Wiener jüdisches Familienblatt
- Journal
- Wiener jüdisches Familienblatt
- Volume
- 2 (1934)
- Issue
- 13 (November 1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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WDENEEI JUDISCHES FÄfeD DUDEN HD. ATT Redaktion und Verlag: Wien I., Petersplatz 7 Telephon U-21 0-17 2. Jahrgang Kislew 5695 - November 1934 Nummer 13 J*iS zweite / Das »Wiener Jüdische Familienblatt« hat das erste volle Jahr seines Bestandes überschritten und ist der Kindheit entwachsen. Im Zeitschriftenwesen ist es somit mündig geworden. Wir wollen - die Kritik der anderen ist herzlich eingeladen — an diesem Zeitpunkte eine Selbstkritik üben. Wir wollten aus dem Vereinsgezänke heraus ins freie Leben treten und ins freie Leben führen, wir, die dieses Blatt ins Leben gerufen und im Leben betreut hatten, freie Menschen und freie Juden, die sich nur ihrem Gewissen und den schwierigen Erfordernissen eines schwierig gewordenen Lebens verantwortlich fühlen wollten. Wir haben daher frei geschrieben und gerne übernommen, was uns an freien Worten ins Haus geflogen kam. Wir haben manche Feindschaft empfunden und viel Freundschaft und Anerkennung erfahren. Zufrieden sind wir nicht. Wir wollen den Leser- und Freundeskreis noch erweitern und wir wollen den Mitarbeiterkreis ausdehnen. Wir wollen eine Stelle sein, die dem unbefangenen Juden des geschriebenen Wortes den Weg zum unbefangenen jüdischen — und nichtjüdischen Leser ermöglicht. Wir verstehen unter »Unbefangenheit« die Loslösung des jüdischen Denkens, Sprechens und Schreibens von äußerlichen jüdischen Kriterien. Was immer ein Jude, der sich als Jude fühlt und gibt, anderen zu sagen vermag, das ist jüdisch. Ob man das »jüdische« daran äußerlich erkennt oder nur empfindet, ist einerlei. Frei und unbefangen sich geben, politisch, geistig, philosophisch, schöngeistig, wirtschaftlich, im Spiel der Kinder, im Spiel der Mode, im — Humor, der bei Juden so spärlich frei von Sarkasmus fließt, das wollen wir erleichtern, anregen und veröffentlichen. Das wollen wir, und in unserem ehrlichen unentwegten Streben sind wir, wenn wir uns selbst Rechenschaft über das erste Arbeitsjahr geben, mit uns unzufrieden. Denn wir sehen einen weiten Weg vor uns und wir freuen uns, ihn weiter mit verstärkter Kraft gehen zu können, wir sehen das Ziel eines freudigen Judentums und Judeseins und da erscheint uns das bisher Erreichte noch herzlich wenig. Mitarbeiter suchen wir. Als Anerkennung suchen wir eine stets wachsende Leserschaft, die uns die Treue hält, die uns lesend hilft. Und ihnen, den bisher Treuen, sei es eingestanden, daß wir als überparteiliches Blatt ganz ausschließlich aus eigener Kraft gelebt haben. Darauf sind wir stolz und deshalb — verdienen wir Mitarbeit, vor allem der Leser und Bezieher, der dauernden treuen Freunde. Und noch eine Tatsache können wir unseren Lesern berichten: Es ist uns aus dem nichtjüdischen Lager Beachtung und Anerkennung zuteil geworden. Das erscheint in der heutigen Zeit besonders wichtig und beweist, daß das »Wiener Jüdische Familienblatt« die Kraft besitzt, dem Judentum ehrliche Freunde zu gewinnen und Kenntnis des wahren jüdischen Lebens und der echten jüdischen Werte zu vermitteln. Leset uns, werbet für uns und arbeitet mit! Für ein freies Judentum!