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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-11-01 · 13 (November 1934) · p. [Seite]

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Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
13 (November 1934)
Date
1934-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Alexander, König von Jugoslawien Die Judenschaft Jugoslaviens hat einen der größten Judenfreunde verloren, die Juden der ganzen Welt trauern um ihn. König Alexander hatte es unternommen, die verschiedenartigen Bevölkerungsteile Jugoslaviens zu einem einheitlichen Staatswillen zu vereinigen. Wo immer solche Bestrebungen ins Werk gesetzt wurden, hat man die Judenschaft als unbeachtlichen Bevölkerungssplifter angesehen und behandelt. Anders König Alexander. Er hat es abgelehnt, auf diesem ausgetretenen Wege zu gehen und ist damit bahnbrechend geworden. Es liegt eben, wie sein sfaatsmännischer Blick erkannt hatte, nicht im Interesse der anderen Völker, die Judenschaft durch einen Befehl, durch einen staatlichen Akt, durch einfaches Wollen zum Verschwinden zu bringen oder sie niederzuhalten. Die Judenschaff Jugoslaviens ist zahlenmäßig und perzentuell ein geringer Bruchteil der Staatsbevölkerung und sie lebt weit verteilt auf das Territorium des Staates. Sie ist aber ein Spezifikum, eine Bevölkerungsgruppe, die für die Staatsgemeinschaff viel leisten kann, wenn man sie menschlich und — richtig behandelt. Es ist unrichtig, die Juden auf Posten zu stellen, wo sie nichts leisten können, es ist aber ebenso unrichtig, sie allseits zu verdrängen und zu bedrängen. König Alexander hatte im persönlichen Leben für einzelne Juden dieselben Sympathien, wie für alle anderen Bürger seines Staates, wenn diese Sympathien verdient hatten. Oberrabbiner Alkalay gehörte zum engsten Freundeskreis des Königs und hat sich dieser königlichen Freundschaft würdig erwiesen. Oberrabbiner Alkalay wurde zu keiner Ministerschaft berufen, sondern nur zum königlichen Ratgeber — als Jude. Und dieses Vertrauen haben die Juden Jugoslaviens mit Freuden erwidert. Uns liegt ein Privatbrief eines weitblickenden Juden aus Zagreb vor. Was er über die Trauer um den toten König mitfeilt, ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, darum ist es zuverlässig und gibt ein unbefangenes Bild darüber, wie Juden fühlen, wenn sie sich wohl fühlen, wenn sie einen Menschen vermissen, der auf höchstem Posten stand und — endlich einmal ein Staatsmann, der das Judenproblem verstanden hatte — die Juden richtig und gut behandelt hatte. In Jugoslavien wird niemand behaupten, daß sich die Juden vorgedrängt haben, daß eine geheime Judenmacht den Staat beherrscht. König Alexander gab den Juden, was ihnen gebührte, das volle Menschen- und Bürgerrecht, die richtige Autonomie und das Herz des Verstehenden. Am Grabe König Alexanders hatte allüberall zunächst alle Politik geschwiegen. Auch wir beugen uns diesem ehrfürchtigen Schweigen, das mit deutlicher Beredsamkamt gegen die Mordwaffe als einem politischen Argument protestieren wollte. Wir brechen dieses Schweigen nicht, wenn wir es deutlich sagen: Dieser große König und Staatsmann, den ein grausames Schicksal nicht zur Erfüllung seines politischen Könnens und Wollens gelangen ließ, hat im Judenpunkt in einer Zeit allgemeiner Verirrung Mustergiltiges geleistet. Wir Juden haben das Recht und die Pflicht, ihm dies vor aller Welt zu bezeugen. Aus unserem tiefen Schmerz um den Verlust eines unersetzlichen Freundes und Helfers wachsen mit doppelter Kraft die Gefühle der Dankbarkeit und Verehrung, die ihm ein ewiges Gedenken sichern.

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