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Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-01-01 · 14 (Jänner 1935) · p. Seite 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
14 (Jänner 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 11 (sequence 13)
Language
German
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SiaL mjL Malke ist ein wunderschöner Name. Welchen Inhalt birgt das Wort! Stille Klänge alter Ghettomärchen, Süße Freuden alter Ghettolieder. Laßt euch nur erzählen von der kleinen Hundertjährgen Malke ihre Jugend, Ihre Jugend in der Judengasse, In der Gaß bei Babe Braindl, Ihrer Mutter. Urahn Bräne, Babeleben! War denn deine Tochter Malke Wirklich solch ein tolles Mädchen, Konnte sie denn wahrlich tanzen Wie die Lola Montez, singen Wie die Adeline Patti? War sie Wirklich größer an der Frauen Liebreiz Noch als diese beiden Damen, Schöner denn alle, die in Wien, in Paris und London Sich produzieren mit dem Leibe, Mit den Augen und der Stimme Und was sonst die Frauen haben? Urbab Braindl, deine Tochter, Diese zwanzigjähr'ge Malke, Diese kleine Ghettojüdin, War sie Malke-Königin? Ja, sie wars. Vor achtzig Jahren, Eine Frau von hohem Adel, Schön und stolz und schlank und klug, 0, sie war es, deine Tochter, Urbab Braindl, Urgroßmutter, Deine Tochter, meine Babe, Gott, wieviel kann sie erzählen: Tage gingen. Jahre flogen, — Und zur Welt kam er, mein Vater; Nach ihm kamen vierzehn Kinder: Sieben Söhne, sieben Töchter, Tage gingen, Jahre flogen, — Sieben Kinder sind gestorben, Siebene sind alt geworden, Längst begraben ruht mein Vater, Ach, mein Vater, neunundvierzig, Als man ihn dahin gebracht hat Zu den Vätern aus dem Ghetto, An die Seite seines Vaters, Meines Djads, des Eisen-Herschl. Und ich war noch nicht drei Jahre. Doch, Gott weiß, daß ich es denke. Im April, vor Päßah war es, Mittags, in der Frühlingssonne Stand vor unserm Haus der Wagen, Schwarzgeschirrt sind unsre Rappen, Die nervös die Köpfe wiegen, Vorgespannt dem Leichenwagen — Und man nahm die Brettertruhe, — Hat sie langsam aufgeladen, Dann erklang die Trauerweise: Joschew besejßer eljon. Und ich hörte Mami weinen. Auf dem linken Arm des Martin, — Unser Knecht, der treue Marlin, Ist auch er schon heimgegangen? — Folgte ich dem Sarg zum Grabe. Dort erklang zum zweitenmale Eine alte Trauerweise, Und dann wurde er begraben; Und ich denke, wie ich manchen Von der Grube fortgestoßen Mit dem Lallen: Wars dein Vater? War ich stolz auf diesen Toten? Und das Leben dieses Mannes? Arbeit früh und abends Arbeit. Die Vergeltung? Weises Schicksal! Hört! Zwei Frau'n sind ihm gestorben Krank und unfruchtbare Frauen, Aber er nahm eine dritte: Diese Frau hat mich geboren, Die Vergeltung für ein Leben Voller Arbeit und Entbehrung Ist Unsterblichkeit im Kinde: Ich trag meines Vaters Namen, Deines Sohnes, Babe Malke, Deines Enkels, Urbab Braindl. Malke, meines Vaters Mutter, Du bist Malke: Königin.

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