Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 13 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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fu/lsckmerzeu,'? JL 1 \<*e(tst verschuldet T | V' _ Nicht anstellen lassen! "V Rat und Hilleim führenden Fadiinstltut Bmidtmen-itlTholnscri Taborstraße 22 - Tel. R 47-1-85 Wirksamste Heilbehelfe. - Werfvolle Fachbrosdiürc kostenlos! war aber ganz verschwollen und zwei Finger djer rechten Hand verbunden. Als der Vater ihn sah, stand er auf und ging auf ihn zu. „Wie schaust denn du aus? Gerauft?" „Ja, Papa!1' „No und der Andere?" Der Bub strahlte über das ganze Gesicht: „Oh, der sieht noch viel ärger aus!" „Ja", rief jetzt die Mutter dazwischen, „da haben wir was davon! Immer muß der Lausbub hertimraufen!" Der General stand habtacht, wie im Dienst. „Komm mal näher!" Und als der Bub zögernd herantrat, hob der Papa die Hand, eine sehr kräftige Hand, auf; aber da trat der Jüngere dazwischen: „Nein. Papa, du mußt ihn doch erst anhören, er hat doch ganz recht gehabt!" Der General ließ die Hand wieder sinken: „Maul halten, Bub, bis du gefragt bist. Also erzähl' mir!" Das war nämlich so: Der Andres hat mir ,Saujud' gesagt und da hab' ich ihm natürlich eine heruntergehaut und er ist über mich, aber ich hab' ihm" ein Haxel gestellt und da ist gerade der neue Griechischprofessor gekommen und hat gesagt, ich muß Sonntag zwei Stunden brummen und hat ein großes Geschrei gemacht." „Hm!" „Und ich war so wütend und hab' gesagt, ich laß' mir das nicht gefallen ..." „Du hast einem Herrn Professor nicht zu widersprechen!" Die Hand hob sich wieder drohend. ... „und hab' gesagt", fuhr der Bub fort und wich aus, ,,ich will zum Herrn Direktor geführt werden!" „Gut! Das ist dein Recht. Und?" „Und der hat dann auch erst geschimpft und hat dann leise gesagt: .Lassen Sie ihn, Herr Kollege, er ist der Sohn vom General Lederer, der kennt auch den Landesschulrat und hat dann gesagt, ich muß nicht brummen." „So", fuhr der General auf, „weil du der Sohn vom General Lederer bist! Was bist du denn schon? Du wirst Sonntag brummen! Du gehst morgen zum Herrn Obersten, heißt das zum Herrn Direktor und sagst, ich habe dir befohlen, verstanden? be—foh — den! Sonntag zu brummen." „Aber Papa..." „Ruhig, du hast zu gehorchen, aber weißt du, komm her!" Der Junge sah dem Vater scheu in die Augen, aber da sah er etwas, das ihn verlegen lächeln machte und er ging, wenn auch langsam, zu ihm. Der Papa nahm den Jungen an den Ohren und sagte mit ganz weicher Stimme: „Also weißt du, Saujud mußt du dir nicht sagen lassen. Ihr seids alle dumme Buben, Juden und Christen, und du bist schon mein braver Lausbub; aber deshalb brummst du Sonntag doch! So, und jetzt ist der Dienst endlich zu Ende. Gehen wir essen!" * * * Nach dem Nachtmahl gingen die Kinder ins Bett. Der General und seine Frau saßen nach Abräumen des Tisches einander gegenüber und schauten sich an. „Er hat ganz recht gehabt" sagte der General. „Vielleicht, ich weiß nicht; du bist manchmal zu streng, manchmal zu lind mit den Kindern. Kinder sollen nie wissen, daß man sie zu lieb hat." „So, glaubst du, liebe üerti? Das ist so wie mit den Mädeln, wenn man jung ist. Eine, mit der man nur so ein Verhältnis hat und bei der man fürchtet, daß sie einem untreu wird, die soll nicht wissen, daß man sie zu lieb hat; aber eine, die man wirklich lieb hat — was soll da die Komödie? Der soll man zeigen, der kann man gar nicht genug zeigen, wie lieb man sie hat und bei den Kindern ist es grad so. So ist es!" „Vielleicht hast du recht, ach Gott, ja!" „Nun, was gibt's zu seufzen?" „Nichts, nichts, du bist ja heut' zu müd!" „Ach es geht; na, schieß mal los! Du hast ja da wo eine Batterie aufgestellt und 'recht schlecht maskiert! Na?" „Es war heut' Besuch da." „Und zwar?" „General Hormayr." „Ah richtig,Hormayr, ein eckelhafter Kerl; nun?" „Er wollte mit dir sprechen, und zwar im Auftrag." „In höherem Auftrag?" Der General saß ganz aufrecht und horchte mit gespanntem Gesichtsausd ruck. „Es handelt sich um die Kaisermanöver." „Na, hat er doch nicht mit dir besprochen?" „Doch — ein wenig — das heißt —" „Doch — ein wenig — heraus damit!" Er machte eine Pause, sank ein wenig zusammen. Dann schaute er ihr sehr gut in die Augen. „Armes Mädl, wollen sie mich absägen?" „Nein", rief die Generalin, „das will man nicht! Im Gegenteil, sie wollen dich nach den Manövern zum Feldmarschalleutnant ernennen." Der General leuchtete auf: „(iott sei Dank! Ich hab' mirs ja gedacht! Aber weshalb sagt er das dir?" Die Frau stand auf und trat zu ihrem Mann; „Weißt du, Fritz, es ist schwer zu sagen — sie wollen, daß w ir uns taufen lassen." Der Brigadier pfiff durch die Zähne: „Schade", sagte er dann, „schade, daß man fünfundsechzig Jahre 21