Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 3 (1935)
- Issue
- 14 (Jänner 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie ergaben sich an einer Reihe von Grabstätten, auf deren Errichtung die Gemeinde als Stifterin der Ehrenplätze Einfluh nehmen konnte und durch den einsichtigen Amtsleiter ihres Friedhofwesens dann auch beharrlich Einfluß genommen hat. Es waren nur Grabsteine. Aber das erwies sich, was noch klarer werden soll, für einen Anfang besonders günstig. In seinen besten Zeiten ist der jüdische Grabstein nichts anderes als Schriftstein gewesen. Sein Rand, besonders der Kopf war gelegentlich mit einigem Zierat versehen, aber auch dieser war — ebenso wie die erhabene oder vertiefte Schrift — unmittelbar aus dem immer einfachen Stein herausgehauen. Und eben auf dieser Einfalt beruhte seine Würde, die der Vorstellung vom jüdischen Tode am reinsten entsprach. Auf diesen Grundsätzen mufjte auch der erneuerte Grabstein sich einrichten. Die Ehrenreihe begann mit dem Oberrabbiner Chajes, es folgten die Seelsorger Funk, Mandl und Abeles und Rektor Schwarz. Die besten jüdischen Architekten Wiens — Strnad, Frank, Gorge, Sobotka und Wlach — haben die Entwürfe geliefert. Jeder nur einen. Denn es sollten ja Vorbilder gezeigt werden. Das Ergebnis ist aus den Aufnahmen zu ersehen, die unseren Text begleiten. Ärcfütekr Prof. Dr. Josef Frank, Grabstein für Rabbiner Mandl Architekt Walther Sobotka: Grabstein für Rabbiner Äbeles Die Formen sind verschieden. Das aufrechte Rechteck herrscht vor, aber es findet sich auch ein einfacher und ein doppelter Rundbogen, ähnlich den Tafeln des Gesetzes. An dem Grabmal für Chajes ist eine kreisrunde Messingplatte mit dem Namen des Verstorbenen montiert, bei Rabbiner Mandl erscheinen oben, als Zeichen der Priesterwürde, ein Teller und eine Kanne. Aber diese geringe Zutat ist so gehalten, dafj in jedem Falle die Form des Steines klar und ungemindert hervorkommt. Sie wird bestimmt durch die durchlaufenden Linien der Umgrenzung, durch Waag- und Senkrechte und den Bogen, also durch Linien der monumentalen Architektur. Und hat schon darum eine reine Grörje. Es ist verschiedener, aber durchwegs schlichter, schöner und heller Stein, aus den Brüchen um Wien, niemals zusammengestückt und immer in großen Flächen behandelt, so dah das Ganze des Blocks zur Erscheinung und zum Ausdruck kommt. Es sind Monolithe. Auch diese einfache Ganzheit hat Gröfje. Das schöne Verhältnis der Mafje, schöner als jeder — hier übrigens wenig angebrachte Schmuck — führt die Gröhe zur Harmonie. Sie wird vollendet durch die Schrift. Die aufrechten Stirnseiten der Steine — die liegenden Platten 5