Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 15 (Februar 1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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„Historie vom König David" sind Gestalten der Weltliteratur. Beer-Hofmann hat Menschentypen, wie es eben nur große Dichter imstande sind, geschaffen. Der rote Itzik, hervorgegangen aus der Typenreihe von Shakespeares Shylock und Lessings Nathan, Saul, der bis heute in der Geschichte und im Drama verzerrt und unrein dargestellt worden war und den Beer-Hofmann vielleicht zum ersten Male gerecht und ehrlich behandelt hatte, alle seine Helden erhalten einen neuen Inhalt, eine neue Lebensform und Wesensart. Sie, die biblischen Helden, lebten vor 3000 Jahren und mit der Zeit hatte man sich daran gewöhnt, sie verschiedenartig aufzufassen. Beer-Hofmann gelang es, sie so darzustellen, wie sie einfach wirklich gewesen sein müssen. Menschlich und religiös machte er sie für die Jetztzeit begreiflich. Als Dichter ist Beer-Hofmann ein Vermittler zwischen den Gestalten seiner Visionen und der Gegenwart. Er malt die Personen seiner Erscheinungen und teilt sie uns mit. Und wenn man seine Dramen liest, kann man sich diese biblischen Helden gar nicht mehr anders denken oder vorstellen. Seine Sprache ist eigenartig und man meint jeden Satz als die Sprache Beer-Hofma.nns zu erkennen. Sie ist farbenreich, voll Ideen, flüssig und doch gewählt. Hingeworfene nutzlose Sätze sind ihm fremd, jeder Satz muß in sein Werk hineinpassen, wie jeder Stein bei einem vollendeten Bau. Und jeder Satz ist ein Sprichwort und jedes Sprichwort ist ideenreich und doch natürlich. Die Feinheit der Form und der tiefe Inhalt wirken zusammen. Beer-Hofmann wählt und reinigt seine Worte wie ein geübter Meister, der sein Fach versteht und dessen Meisterhand eine glückliche Form kennt. Einen Vers aus tausenden, eine Strophe aus hunderten — mit Leichtigkeit kann man Beer-Hofmanns Strophen und Verse erkennen. Wie etwa: J a a k o b: So heißt „erwählt": Traumlosen Schlaf nicht kenne.1, Gesichte nachts und Stimmen ringsum tags! aifi-s' ,.,"s,a,ir1( o^a-v Schifra Baraks (Habimah) als Rebekka in „Jaakobs Traum' Bin ich erwählt?! Dazu erwählt, daß alles, Dem Leid geschieht, mich ruft, mich heischt, mir klagt? Daß selbst der Blick des Tiers, das stumm verendet, Mich fragt: „Warum?" Das Erwähltsein spielt gerade in der Trilogie zur „Historie von König David" eine große Rolle. Beer- Hofmann ringt mit sich. Nalium Zemach (Habimah) als Edom in „Jaakobs Traum' 15