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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-11-01 · 13 (November 1934) · p. Seite 27

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
13 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
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Bukarester Jüdisches Komödientheater in Wien Das Jüdische Theater in Wien, das leider so brach daniederliegt, hat eine Renaissance zu verzeichnen, seitdem das Gastspiel der Bukarester Jüdischen Truppe im Theater „Reklame" vor sich geht. Die Künstler, die sich derzeit auf einer Europatournee befinden, haben in den letzten zwei Jahren in Rumänien große Erfolge errungen, insbesondere waren ihnen diese durch ihre außerordentlichen Leistungen in der von dem bekannten jüdischen Dichterregisseur J. Sternberg inszenierten Revue „Skotzl kirnt" beschieden. Diese Revue fand sowohl in jüdischen als auch in nichtjüdischen Kreisen besonderen Gefallen und wurde von der gesamten Presse entsprechend gewürdigt. Interessant ist der Aufbau des Ensembles, das größtenteils aus den Mitgliedern einer Familie besteht, deren Oberhaupt gleichzeitig der Direktor der Truppe — in Wien kein Unbekannter ist. Der Name M. Siegler ist mit der historischen Entwicklung des Sevilla Pastor Jüdischen Theaters unlösbar verknüpft und auch Rosa Siegler ist uns allen noch als gute Schauspielerin in bester Erinnerung, die sowohl im komischeu als auch im dramatischen Fach ganz Hervorragendes leistete. Von diesem Künstlerpaar stammt eine Schauspielergeneration, die heute schon bestes jüdisches Theater spielt und die uns um die Zukunft nicht bangen läßt. Da ist vor allem Sevilla Pastor, eine Soubrette par excelknce, die sich vor allein durch ihr Temperament, schöne Sprache und schauspielerische Kultur auszeichnet und durch persönlichen Charme jede Geste und jedes Wort so natürlich gestaltet, wie dies bei Soubretten nur selten der Fall ist. In einem Atem muß man von Erna Siegler sprechen, eine typisch jüdische Bühnenschönheit, welche nebst schauspielerischem Talent besonders durch ihre gesangliche Begabung auffällt. Ein Kapitel für sich ist der Charakterschauspieler der Truppe, uns Wienern kein Unbekannter, Doli y Nachbar, ein geborener Wiener, der bereits vor 25 Jahren als kleiner Sängerknabe durch seine wunderschöne Stimme und außerordentliche Begabung die jüdische Theaterwelt Wiens überrascht hat. Er hat die in ihn gesetzten Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen. Auch hier bildet die Sprachtechnik und Natürlichkeit das Fundament seiner Kunst, wobei noch zu bemerken wäre, daß Nachbar ein vorzüglicher Sänger ist, welcher das jüdische Lied in allen Variationen ausgezeichnet interpretiert. Nachbar Erna Siegler hält sich jeder Uebertreibung fern, was gerade bei den Gestalten, welche er zu verkörpern hat, volle Einfühlung erfordert. Die Truppe hat bis jetzt zwei jüdische Qesangskomödien gezeigt, von denen die erste „Masel Tow" sich durch das rein jüdische Milieu auszeichnet und Dolly Nachbar die andere „Komödianten" — der große Schlager zu sein verspricht, der das jüdische Publikum durch Melodienreichtum und hervorragende Ensembleleistung allabendlich zu Beifallsstürmen hinreißt. Es wird ausgezeichnet gespielt, gesungen und getanzt, das Publikum kommt voll und ganz auf seine Rechnung. Die Regie führt mit viel Geschmack M. P a s t o r. Zu erwähnen wären noch Ella Silber, Lotte und Erika, zwei vielversprechende Talente. Die Truppe komplettiert sich durch die Damen K o s o w s k a, Meiseis, W e i ß b e r g und die Herren K o s o w s k i und Schorr. K — b. 27

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