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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 18

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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Ehemalige Synagoge in Tribuswinket milian 1. nämlich eleu aus Wr. Neustadt vertriebenen Juden die Ansiedlung in Marchegg, wo seit 1421, dem Jahre der „Wiener Geserah", keine Juden gewohnt haben dürften. Und im Jahre 14Q8 spricht ein im Stadtarchiv zu Wr. Neustadt erhaltener Befehl sogar von der Gründung eines Judenspitals in March, egg, das somit als Nachfolger des in Wr. Neustadt gegenüber der Synagoge (Allerheiligenplatz) bestandenen Judenspitals anzusehen wäre. Einei der schönstgelegenen Orte in der Wachau isl S c h ö n b ü Ii e 1 bei Melk. Es ist einer der w enigen Orte des Viertels ober dem Wienerwald, in denen im 17. Jahrhundert nachweislich Juden wohnten, und außer hebräischen Grabsteinen gibt es dort sogar zwei alte Häuser, die der Volksniund als die ehemaligen Synagogen bezeichnet. Wahrscheinlich handelt es sich, dabei aber um ehemalige Judenhäuser, in denen gelegentlich auch gottesdienstliche Zusammenkünfte stattfanden, und kaum um wirkliche Synagogen. An. ders liegt die Sache dagegen in dem i'i unmittelbarer Nachbarschaft des Weltkurortes Baden liegenden Tiribuswinkel. Wahrscheinlich war es gerade diese Nachbarschaft, die dazu beitrug, daß sich im 17. Jahrhundert in Tribuswinkel eine aus 14 Familien bestehende, verhältnismäßig also ganz anselmliche Judengemeinde befand. Die Synagoge lag im Sengerhof, der ursprünglich von der Familie der „Rauber, Brenner und Senger" seinen Namen hatte, später aber zusammen mit der anschließenden Wassergasse das Judenviertel bildete. In überaus dankenswerter Weise hat vor einigen Jahren Lehrer Florian H e r m a n n sein Interesse für Denkmalpflege auch an diesem Ob. jekt dadurch bekundet, daß er am Sengerhof den für Synagogen charakteristischen Davidschikl nebst der Jahreszahl der Erwähnung der Juden in einem Urbar der Herrschaft Tribuswinkel anbringen ließ. In Waidhofen a. d. Thaya wurde nach der Ausweisung der Juden (1671) die ,,Judenschule" in eine herrschaftliche Taverne umgew andelt. Das Haus trägt gegenwärtig die Kouskr..Nr. 50 in der Vorstadt Niedertal und im Grundbuch der Herrschaft Waidhofen (Bezirksgericht Waidhofen a. d. Thava), Fo. 28-1 findet sich noch unter Hinweis auf Fo. 200 eines älteren Grundbuches die Eintragung: „Ein halbes Tag. werk Acker, gegen der Judenschule beim Fahrtweg, das Hopfengartl genannt", und ebendort Fo. 182 (zu Konskr.-Nr. 56, Niedertal): „Zehentes Haus, welches vorhin eine Judc.ischulle war, mit einem Obstgarten (Fo. 132 lies alten Grundbuches)". Im Jahre 1750 waren Joseph und Katharina Adensam Besitzer, spä. ter Wessely und gegenwärtig Anton Weissensteiner. Auch in O b e r.W a 11 e r s d o r f bei Baden, wo der bereits mehrmals zitierten Quelle im Hofkammer, archh zufolge im Jahre 1052 zehn Judenfamilien au. sä&i-'i'{. waren, soll sich da, wo jetzt das Gasthaus Bammer steht, eine Synagoge befunden haben. Ebensogut erhalten aber wie die schon besprochene Synagoge von Bockfließ, jedoch eindrucksvoller und würdiger noch als alle bisher erwähnten Synagogen aus neuerei' Zeit, die wir in Niederösterreich kennen, ist die von Wolfstal (bei Hamburg a. d. Donau). Auch in diesem Orte wohnten unter der Herrschaft der Freiherren von Walterskirchen i m 17. Jahrhundert zehn bis dreizehn Judenfamilien, deren Häuser am Ausgange des Ortes noch heute bestehen, und im Hofe des Försterhauses, in dessen Keller noch das Judenbad erhalten ist, erhebt sich die ehemalige Synagoge, deren romanischer Stil den durch seine gegenwärtige Verwendung als Holzschuppen nicht zu beeinträchtigende Charakter dieses Sakralbaues noch 'immer verrät. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die hier besprochenen Synagogenbauten aus dem 10. bis 17. Jahrhundert, wenn man etwa von dem zuletzt Genannten in Wolfstal absieht, in architektonischer Hin. sieht fast nichts aufweisen, was sie irgendwie aus ihrer Umgebung hervorstechen ließe. Vielleicht wird einmal von berufener kunsthistorischer Seite eine eingehendere Untersuchung in dieser Richtung erfolgen; der Historiker hat andere Gesichtspunkte im Auge. Es steht aber fest, daß diese Gebäude ebenso wie die Menschen, die sie einst errichtet und benützt hatten, sich voll und ganz im den Rahmen des Milieus einfügten, an dem sie Anteil nahmen in Leid und Freud. Erst dem IQ. Jahrhundert blieb es vorbehalten, in den Synagogeubauten Niederösterreichs (und nicht nur in diesen) einen oft ganz und gar nicht in das Bild der Landschaft passenden Stil zu pflegen, bis das 20. Jahrhundert auch hier wieder Umkehr zur Natur und zur Einfachheit in die Wege leitete. 18

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