Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 14 (Jänner 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Univ.-Prof. Dr. Max Eisler: B ©BÄiST Kunst ist Gabe. Aber keine Kunst — im weiter umgreifenden Sinne des Wortes — entsteht ohne Schulung. Deshalb sind auch für die Schaffung einer neuen jüdischen Kunst planmäßige Bemühungen nicht nur gerechtfertigt, sondern auch notwendig. Ja, sie sind das hier ganz besonders. Denn die jüdische Kunst befindet sich in einer eigentümlichen, höchst alle Erfahrungen und Versuchungen der Zivilisation gegangen ist, kann die Last dieser Zivilisation nicht mit einem Male abstreifen, um sich auf einen Naturzustand zu stellen. Es kann für den Anfang nur sich auf sich selbst besinnen. Und eben dieser Anfang ist möglich, ist gut, und nichts, was ihn befördern könnte, zu gering. Aus solchen Gründen haben wir vor einigen Jahren dort begonnen, wo nach den damals herrschenden Verhältnissen ein in die Breite wirkendes, vorbildliches Unternehmen allein möglich war: auf dem Friedhof. Die neue Friedhofshalle war vor kurzem fertig geworden. Die Hoffnungen der modernen jüdischen Architekten in Wien, an einem Gemeindebau ihre epochal entwickelte Kunst zu zeigen, schienen für Jahrzehnte zerstört. Wollte man ihre lebendigen Kräfte nicht ungenützt vergehen lassen, dann mußte man an bescheidene Aufgaben denken. Ärchifekf Hugo Gorge-. Grabstein für Rabbiner Funk schwierigen Lage. Ihre Kräfte sind durch viele Jahrhunderte unter dem Einfluß der verschiedensten europäischen Kulturen gestanden. Jetzt sollen sie neu, auf jüdische Weise neu beginnen. Erfüllt von den Traditionen der Zivilisation, sollen sie Werke schaffen, die die eigene Art des Volkes und nichts anderes zu Form und Ausdruck bringen. Ist das überhaupt möglich? Ganz gewiß nicht auf dem Wege einer absichtlichen Primitivität. Ein Volk, das Jahrhunderte durch Prof. Dr. Oskar Strnad: Grabstein für Oberrabbiner Chajes