Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 15 (Februar 1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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David: Nur, solang du Zu tausend schweren Pflichten seihst dich wählst - Bereit, dich hinzugeben, wenn es ruft Solang: „Erwählt!" — Und keinen Atem länger. Ruth, Davids Urahne, meint: ,,Er ist erwählt!" So wird er einmal klagen: „Wo blieb der Segen, welches Glück ward mein?!" Lall dann ihn ahnen: Ueber allen Segen Thront noch ein Segen: andern Segen sein!-' Welcher Segen? Wozu ist das jüdische Volk auserwählt? Vielleicht liegt in der Antwort Jaakobs eine Antwort: „Nicht — Jaakob!" Nieder Zu euch steigt, der mit Gott rang, Jisro-El!" „Langsam" und „spärlich produzierend" nennen ihn oft Kritiker. Das stimmt! Beer-Hofmann gehört nicht zu der Dichtergruppe, die heute einen klingenden Bühnennamen haben und die jährlich „Drillinge" oder „Fünflinge" gebären. Diese Drillinge sind zwar im Augenblicke Sehenswürdigkeiten. Aber manche sterben schon als Kinder, nur wenige erreichen ein hohes Alter und meist sind sie gewöhnliche Durchschnittsktnder, Beer-Hofmanns Werke, gerade weil sie spärlich sind, haben eine feste Hülle, in welcher die schöpferischen Gestalten als ewige Verkünder vergangener und kommender Zeiten den Menschen immer viel zu sagen haben werden. Manche, die heute im Burgtheater oder anderswo aufgeführt werden, werden vielleicht ,,gelobt werden, ob aber auch gelesen?" Beer-Hofmann ist einer von den nicht allzuvielen Dichtern, die stets gelesen und in besseren Zeiten, denn ewig wird der Kampf der Rassen nicht dauern, aufgeführt werden. Generationen werden vergehen, die Literatur wird neue Wege einschlagen, das Drama eine neue Form erhalten und so manches wird verschwinden oder vergessen werden. Beer-Hofmanns Dramen werden bleiben. Und an den Gymnasien, sei es in Tel Aviv oder in London, werden die Mittelschüler sich in „Jaakobs Traum" vertiefen, an den Universitäten, sei es am Skopusberge oder in Paris, werden die Hochschüler die Vorlesungen über die „Historie von König David" hören. — Ihre Aufführung wird einmal wie eine sich stets erneuernde Offenbarung auf ein dankbares dauerndes Publikum wirken. Dr. Leopold Moses: Niederösterreichische Synagogen aus dem 16« und 17. Jahrhundert Es darf heute als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, daß nach der Aufhebung der Judenstadt „im unteren Werd", der heutigen Leopoldstadt in Wien, im Jahre 1070 die eine der zwei damjals bestandenen Synagogen in die noch heute bestehende Leopoldski r che umgewandelt wurde. Dieser Umwandlung ist es zu verdanken, daß ihr das Schicksal ihrer Schwester, der „Alten Synagoge" in dei heutigen Großen Pfarrgasse 12 erspart blieb, die schon längst in Um- und Neubauten untergegangen ist. Auf dem flachen Lande in Niederösterreich haben sich aber - und dies dürfte weniger allgemein bekannt sein - aus derselben Zeit noch eine ganze Reihe von Synagogenbauteil oder wenigstens Resten solcher Bauten erhalten, die, abgesehen von den an anderer Stelle bereits behandelte1;! Gebäuden dieser Art ehrwürdige Zeugen der nicht zu gering anzuschlagenden Vergangenheit der Juden in diesem Lande darstellen. Zunächst ist aus dieser Zeit die Synagoge in N i ed e r-Absdo r f bei Zistersdorf bemerkensw ert. Sie befand sich in dem Gebäude, das später als herrschaftliches „Kriminal" diente, und bildete das bescheidene Bethaus der in der noch heute als Judengasse bezeichneten unteren Dorfgasse wohnenden Judenfamilien, deren Anzahl ein Verzeichnis des Hofkam merarchivs aus dem Jahre 1652 mit sechs angibt. Im Jahre loo<J, also kurz vor der Vertreibung, erscheinen zehn Judenfamilien in Nieder-Absdorf, was verhältnismäßig eine ganz beträchtliche Zahl darstellt. Ein anderer um nichts bedeutenderer Ort, das durch seinen Wein bekannte Bockfließ, beherbergte zur selben Zeit sechzehn Judenfamilien und noch heute ist dort eine abseits von der Ortsstraße gelegene Gruppe von sechzehn Häuschen, die in platzartiger Anordnung stehen, als die „Judenstadt" bekannt. Im Mittelpunkte dieses Platzes steht die kleine Synagoge, ein schmuckloses Gebäude, das gegenwärtig den Klenihäuslern der Umgebung als Backofen dient. Ganz anders dagegen ist das Gebäude geartet, das in Ebenfu rt als die ehemalige Synagoge bezeichnet wird. Es ist das Häusehen des Schuhmachers Mayer auf dem Annapiatz in der Mitte des Judenviertels von Ebenfurt; mehr als einen niedrigen gewölbten Raum, wie ihn auch unzählige andere alte Häuser enthalten, weist es jedoch nicht auf. Daß abe: in Ebenfurt bis zum Jahre 1071 vierundzwanzig jüdische Familien wohnten, geht aus derselben Quelle hervor, die uns auch über Bockfließ und Nieder-Absdorf Auskunft gegeben hatte. Auch in Gob eis bürg (am Kamp), wo sich eine ansehnliche Judengemeinde befand, wird das Haus Nr. () als ehemalige Synagoge bezeichnet; besondere Anhaltspunkte oder Kenn- 16