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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-11-01 · 13 (November 1934) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
13 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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•Three Stars" Kohle Anthrazit Koks HÖCHSTER QUALITÄTEN Bäsch, IV., Argentinierstr. 22 Tel. Serie U 47-5-40 auch General werden, wenn er brav und mutig ist. Merk dir das und sag' deinem Vater, der General Lederer hat dir das gesagt." Damit wollte er weiter gehen, aber er drehte sich noch einmal um: „Oder es ist besser, du sagst das nicht deinem Vater, weißt du, sonst bekommst du vielleicht feste Hiebe dafür, kleiner Soldat, Servus!" Er ging nun weiter und das Gespräch mit den drei Kleinen fügte sich merkwürdig seinen bisherigen Gedanken an: „Da spielen sie jetzt Soldate.i und ihre Väter s'nd Ae zx- und Advokaten und schimpfen über uns Offiziere. — Ein Jud kann nicht General werden! So, so, freilich, wenn Ihr anders wärt, Ihr Herren, freilich, dann könntet Ihr's auch!" Auf einmal blieb er stehen und stieß mit dem Säbel aufs Pflaster. „Die Hunde, die Hunde!" stöhnte er dann. Er kam wieder zu sich und blickte herum, ob jemand seinen plötzlichen Ausbruch gesehen hätte. Aber es war ziemlich leer; er stand auf dem großen Platz vor der Kirche; drüben gingen zwei Ulanen-Einjährige vorüber, nahmen die Säbel hoch und marschierten stramm sporenklirrend vorbei. Er dankte und sagte bitter und kopfschüttelnd vor sich hin: „Ja, Einjährige!", dann wieder zu ruhiger Besinnung kommend, „warum nicht? Es hat auch sein Gutes. Jetzt aber schnell nachhause!" Die Laternen wurden bereits angezündet, als er an dem großen Gebäude des Korpskommandos vorbeikam. Trotz seiner Gedanken überschaute er schnell mit einem Blick, ob die dort aufgestellten Ehrenposten anständig adjustiert wären und als er um die Ecke bog, stieß er beinahe mit einem Anderen zusammen. ,,Ah, Servus Lederer!" Es war Baron Sandor, wie es allgemein hieß, der künftige Kriegsminister. „Ja also Lederer", begann er und schaute lächelnd auf die Feldmontur des Kameraden, „also Lederer, immer im Dienst!" Damit strich er wohlgefällig seine weißen Glacies glatt. „Von wo kommst denn du jetzt her?" „Regimentsübung inspiziert, dann noch Besprechung wegen der Kaisermanöver; machst.du heuer mit, Exzellenz?" „Ich weiß noch nicht; ich erwarte noch gehorsamst weitere Befehle. Na also, da wirst du ja wieder mit deiner Brigade herrlich abschneiden, du Glückspilz!" „Glückspilz, wieso?" „Ah, eh schon wissen, Persona gratissima oben, ganz, ganz hoch oben; nein, nein", setzte, er dann hinzu, „wir haben wenige so wie du, von der alten Garde, der so von der Pike auf gedient hat. Ueforigens, hast du den Hormayr nicht getroffen?" „Nein, warum denn?" „Der wollte dich heut' schon aufsuchen in einem höheren, weißt du, ganz, ganz höheren Auftrag." „Du, Exzellenz, so etwas hab' ich nicht gern, weißt du was davon?" „Darf nix sagen, gar nix sagen, streng reservat, aber nichts Schlechtes. Wiedersehen! Servus du, Handkuß an Frau Gemahlin — vielleicht bald an Ihre Exzellenz!" „Na also hör' doch!" — aber Baron Sandor war schon fort. * * * Als General Lederer abends frisch gewaschen, in alter weißer Leinenhose, Pantoffeln, einer dünnem Offiziersbluse, deren Kragen offen stand, in das Speisezimmer trat, war nichts mehr an ihm zu finden vom Brigadier, der noch vor zwei Stunden einer Schar von Offizieren die Hölle heiß gemacht hatte. Ein freundlicher, sehr müder alter Herr, der sich mit etwas wehmütigem, gleichzeitig aber skeptischem Lächeln an den gedeckten Tisch setzte und seiner Frau sagte: „Also Gerti, mach' mal schnell mit dem Essen!" Seine weitaus jüngere, etwas korpulente Frau ging darauf hinaus und der General blieb allein im Zimmer und schaute sich um. Es war sehr einfach, ja kleinbürgerlich und mit mehr Behaglichkeit als Geschma,ck eingerichtet. Da hing an der Wand neben einer Photographie der Kirschenmadonna ein Bild: General Gablenz nimmt mit stürmender Hand Trautenau; neben einer Studie Dürerscher Hände hing „Das kleine Brüderchen" von Kaulbach. Auf dem Diwan lagen etliche Polster mit „Nur ein Viertelstündchen", „Zur Siesta" und ähnlichen Sprüchen; an den Fenstern hingen bunte Glasmalereien, von denen eine den Trompeter von Säckingen, die andere Faust und Margarethe darstellten. Ein Schreibtisch in der Ecke war voll alter „Gartenlauben" und Militärblätter, im Bücherschrank aber fanden sich nicht nur alle Klassiker, sondern auch zahlreiche Geschichtswerke und Philosophen von Plato über Spinoza und Kant bis Schopenhauer. Und zwar standen alle Bände tadellos nach der Größe geordnet von links nach rechts. Und wenn man den alten Herrn mit dem freundlich klugen, ja oft weisen Gesicht recht darin betrachtete, so paßte er auch besser in diese Umgebung, als etwa in ein hoch stilvoll eingerichtetes Zimmer. Nicht lange blieb er allein. Die Tür wurde geöffnet und man hörte die Stimme der Generalin: „Geh nur hinein, der Papa wird dir's schon zeigen!" Im Zimmer erschienen nun die Generalsbuben; zuerst der ältere, ein etwa Fünfzehnjähriger, und dann der um drei Jahre jüngere Bruder. Der Aeltere war ein hübscher Junge, groß, kräftig, sehnig; sein linkes Auge 20

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