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Wiener jüdisches Familienblatt · 1934-10-01 · 12 (Oktober 1934) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener jüdisches Familienblatt
Volume
2 (1934)
Issue
12 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 24 (sequence 26)
Language
German
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„Three Stars" Kohle Anthrazit Koks — HÖCHSTER QUALITÄTEN ~ Bäsch, IV., Argentinierstraße 22 Telephon Serie U 47-5-40 Ein stadtbekannter Auweh -Witzbold an der Wiener Staatsoper — seinen Namen sol;lt Ihr nie erfahren, es war der Souffleur Maxi Blau — tat bei einem Jeritza-Gastspiels in Wien, als der Jubel und die Hervorrufe kein Ende nehmen wollten, sehr bekümmert und murmelte fortwährend vor sich hin: „Achgottachgott, was wird die Jeritza sein, wenn sie alt ist!" — „Ja was denn, um Himmelswillen?'' fragten ihn die neugierigen Solisten. — Darauf Blau: „Ein grauer Star!" ♦ # ♦ Leo S1 e z a k hatte bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung, bei der viele namhafte Künstler mitwirkten^ nicht nur zu singen, sondern auch den Bunten Abend zu konferieren. Riesengroß marschierte er aufs Podium und sang den „Lenz" von Hildach. Hierauf sprach er zum enthusiasmierten Publikum: „Sie sehen, was für ein großer Künstler ich bin! Aber jetzt habe ich die Freude, Ihnen einen noch viel größeren als ich bin, anzukündigen!" Und in die Kulisse gewandt: „Bitte!" Unter dröhnendem Gelächter des Publikums trippelte der kleine Moriz Rosenthal aufs Podium. * # * Jemand entrüstete sich zu Max Liebermann über einen jüngeren Maler, dessen Bilder in Kunstkreisen als ein kitschiges Gepatze berüchtigt waren und der dennoch in letzter Zeit in Mode gekommen war, viel zu tun hatte und allmählich reich wurde. Liebermann meinte lakonisch: „Wer gut schmiert, fährt gut." ♦ » * Katharina Schratt war zu der Zeit, als ihre Beziehungen zum österreichischen Hofe enger wurden, öfters gezwungen, ihr Auftreten im Burgtheater im letzten Moment abzusagen. Sie tat das stets mit der Begründung: Schnupfen, Husten, Heiserkeit etc. — Einmal fand der Direktor, als er um 5 Uhr nachmittags in die Direktionskanzlei kam, einen vom Regisseur der Vorstellung, Adolf von Sonnenthal, gezeichneten Zettel vor: „Katarrhina Schratt hat abgesagt!" * * » In einem Kreis junger und stark moderner Autoren und Literaten war von einstigen Führern und Vorbildern die Rede. Einstimmig war die Verurteilung Gerhart Hauptmanns, der seit dem Weltkrieg der jüngeren Generation nichts mehr zu sagen hätte. Da meinte Bert Brecht: „Mein Gott — der Hauptmann ist eben an der Majorsecke stehen geblieben." Der alte Ludwig Bösendorfer fehlte fast nie bei Konzerten in seinem eigenen entzückenden Saal in der Herrengasse. Einmal spielte Anton R u b i n s t e i n. In einer Pause suchte dieser, der zwar ein wundervoller Virtuose war, aber kein sehr gutes Gedächtnis besaß, im Künstlerzimmer nach den mitgebrachten Noten eines Stückes von Händel, das als nächste Programinnummer darankommen sollte, um sich eine besonders schwierige Stelle nochmals einzuprägen. Aber er konnte und konnte die Noten nicht findein, warf wütend alles durcheinander und beschimpfte alle Anwesenden, darunter Brahms, Goldmark, Epstein, insbesondere jedoch Bösendorfer, den er der mangelnden Obsorge beschuldigte. Bösendorfer blieb ruhig, als aber das Toben immer ärger wurde, sagte er lächelnd: „Rubinstein, suchst du Händel?" — worauf Rubinstein lachen mußte und sich besänftigte. » # * Graf Hülsen, ehemals Intendant der preußischen Hoftheater, sonst kein unebener Mensch und auch nicht durchaus verständnislos gegenüber den neueren Erfordernissen des Theaterwesens, hatte doch einen schlimmen Fehler: die Abneigung gegen das Judentum lag ihm als preußischem Junker eben im Blut. Als es sich einmal um eine Zusammenarbeit mit Max Reinhardt handelte, versuchte ein Mittelsmann, die Widerstände bei Hülsen zu überwinden. Als dieser aber trotz aller Bombenargumente andauernd kühl blieb, meinte der Mittelsmann den alten Theaterpraktikus endlich mit der Bemerkung zu fangen: „Und, nicht wahr — Reinhardt hat doch so gar nichts Literarisches in sich?" — „Das stimmt", lächelte Hülsen, „kein Liter arisches Blut!" # # » Egon Fried eil suchte einst wegen einer Verrechnung — zu seinen Gunsten — einen Wiener Verleger auf, der sofort über die schlechten Zeiten unld den schwachen Absatz zu klagen begann und die unmöglichsten Argumente hervorholte, um daran seine augenblickliche Zahlungsunfähigkeit zu erweisen. Plötzlich kommt ein Bursche, der Austräger einer Buchhandlung, mit einem Bestellschein herein. „Was wollen denn Sie?" brüllt ihn der Verleger an. „Bitf schön, 10 Decameron e", stammelt der Angeschriene im Vorstadtdialekt. „Da sehen Sie", wendet sich der Verleger an Friedell, „so weit ist es bereits mit mir gekommen: jetzt kommen schon die Leute von der Straße herauf und verlangen von mir 10 Deka Maroni!" 24

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