmen. In den Akten des Hofkammerarchivs finden Das „Kriminal", die ehemalige Synagoge von Nieder-Ähsdorf sich Schriftstücke, aus denen die Betätigung von Juden aus Langenlois im Handel mit Wein, also gerade mit jenem Artikel hervorgeht, dem Langenlois immer seine Blüte verdankte. Juden aus Langenlois waren es dann auch, die nach ihrer erzwungenen Auswanderung hal. fen, den Grund zur zweiten Berliner Judengemeinde zu legen und diese neue Heimat zu Ansehen und Blüte zu bringen, während ihre österreichische Heimat nicht mehr den Rang behaupten konnte, den sie im 17. Jahrhundert eingenommen hatte. A eh n lieh wie Hain bürg a. d. Donau besaß auch M a r c h e g g, die zweite Grenzfestung gegen ungarische Einfälle, schon im 14. und 15. Jahrhundert eine ansehnliche Judengemeinde. Die Synagoge je. doch, die sich in dem sogenannten „Servushaus" be. fand und um die sich zwischen der Schmalzgasse und dem Wienertor das Judenviertel erstreckte, dürfte eher der im Jahre 1496 begonnenen zweiten Juden. Siedlung angehören. In diesem Jahre gestattete Maxi. Langenlois, ehemalige Synagoge 17

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