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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-11-01 · 13 (November 1934) · p. Seite 25

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
13 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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dessen Nachruhm seine Lebenserfolge bei weitem überragt. In den „Perlenfischern" (1863) und „Das hübsche Mädchen von Pcrth" (1867) hatte er sich noch nicht gefunden und schuf noch in d en Fußstapfen Wagners. Doch bereits in der entzückenden Märchenoper „Djamileh" (1872) und der Musik zu dem Schauspiel „L'Arle'sienne" (in welcher er als Erster in der Kunstmusik ein Saxophon verwendetet war er ganz ein Eigener, um in seiner „Carmen" nicht nur sein eigenes Meisterwerk, sondern eine Gipfelleistung überhaupt zu vollbringen. Kein Spanier hat spanisches Kolorit echter getroffen als der französische Jude Bizet. Tragischerweise ist er wenige Wochen nach der Uraufführung seines Lieblingswerkes einem Herzschlag erlegen, ohne den beispiellosen Triumph desselben zu ahnen. Eine einzigartige und überaus reizvolle Erscheinung in der Musikgeschichte ist der später zum eingefleischten Pariser gewordene Kantorssohn aus Köln Jacques O f f e n b a c h (1819—1880). In ihm ist die Vereinigung von Judentum und hingen" an, die sein letzter großer Bluff war, da sie den großen Satiriker von einer ganz neuen Seite zeigte und den Eindruck erweckt, als ob er nie anderes als seriöse Opern geschrieben hätte. Auch der Berliner Bankierssohn Jakob Liebmann Beer der sich dann Oiacomo Meyerbeer (1791 -1864, Berlin—Paris") nannte, hat. nachdem er zuerst deutsche biblische Opern („Jephtas Gelübde". „Abimelech"), dann, auf Salieris Rat nach Italien gegangen, dort mit einigem Erfolg italienische Opern („Romilda e Constanza", „Semiramide") geschrieben hatte, in Paris den Höhepunkt seines Schaffens erreicht indem er hier einer der Hauptvertreter der französischen großen Oper wurde. „Robert der Teufel" (183D war ein durchschlagender Erfolg, der sich mit seinem Meisterwerk, den bis heute nicht verblaßten „Hugenotten" (1836t zum Weltruhm steigerte. Diese sind, ebenso wie der „Prophet" (1849), „Dinorah" (1859) und die erst nach seinem Tode (1865) aufgeführte, an musikalischen Schätzen Jacques Offenbach Giacomo Meyerbeer Georges Bizet Franzosentum am glücklichsten festzustellen. Seine Operetten sind das kulturhistorische Spiegelbild des zweiten Kaiserreiches und, in ihrer scharfen Satire, ihrem überströmendem Temperament und ihrer geistvollen Pikanterie, eine Art Addition von jüdischem Witz und esprit frangais. Ebenso mutet seine unerschöpflich scheinende Schaffenskraft, die sich als Theaterleiter, Regisseur und Autor von nicht weniger als 102 Bühnenwerken verausgabte, wie das Resultat seiner nimmermüden Rasse und der mitreißenden Gewalt der lebensprühenden Pariser Atmosphäre an. Seinen übermütigen Cancanrhythmen konnten die Zeitgenossen nicht widerstehen und auch wir erliegen noch immer ihrem Reiz. Auch von den zahlreichen Einaktern, wie sein Erstling „Fortunios Lied", „Die Verlobung bei der Laterne" und andere, erfreuen noch manche durch ihre Anmut und Frische. Seinen bekannten Operetten „Orpheus in der Unterwelt", „Die schöne Helena".. „Blaubart" „Pariser Leben", „Madame l'Archiduc",;,Die Großherzogin von Gerolstein" schließt sich als Krone die erst nach seinem Tode aufgeführte Oper „Hoffmanns Erzäh- Geschenke nach allen Orten den Sowjet-Union besorgt raschest und spesenfrei ToAgAwi Auskünfte, Preislisten, Bestellungen durch Handelsvertretung d. UdSSR, Wien I.Wallnerstr.9 so reiche Orientoper „Die Afrikanerin" aus der Geschichte der französischen, großen Oper nicht wegzudenken. Ihre kosmopolitische Zusammensetzung — sie sind deutsch in der Harmonik, italienisch in der Melodik und französisch in der Rhythmik und Aufmachung — mag auf Meyerbeers musikalische Entwicklung ebenso zurückzuführen sein, wie auf die Anpassungsfähigkeit seiner Rasse. Die Uebertreibung der Kontraste um des Effekts willen, die ihm nicht ganz mit Unrecht zur Last gelegt wird, dürfte aber kaum gerade, auf seir. Judentum zurückzuführen sein, denn diese Neigung soll es auch sonst schon gegeben haben. Blau-Wein Wien-Haifa auf dem Landweg in nicht ganz 4 Tagen! Abfahrt des ersten Sonderzuges: Samstag, 17. November, 19.20 von Wien - Ostbahnhof Schlaf- und Speisewagen Rituelle Küche Auskünfte, Kartenverkauf: Österreichisches Verkehrs-Bureau Wien I., Friedrichstraße Nr. 7, Telephon B 27 500 Inflation.,,: Österr eschisches Palästina - Amt Wien I., Kärntnerstraße Nr. 28, Telephon R 27-4-86 PALÄSTINAFAHRTEN Wien I., Franz-Josefs-Kai 7—9, Telephon R 28-0-65 25

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