Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 14 (Jänner 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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Sportnachrichten aus aller Welt Makkabi Boxmeister von Warschau. Unter ungeheurem Interesse der polnischen Sportkreise wurde in Warschau der Meisterschaftskampf zwischen der Boxmannschaft des jüdischen Sportklubs Makkabi und der polnischen Boxmannschaft ,.Skoda'' ausgetragen. Obwohl in der „Skoda" einige bekannte polnische Meister mitwirkten, gelang es dem Makkabi, die „Skoda" mit 9 : 7 zu schlagen und den Warschauer Meistertitel an sich zu bringen. Auf der Seite des Makkabi zeichnete sich besonders Bauding aus. Makkabi wird sich demnächst an den Kämpfen um die Meisterschaft von Polen beteiligen. Schwimmsport in der Tschechoslowakei. Im Jahre 1930 gelang es dem besten Schwimmer des Vereines, Franz Getreuer, die tschechische Meisterschaft über 200, 400 und 1500 Meter und der 4 X 200-Meter- Staffel den Meistertitel zu erringen. Im Jahre 1931 wurde der Verein erstmalig Staatsmeister. Bei keinem internationalen Schwimmen fehlte der Magen David der jüdischen Schwimmer der Tschechoslowakei, die nun neben dem H a g ibor Prag auch zwei recht gute Schwestervereine in dem Brünner und Preßburger Bar Kochba hatten. Und als Dr. Steiner in der Europameisterschaft Dritter und Getreuer in allerschwerster Konkurrenz Vierter wurde, staunte man und bewunderte die jüdischen Schwimmer. Auch in den folgenden Jahren wurde die Staatsmeisterschaft im Schwimmen in überlegener Manier gewonnen, und auch im Jahre 1934 wurde Hagibor wieder Staatsmeister. Ein Vertreter der jungen Hagiborgarde, Abeles, belegte bei den S t udentenmeisterschaften in Turin einen zweiten Platz. Boxen: Makkabi schlägt Sportklub 9 : 5. Die Boxsektion des Ersten Wiener jüdischen Turnvereines Makkabi konnte bei ihrem ersten Klubkampf gegen die Mannschaft des Wiener Sportklubs einen schönen Erfolg erzielen. Im gut besuchten Festsaa! des „Bayrischen Hofes" konnten die Makkabi-Boxer letzten Dienstag von den vereinbarten sieben Kämpfen vier gewinnen, ein Kampf endete unentschieden und nur zwei gingen verloren. Die Ergebnisse: Im Fliegengewicht siegte Schlänger, Makkabi (österreichischer Meister), gegen Leeb, Sportklub, der sich während des ganzen Kampfes auf der Flucht vor seinem übermächtigen Gegner befand. Federgewicht: Leisenberger, Sportklub, schlägt Pfeffer, Makkabi; Exmeister von Osterreich Lindenheim, Makkabi, der seit langem das erstemal wieder im Ring steht, schlägt im schönsten Kampf des Abends den besten Sportklubmann Korber. Leichtgewicht: Hofbauer, Makkabi, schlägt Guggelberger, Sportklub. Weltergewicht: Hans, Makkabi, schlägt Stehlik, Sportklub. Mittelgewicht: Dowhan, Sportklub, schlägt Groß, Makkabi, und Kammerer, Sportklub, kämpft mit Blau, Makkabi, unentschieden. Einige Rahmenkämpfe vervollständigten das Programm. 20 Jahre JSK „Hagibor" Prag. Der JSK. „Hagibor", Prag, beging am 12. Dezember die Feier seines 20jährigen Bestandes durch eine festliche Generalversammlung in den Räumen des „Autoclubs", zu der sich über 200 Gäste eingefunden hatten. Das Präsidium der Generalversammlung bildeten außer dem Klubobmann Dr. Franz Friedmann, der die Feier leitete, die Herren Direktor Auerbach, Ing. Grünhut, Löwy und Winter. Die Feier wurde mit den Staatshymnen eingeleitet, worauf Dr. Fiiedmann die Festrede hielt, in der er auf die tiefe Verbundenheit des „Hagibor" mit der Geschichte der Makkabäer hinwies. Dr. Lagus versuchte hierauf, in großen Zügen die Entwicklung des „Hagibor", der, aus allerkleinsten Anfängen im Jahre 1914 entstanden, über alle Schwierigkeiten der Kriegsjahre hinweg sich zu einem großen Klub entwickelte, zu schildern. Er würdigte die sportliche Arbeit der einzelnen Sektionen, die auch, wie die Hockey-, Schwimm- und Leichtathletiksektion, viel zur ehrenvollen Vertretung der Republik im In- und Auslande beitrugen, und schloß seine Ausführungen mit dem Hinweis auf die immer weitergehende Entwicklung des Klubs, der auch gegenwärtig aus kleinsten Mitteln Neues schafft. Nach dieser Rede überbrachte als erster Major P u r k y t in Vertretung des Garnisonskommandanten dem jubilierenden Klub seine Glückwünsche. Redakteur Zdenek übergab dem Klub im Namen der tschechoslowakischen Leichtathletik-Union den von der Leichtathletiksektion durch ihren Aufstieg in die erste Prager Klasse gewonnenen Silberpokal. Artur Herzog beglückwünschte den Klub im Namen des Makkabi-Weltverbandes und des tschechoslowakischen Kreises, weiters begrüßten die Versammlung die Vertreter zahlreicher Sportverbände, Vereine und Studentenvereinigungen. Zum Schluß ergriff Abgeordneter Dr. G o I d s t e i n das Wort, um zu Optimismus und Einigkeit zu mahnen. Anläßlich des Jubiläums wurde einer Reihe von Mitgliedern die Ehrenmitgliedschaft ve liehen. Es sind das: Direktor Auerbach, Kommerzialrat Berg, Oberdirektor Berka, O. Brückner, O. Busch, Dr. Fleischner, Ing. Flusser, Fuchs-Robetin, A.Glaser, Ing. Grünhut, A. Heller, J. Karpeles, Direktor Knöpfelmacher, Direktor Kohn, Dr. Kolman, Rat Rosenberg, H. Mahler, Kommerzialrat Sachs, Handelsrat Scheller, Generaldirektor Steiner, H. Steiner, Dr. Stern, P. Weigl. Weiters wurde beschlossen, dem Präsidenten der Republik ein Begrüßungstelegramm zu schicken, und den beiden Oliympioniken des „Hagibor", Ing. Engel und Heks, zum Andenken Kunstgegenstände zu widmen. Mit der Hatikwah wurde die Feier geschlossen. Der feierliche Rahmen der Festversammlung wurde betont durch die Anwesenheit einer Reihe von Persönlichkeiten des zionistischen Lebens und der Vertreter der politischen Behörden und Sportverbände, so Major Purkyt für die Prager Garnison, Sektionsrat Dr. B u r e s für das Gesundheitsministerium, Dr. Löwy für die Prager Kultusgemeinde, Ingenieur Zucker für den Klub der jüdischen Abgeordneten, Abgeordneter Dr. Reiß für Makkabäa Bratislava u. v. a. Begrüßungsschreiben iagen vor vom Nationalverteidigungsministerium, Gesundheitsministerium, dem Präsidium des Abgeordnetenhauses sowie von vielen jüdischen und nichtjüdischen Sportvereinen. Chanukka-Feier im Jüdischen Sportheim Keilberg. Es wäre nichts besonderes, zu berichten, daß sich beim Heim jüdische Skiläufer einfinden, wenn es gutes Skiwetter gibt. Daß aber das Heim imstande ist, Menschen bei jeder Witterung ins Gebirge und auf Wanderungen zu bringen, und zwar nicht nur Jugendliche, sondern Juden aus allen Schichten und Lebensaltern, zeigt, welche Wirkung das Heim bereits auf einen großen Kreis von Menschen ausübt. Trotz Nebel und Regen fand sich zu der am 8. d. M. im Heim abgehaltenen Chanukka-Feier eine ganz große Anzahl von Gästen ein. Die Feier bot einen willkommenen Anlaß, die Richtung, die das Heim einzuhalten bemüht ist, nämlich die Verbindung eines kräftigen, naturhaften Lebens mit der jüdischen Tradition darzutun. Nach der religiösen Feier der Hawdalah und des Anzündens der Chanukkalichter hielt Prof. Jesaja Becker, Karlsbad, einen Vortrag über den Parallelismus der Makkabäerzeit und unseres Jahrhunderts. Am Beispiel der Geschichte zeigt er, wie der Untergang des Volkes immer nur aus der eigenen Schwäche, aus der Preisgabe des eigenen Wesens, der Übernahme fremder politischer Methoden und der Mißachtung des Geistigen entstehe. Der Abend wurde dann mit Gesellschaftsspielen und hebräischen Liedern fortgesetzt. Am nächsten Tag veranstaltete das Heim Wanderungen in den nebelfeuchten, stillen Wald des Erzgebirges, die bei allen Teilnehmern tiefe Eindrücke hinterließen. Hockeyerfolge der Hakoah Wien. Die beiden Hakoahner Hasple und Ullmann wurden in die österreichische Hockey-Nationalmannschaft berufen. Hakoah schlug in den Hockey-Ligaspielen den Wiener Athletikklub mit 4 : 0 und den Fußballklub Wien mit 7 : 5. Radrennen in Tripolis. Die tripolitanische Regierungszeitung „L'avenire de Tri pol i" berichtet von den Erfolgen des Makkabi bei dem vom Makkabi Tripolis veranstalteten Radrennen über 46 km. 25 Radfahrer beteiligten sich an den Kämpfen. Sieger wurde Isacco Habib. Hakoah ist mit einer Reihe von Athleten in der österreichischen Bestenliste vertreten: 100m: 8 Präge- 11.3; 200m: 8 König 23.0; 300m: 4. Kriser 39.4, 6. Kirwitzky 40.0; 400 m: 3. König 50.0; 1000m: 2. Kaiser 2:50.2; 1500m: 6. Blödy 4:11; 3000 m: 4. Blödy 9:15; 5000m: 8. Beck 16:10; 10.000 m: 4. Beck 33:34. — Ping-Pong: In der Rangliste der mährischen Tischtennisspieler steht Kohn (Makkabi Brno) an 2., Frl. Klein an erster Stelle. 32