Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 14 (Jänner 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Kernlos und saftig .. Erich Gottgetreu, Jerusalem Als der Großvater die Großmutter nahm, liebte er es, ihr seine Verehrung zu bezeugen, indem er ihr einen „Gruß aus dem Süden" schenkte: eine Apfelsine .... Das war damals noch eine erlesene Seltenheit, und Großmutter wußte sie wohl zu Schätzern "fi>*—" * ■ <t~ -~ 2£^~ &~ * *PL-»*- WM m- Uä. *w v. v». K—~ m ^■■0^ w Ein junger Pardess Bevor sie die saftige Kugel zerschnitt, mit Großvater teilte und aß, legte sie sie zwischen die Wäsche: des Duftes wegen. Heute rollen die goldenen Fruchtbälle in Massen über die ganze Welt. Im Süden blüht es, im Westen und Osten. Außer Spanien und Italien spendet auch Kalifornien und Palästina seinen gewaltigen Teil des edlen Segens. Für Palästina war früher Jaffa der Hauptausfuhrplatz, doch jetzt teilt sich der im Oktober 1933 eröffnete, für die Schiffahrt bequemere Hafen von Haifa mit etwa 50 Prozent ins Geschäft. Jenseits der Orange ist Palästina im wesentlichen noch Importland. Im wilden Konkurrenzkampf liegt die palästinensische Orange qualitativ mit an erster Stelle. Auch die Mengenstatistik ist recht gut. Die erste „Auslandskundin" war vor 80 Jahren die „Queen Victoria". Vor 30 Jahren wurden 50.000 Kisten ausgeführt. In diesem, d, h. in der „Erntespielzeit" 1933 34 — man erntet vom Novemberanfang bis zum Winterende — fünfeinhalb Millionen. Immer neue „Pardessim", das heißt Orangengärten, werden fruchttragend. Wenn aller ge- Bewässerungsanlage Kalken zum Schuf? gegen Schädlinge eigneter Boden des Landes ausgenutzt wird, ist eine Ernte von 30—40 Millionen Kisten im Jahr möglich... Die Jaffa-Orange ist besonders groß, dickhäutig, süß, kernlos und transportsicher. In Sonnenglut und Trockenheit wird sie sorgsam gesetzt, bewässert, gedüngt, geschwefelt, gestützt und geschnitten. Hinsichtlich ihrer Pflege haben die jüdischen Pflanzer, die pri* vaten und die in Kollektivsiedlungen arbeitenden, viel von den Kalifornien!, die palästinensischen Araber hinwiederum viel von den Juden gelernt. Aber außer den jüdischen und arabischen Pflanzern und Arbeitern des Landes beschäftigen sich auch viele Theoretiker mit der uralten, schon in der Bibel und im jüdisch-religiösen Kult betonten Citruskultur, um sie immer höher zu entwickeln. „Citrus", das ist nämlich der botanische Ort der Orange; außerdem gehört zu ihr die Zitrone und die Grapefruit — doch ist es ein Ammenmärchen, daß die Grapefruit aus einer Kreuzung zwischen Zitrone und Orange entstanden sei. Die Zitrone verliert jetzt 12