Mannheim
Compact Memory

Wiener jüdisches Familienblatt · 1935-01-01 · 14 (Jänner 1935) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
3 (1935)
Issue
14 (Jänner 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/8245601-8695759-8695767--547-8246009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Univ.-Prof. Dr. Max Eisler: B ©BÄiST Kunst ist Gabe. Aber keine Kunst — im weiter umgreifenden Sinne des Wortes — entsteht ohne Schulung. Deshalb sind auch für die Schaffung einer neuen jüdischen Kunst planmäßige Bemühungen nicht nur gerechtfertigt, sondern auch notwendig. Ja, sie sind das hier ganz besonders. Denn die jüdische Kunst befindet sich in einer eigentümlichen, höchst alle Erfahrungen und Versuchungen der Zivilisation gegangen ist, kann die Last dieser Zivilisation nicht mit einem Male abstreifen, um sich auf einen Naturzustand zu stellen. Es kann für den Anfang nur sich auf sich selbst besinnen. Und eben dieser Anfang ist möglich, ist gut, und nichts, was ihn befördern könnte, zu gering. Aus solchen Gründen haben wir vor einigen Jahren dort begonnen, wo nach den damals herrschenden Verhältnissen ein in die Breite wirkendes, vorbildliches Unternehmen allein möglich war: auf dem Friedhof. Die neue Friedhofshalle war vor kurzem fertig geworden. Die Hoffnungen der modernen jüdischen Architekten in Wien, an einem Gemeindebau ihre epochal entwickelte Kunst zu zeigen, schienen für Jahrzehnte zerstört. Wollte man ihre lebendigen Kräfte nicht ungenützt vergehen lassen, dann mußte man an bescheidene Aufgaben denken. Ärchifekf Hugo Gorge-. Grabstein für Rabbiner Funk schwierigen Lage. Ihre Kräfte sind durch viele Jahrhunderte unter dem Einfluß der verschiedensten europäischen Kulturen gestanden. Jetzt sollen sie neu, auf jüdische Weise neu beginnen. Erfüllt von den Traditionen der Zivilisation, sollen sie Werke schaffen, die die eigene Art des Volkes und nichts anderes zu Form und Ausdruck bringen. Ist das überhaupt möglich? Ganz gewiß nicht auf dem Wege einer absichtlichen Primitivität. Ein Volk, das Jahrhunderte durch Prof. Dr. Oskar Strnad: Grabstein für Oberrabbiner Chajes

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.