Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 15 (Februar 1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundfrage an unsere Leser und Freunde! Im Anschlüsse an die im Leitaufsatze mitgeteilte Diskussion stellen wir unseren Lesern und Freunden anregungsweise einige Fragen, die vollkommen freimütig und ernst besprochen werden sollten: 1. Halten Sie es für wünschenswert, daß Juden sich bemühen, durch zwanglose Aussprachen freimütiger Art mit ähnlich gesinnten Nichtjuden ein besseres wechselseitiges Kennenlernen und Verstehen anzubahnen, wo dies angezeigt und möglich erscheint? 2. Halten Sie es für möglich, daß bei solchen Bemühungen jeder Versuch einer religiösen Bekehrung {Taufpropaganda) grundsätzlich und auch wirklich unterlassen wird? 3. Sind Sie der Ansicht, daß wir Juden im Verkehre mit unserer nichtjüdischen Umwelt zu viel oder zu wenig Selbstvertrauen in unsere Lebenskraft und Eigenart besitzen oder zur Schau tragen? 4. Halten Sie es für möglich und wünschenswert, daß auch während der weithin herrschenden Arbeitslosigkeit zielbewußte Bemühungen einsetzen sollten, den Juden Berufsmöglichkeiten zu erschließen, die ihnen bisher verschlossen geblieben sind? 5. Halten Sie es für möglich und wünschenswert, daß solche Bemühungen ungeachtet der ansonsten berechtigten parteimäßigen Verschiedenartigkeit der Einstellung des Einzelnen gemeinsam erfolgen? 6. Sind Sie der Ansicht, daß ein reicheres und tieferes Wissen um jüdische Vergangenheit und jüdische Lehre zu einer Stärkung des jüdischen Selbstvertrauens, zu einer Kräftigung unseres Freimutes in unserem Auftreten und Streben als Juden maßgebend beitragen könnte? Wir werden mit Freuden bereit sein, Äußerungen unserer Leser und Freunde zu den in diesen Fragen angeregten Themen im Wiener Jüdischen Familienblatt zu veröffentlichen, soferne sie vornehm in der Form und beachtlich im Inhalte sein sollten, ohne Rücksicht darauf, zu welchen Schlüssen der Einsender gelangt. Die Zuschriften müssen mit vollem Namen und Anschrift des Einsenders versehen sein und die Ermächtigung enthalten, — da wir sie sonst als stillschweigend erteilt ansehen müßten — die eventuelle Veröffentlichung mit der Namensnennung des Einsenders vorzunehmen. Die Entscheidung über die Veröffentlichung und die eventuelle Kürzung derselben behält sich die Redaktion vor, wobei sie jederzeit bereit sein wird, auf Wunsch des Einsenders oder auch aus eigenem Antrieb mit dem Einsender diesbezüglich Fühlung zu nehmen. Die Einsendung kann selbstverständlich auch von jeder uns Juden gutgesinnten nichtjüdischen Seite erfolgen, auch wenn sie eine freimütige kritische Stellungnahme uns Juden gegenüber enthalten sollte. Aus solchen Einsendungen soll hervorgehen, daß der Einsender Nichtjude ist, damit die Äußerung zutreffend verstanden werden kann. Unser Motto: Allezeit Alles für unser Judentum und für eine glücklichere Zukunft freier, geachteter, selbstbewußter und kerngesunder Juden! Die Redaktion des »Wiener Jüdischen Familienblattes«, Wien I., Petersplatz 7 Telephonische Anfragen, auch wegen Vorsprachen, bei unserer Redaktion: U 21-0-17, von 9—1 und 3 — 6 Uhr. mit Ausnahme von Samstagen, Sonntagen und Feiertagen 5