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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-01-01 · 14 (Jänner 1935) · p. Seite 27

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
14 (Jänner 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
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i U CH i E % ECM P M © Max Brod: Heinrich Heine Verlag Allert de Lange, Amsterdam. Biographien begegnen heute dem regsten Interesse des Publikums. Die Flut der Romane oder wissenschaftlichen Darstellungen, die das Leben bedeutender Menschen zum Gegenstand haben, wächst; aber allzu Vieles ist nur für den Tag geschrieben, den es nicht überleben wird, und nur Weniges wird fortdauern. Unter diesem Bleibenden müssen wir dem Heine- Buch Brods einen hervorragenden Platj zuweisen. Hier vereinigt sich die strenge Sachlichkeit des Wissenschaftlers mit der fesselnden Darstellungskunst des Romanciers, verklärt durch die Intuition des Dichters, der aus seiner geistigen Verwandtschaft die seelischen Tiefen Heines zu erläutern vermag. Abseits jeder Schablone, aus gründlichster Kenntnis der Materie oft die Fachgelehrten widerlegend, läht Brod das Leben Heines an uns vorüberziehen; von den Tagen der Kindheit, welche die richtunggebenden unauslöschlichen Eindrücke hinterliehen, bis zum qualvollen, langsamen Absterben in der Pariser Matra^engruft. Die äußeren biographischen Daten sind ja Gemeingut geworden; neuartig, interessant und fesselnd sind die Deutungen, die Brod mit zwingender Logik dem seelischen Werden gibt. Vor allem der Aufbau der dichterischen Persönlichkeit aus den drei Kulturkreisen, die auf sie wirkten: des deutschen, französischen und jüdischen. Was Brod hierüber sagt, gehört zu den feinsinnigsten Kulturschilderungen; seine Gedanken über das Judentum zum Tiefsten, was über das jüdische Problem, das legten Endes kein nationales oder konfessionelles, sondern im edelsten Sinne des Wortes ein religiöses ist, seit langem zu vernehmen war. Und dies bedingt wesentlich das Erfassen Heines, der das typische Schicksal des emanzipierten Juden erlebte: Die Flucht aus seiner „Konfession", die scheinbar nichts bieten konnte, aufjer erstarrtem Formelkram, bis die Ereignisse den Mann geformt hatten, der in der täglichen Lektüre des Alten Testaments Trost und Stärke wiederfand und am Ende seiner Tage sich zur Einsicht bekannte: „Ich mache kein Hehl aus meinem Judentume, zu dem ich nicht zurückgekehrt bin, da ich es niemals verlassen habe." Wie der abgeklärte Heine über sein Volk dachte, beweist sein herrlicher Ausspruch über Moses in den „Geständnissen" (zitiert Seite 479). Es ist das Verdienst Brods, Heine richtig gezeigt zu haben, als religiösen Juden, dessen Dichten und Denken in deutscher Sprache, dessen Fehler und Irrungen, aber auch dessen Genie nur aus seinem jüdischen Wesen zu erfassen ist. Tiefe Liebe zu Heine und darüber hinaus zum Judentum entströmt diesem Buche, mit welchem Brod sich wiederum Dank und Verehrung seiner stets wachsenden Gemeinde erworben hat. Egon Erwin Kisch: Geschichten aus sieben Ghettos Verlag Allert de Lange, Amsterdam. Zum Dichter berufen, wie er in seinem trot3 des heiklen Themas zarten Roman „Der Mädchenhirt" beweist, hat Kisch es vorgezogen, seine künstlerische Begabung in den Dienst seiner politischen Anschauungen zu stellen. So wurde er zum „rasenden Reporter", der in allen Kontinenten zu Hause ist, über gewaltiges Wissen verfügt und das Geschaute, Erlebte und Erfahrene meisterhaft zu erzählen versteht, insolange nicht bewuht oder unbewuht die kommunistische Dogmatik durchbricht und die Politik die Poesie erschlägt. Den in vorliegendem Band gesammelten Geschichten ist allen gemeinsam, dah sie von Juden oder in jüdischem Milieu handeln. Alles andere ist unjüdisch: Die freche Verspottung jeder Tradition, jeder Religion, der krasse Materialismus, welcher vom geheimnisumflossenen Golem nichts ahnt, das überflüssige Verweilen bei allzu menschlichen Situationen, kurz, die ganze Einstellung zur Welt und ihren Tatsachen. Nein, es ist ein Buch, das jeder bewußte Jude ablehnen muh,. Nur wo Politik und kommunistische Weltanschauung aus dem Spiel bleiben, wie in der kurzen Erzählung „Schime Kosiner (Unhoscht) verkauft ein Grundstück", kommt wieder das grofye Talent zum Vorschein und schafft eine Meisterleistung, die sich neben den besten ihrer Art behaupten wird. Das moderne praktische Lehrbuch zum Selbstunterricht t/J CIO I »»• A XMtxe diomoibcn von BEN-CHAVIV soeben erschienen! Das beste Lehrbuch aller Zeiten I Die ersten 1000 Worte fürs tägliche Leben, praktische Gram matik, kei n Vokabelbüffeln, kein Kopfzerbrechen, mühelos, spielend leicht! Verlag Jos. Schlesinger, Wien I., Seitenstettengasse 5 Annie Mainz: Das ist Tel-Aviv! Verlag M. Lessmann, Hamburg Ein schmales Büchlein, das dennoch viel zu erzählen weif;. Ein Spaziergang durch die erste jüdische Stadt ist in ausgezeichneten Bildern mit sparsamen, prägnantem Text festgehalten. Keine Politik, keine Theorien iehrt die Kamera, sie gibt nüchtern und wahr das Gesicht und die Arbeit eines Volkes wieder, das aus eigener Kraft einer feindlichen Welt zum Trotz sich seine altneue Heimat baut. Ben Chaviv: Lerne Hebräisch! Verlag Josef Schlesinger, Wien Unumschränkt herrscht die moderne hebräische Sprache im jüdischen Palästina. Erst wer sich in ihr zu verständigen weif;, gilt als vollwertig. Allen, die diesem Ziele zustreben und es mit einem Minimum an Zeitaufwand und Energie erreichen wollen, sei dieses Buch empfohlen. In angenehmer, abwechslungsreicher Form, mit lustigen Bildchen geschmückt, lehrt es die wichtigsten Redewendungen des täglichen Gebrauches, die notwendige Grammatik, ist amüsant und darum prägt sich alles doppelt schnell und leicht ein. 27

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