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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-02-01 · 15 (Februar 1935) · p. Seite 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
15 (Februar 1935)
Date
1935-02-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Univ.-Prof. Dr. Max E i s I e r: Rembrandt und Israels:_ David spielt vor König Saul Dreimal ist im ersten Buche Samuels vom Saitenspiel Davids, das Saul erheitern soll, die Rede. Ein böser, düsterer Geist war über den König gekommen, ihn aufzuhellen, wird, von den Schafen weg, der Sohn Isais gerufen - ein rüstiger Jüngling, streitbar, verständig und schön. Der Herr ist mit ihm. Er trägt dem König die Waffen und verscheucht mit der Harfe die Wolke des Unmuts von der Stirn des Heimgesuchten. Aber das gute Verhältnis dauert nicht lange. Nach dem Sieg über die Philister singen die Frauen: Saul hat tausend geschlagen, David aber zehntausend! Da sieht Saul David finster an. Am nächsten Tage überfällt ihn der böse (ieist wieder und während David spielt, nimmt Saul den Speer und wirft ihn nach dem Jüngling, um ihn an die Wand zu spießen. Doch David weicht aus. Seither ist er in Gegenwart des Königs seines Lebens nicht mehr sicher. Die Liebe Jonathans, des Königssohnes, gefährdet ihn noch mehr. Wiederum spielt er vor dem König, wiederum versucht Saul ihn durch einen Speerwurf zu töten. Da flieht David vom Königshof. Auf dliesen Berichten des Buches beruhen die beiden ungleichen Bilder von Rembrandt und Josef Israels. Rembrandt zeigt Saul und David im Hause. Ein dunkler Raum, den das Licht durchkämpft. Mit breitem Glanz fällt es auf den König, der links auf erhöhtem Sitze thront, dämmernd umschwebt es den andern, der - - ganz Ohr, ganz Seele — den Krauskopf der Harfe zukehrt, versunken im melodischen Getön. Der Mann im Prachtmantel und Turban, früh gealtert, mit dem bärtigen, verhärmten Gesicht und den tiefliegenden unruhigen Augen, mag der Vorstellung entsprechen, die wir von König Saul in diesem seinem unseligen Zustand haben: ein Mann, schwankend zwischen blindem Zorn und Erschütterung, ein Abgrund widerstreitender Leidenschaften. Aber der Harfenspieler weder rüstig noch schön. Dies ist nicht der hochgemute Jüngling, der vor die Reihen der Krieger Israels treten wird, um sich, die Schleuder in der Hand, dem plump tobenden Riesen zu stellen. Ein ungefüger Knabe, versponnen noch im Gefühl, in der fromm treibenden Kraft seiner Sinne, die der erkennende Geist noch nicht erhellt, der zielsichere Wille noch nicht beherrscht. Aber eben damit, mit seinem von allem Höfischen, von Glanz und Tücke unberührtem Wesen, das sich in Demut, Hingabe und Gläubigkeit erschöpft, zeigt er den Augenblick der Geschichte, an den Rembrandt sich hält. Es ist die erste Stelle im Buche Samuel. Der junge Hirt ist soeben erst an den Hof gekommen. Nun spielt er, vielleicht zum erstenmal, vor Saul. Den Hörer bewegt kein Mißtrauen, geschweige denn schon tötlicher Haß gegen den ahnungslosen Sänger. Im tiefsten aufgewühlt, beklagt er nur das eigene ungünstige Schicksal, erkennt seine Ohnmacht. Und in diesem Gefühl greift er nach dem roten Vorhang, um sich aus dem Aug' eine Träne zu wischen. Ein König bricht zusammen, ein alter, beladener, erbarmenswerter Mensch kommt aus der prächtigen Umhüllung hervor. Neben ihm ruht der Speer. Noch schläft der Trieb, der ihn heißen wird, die Waffe gegen den Sänger zu werfen. Anders die Darstellung bei Israels. Sie macht sich schon in der Szene frei von der Ueberlieferung. Denn sie öffnet das Gemach des Königs gegen ein weitschweifendes, wüstes Bergland unterm Nachthimmel, das ein bleicher Mond beleuchtet. Vorn ruht auf breitem Lager, das Haupt auf die Rechte gestützt, 6 Rembrandt

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